Hunderte Biker jeder Couleur waren am Sonntag (1.8.) in Dortmund in einem Demo-Korso unterwegs. Waren auch Bandidos dabei? © Oliver Schaper
Verbotener Rockerclub

Waren Bandidos bei der großen Motorrad-Demo in Dortmund dabei?

1.250 Biker demonstrierten als Korso am Sonntag (1.8.) auf Dortmunds Straßen. Viele hatten Kutten an. Beobachter wollen auch Zeichen der verbotenen „Bandidos“ gesichtet haben. Die Polizei klärt auf.

Fünf Kilometer lang war der Motorradkorso der am Sonntagmittag (1.8.) durch das Dortmunder Stadtgebiet fuhr. Rund 1.250 Motorräder waren auf den Straßen unterwegs, um gegen Einschränkungen für Biker zu demonstrieren.

Nach Informationen unserer Redaktion waren auch Kutten unter den etwa 1.700 Teilnehmenden zu sehen – nicht ungewöhnlich bei Motorrad-Fans. Dabei waren den Informationen nach auch Aufnäher in den Farben Rot und Gold zu sehen, die auch der Rocker- und Motorradclub „Bandidos MC“ benutzt. Hat der verbotene Rockerclub auch in Dortmund demonstriert?

Hinweise auf Bandidos-Kutten

Mit Kutten hätten sie es nicht gedurft. Denn der Verein „Bandidos West Central“ und alle dazugehörigen 38 Chapter (Untergruppierungen) sind in Deutschland von Innenminister Horst Seehofer am 12. Juli verboten worden. Zuvor gab es bundesweite Razzien, bei denen Vereinshäuser und Wohnungen der Bandidos durchsucht worden sind – unter anderem auch in Dortmund. Die Kennzeichen des Clubs sind seitdem ebenfalls nicht mehr erlaubt.

Nach Hinweisen einer möglichen Bandidos-Beteiligung habe die Polizei gezielt die Teilnehmenden der Demo überprüft. Man habe auch Kutten und Symbolik finden können, die denen der Bandidos ähnlich seien.

Bei der Demo gab es aber nach Kenntnisstand der Polizei „keinen Hinweis darauf, dass Zeichen einer verbotenen Gruppierung getragen wurden“, wie Polizeisprecherin Dana Seketa unserer Redaktion mitteilt.

Die Rockergruppe Bandidos ist von Innenminister Seehofer verboten worden. © picture alliance / dpa © picture alliance / dpa

Es sei grundsätzlich nicht verboten, ähnliche Farbe oder Symbolik zu benutzen, so Seketa. Die Polizei bewertet Verdachtsfälle immer im Einzelfall und Kontext, ob es Ähnlichkeiten aus Zufall gibt oder ob man gezielt provozieren will.

Doch nur Feuerwehr?

Carsten Jankowski, einer der Organisatoren des Korsos, vermutet eine Verwechselung: Er selbst habe unter den Teilnehmenden Kutten der „Red Knights“ gesehen, einem internationalen Feuerwehr-Motorradclub. Auch die Patches haben die Farben Rot und Gold.

„Ich habe sonst niemanden gesehen oder erkannt, der zu den Bandidos gehören könnte“, so Jankowski. Und: Solange sie sich an die Gesetze halten, also ihre Kutten nicht tragen, hätten sie auch an der Demo teilnehmen können.

Unsere Reporter haben selbst auf der B236 eine etwa achtköpfige Gruppe von Bikern beobachten können, die vor dem Korso fuhr. Ebenfalls mit Kutten und rot-goldenen Bandidos-ähnlichen Aufnähern, aber auch schwarz-weißen Aufnähern auf dem Rücken, so genannten Backpatches. Letztere könnten dem „Gremium MC“ zugehören – ein Rockerclub unter Kriminalitätsverdacht, unter anderem mit Verbindungen zur rechtsextremen Szene.

Bei der letzten großen Motorraddemo im Jahr 2020 sind die Bandidos mit Dortmunder „Iron City“-Kutten noch in der Spitze mitgefahren – damals war ihr Verein aber auch noch nicht verboten.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
1990 im Emsland geboren und dort aufgewachsen. Zum Studium nach Dortmund gezogen. Seit 2019 bei den Ruhr Nachrichten. Findet gerade in Zeiten von Fake News intensiv recherchierten Journalismus wichtig. Schreibt am liebsten über Soziales, Politik, Musik, Menschen und ihre Geschichten.
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Robin Albers

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