Wann werden verschollene Dortmunder für tot erklärt - und wie oft?

mlzAmtsgericht

Es gibt Dortmunder, die einfach verschwinden - zum Beispiel Bouthahar Ahmed Abaych. Er wurde für tot erklärt. Dafür gibt es Regeln. Und was passiert, wenn ein vermeintlich Toter wieder auftaucht?

Dortmund

, 12.06.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bouthahar Ahmed Abaych lebte zuletzt in Eving, in einem Mehrfamilienhaus am Forellenweg 14. Das Klingelschild an der Tür gibt es schon lange nicht mehr; denn er war seit 2007 nicht mehr dort. Seitdem gilt der Mann als verschollen. Geboren wurde er laut Amtesgericht am 1. September 1942 in Azarual-Snada, vermutlich ein Ort irgendwo in Nordafrika.

Das Amtsgericht hat den Mann jetzt für tot erklärt. „Als Zeitpunkt des Todes wird der 01.07.2007 festgestellt“, heißt es in einem Beschluss vom 6. Mai. Mehr zur Person von Bouthahar Ahmed Abaych möchte das Gericht nicht preisgeben – auch aus Gründen der Privatsphäre von Abaych und seinen etwaigen Angehörigen.

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Ein Problem von Angehörigen ist, dass der Tod einer verschollenen Person nicht nachgewiesen werden kann. Weil es keine Leichenschau gibt, gibt es auch keine Todesbescheinigung und auch keine Sterbeurkunde vom Standesamt. Den Angehörigen und potenziellen Erben bleibt in solch einem Fall nur der Weg zum zuständigen Amtsgericht – dort, wo der Verschollene seinen letzten Wohnsitz hatte –, um eine gerichtliche Todeserklärung zu beantragen.

Zwei bis drei Fälle im Jahr

Die Todeserklärungsverfahren laufen beim Dortmunder Amtsgericht in der sogenannten Betreuungsabteilung und werden von Rechtspflegern bearbeitet. Das komme allerdings sehr selten vor, berichtet auf Anfrage Richter und Pressedezernent Jan Schwengers: „Statistisch gibt es pro Jahr zwei bis drei Fälle.“

„Früher hatten die Verfahren in erster Linie Bedeutung im Zusammenhang mit Kriegsverschollenen aus dem Zweiten Weltkrieg. Aktuell liegt der Bezug eher zur Lage im Nahen Osten und der Flüchtlingssituation“, erläutert Schwengers. Etwa, wenn Angehörige auf der Flucht voneinander getrennt wurden.

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Nach dem Verschollenheitsgesetz gilt jemand als verschollen, dessen Aufenthalt während längerer Zeit unbekannt ist, ohne dass Nachrichten darüber vorliegen, ob er in dieser Zeit noch gelebt hat oder gestorben ist, sofern nach den Umständen hierdurch ernstliche Zweifel an seinem Fortleben begründet werden.

Unterschiedliche Fristen

Je nach Unglücksart gebe es unterschiedliche Fristen, bis jemand für tot erklärt werde, so Schwengers. Bei einem Flugzeugabsturz sind es beispielsweise drei Monate, bei einer Seefahrt sechs Monate.

Wenn das Verschwinden kein Unfall war, kann bei einer vermissten Person (mit einem Alter über 25 Jahren) erst zehn Jahre nach dem letzten Kontakt eine gerichtliche Todeserklärung beantragt werden, sollte es ernste Zweifel an deren Überleben geben. Bei über 80-Jährigen ist das schon nach fünf Jahren möglich.

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Nach dem richterlichen Beschluss über die Todeserklärung wie im Fall von Bouthahar Ahmed Abaychbei wird eine Person als verstorben angesehen. Dieser Beschluss wird öffentlich bekannt gegeben und ersetzt die standesamtliche Sterbeurkunde. Darüber hinaus wird jede verschollene und für tot erklärte Person in der Verschollenheitsliste bekannt gegeben.

Die Todeserklärung sei letztlich eine Vermutung, die jederzeit widerlegt werden könne, sobald der für tot Erklärte wieder lebend auftauche, sagt Schwengers. Dann wäre die Erklärung aufgehoben und verlöre ihre Gültigkeit. Doch dem Mitarbeiter beim Amtsgericht, der diese Fälle seit Jahren bearbeitet, so Schwengers, „ist kein derartiger Fall erinnerlich.“

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