Erpressungsversuch: „Sie haben Kinderpornografie verbreitet!“

mlzTelefonbetrug in Dortmund

Der Schock bei einem Dortmunder (78) sitzt tief, auch wenn er nichts verbrochen hatte: Weil er Kinderpornografie verbreitet habe, solle er in die Türkei ausgeliefert werden. Die Polizei warnt.

von Franka Doliner

Dortmund

, 15.06.2020, 14:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Guten Tag, Kriminaloberkommissar Fröhlich hier“ - so oder so ähnlich wird das Gespräch wohl begonnen haben, als der Dortmunder am Mittwochmorgen den dubiosen Anruf entgegennahm. Es ist nicht das erste Mal, dass der Rentner von Betrügern angerufen wird. Aber das erste Mal, dass ihm vorgeworfen wird, kinderpornografisches Material verbreitet zu haben. „Ich hatte Gänsehaut“, berichtet der 78-jährige Dortmunder.

Der Dortmunder soll Kinderpornografie verbreitet haben

Der Herr am Telefon gibt sich als Kriminaloberkommissar Fröhlich von der Dortmunder Polizei aus. Er wolle den Dortmunder darüber informieren, dass ein Auslieferungsantrag der Türkei gegen ihn vorliege. Der Grund - er habe kinderpornografisches Material verbreitet. Das hat der Rentner nicht. Auch mit der Türkei hat er, außer einem Urlaub, nichts zu tun. Trotzdem soll er sich bei der Staatsanwaltschaft München melden und erhält eine Kontaktnummer.

Am anderen Ende meldet sich jemand, der sich Staatsanwalt nennt und den Sachverhalt bestätigt. Außerdem dürfe der Dortmunder mit niemandem darüber sprechen, sonst drohe eine Gefängnisstrafe. Man werde sich wieder melden.

Die Nummern kamen aus Hamburg und der Türkei

Nach einem Anruf bei seinem Anwalt wurde der 78-Jährige stutzig. Eine Rückverfolgung der Nummern ergab, dass die erste aus dem Raum Hamburg kam, die zweite aus der Türkei.

Das Merkwürdige an diesem Betrugsversuch, es wurde kein Geld gefordert. Vermutlich wäre das bei einem dritten Telefonat passiert. Der Anruf kam auch kurze Zeit später, den nahm der Dortmunder aber nicht mehr entgegen.

Kinderpornografie - ein aktuelles Thema

Das Thema Kinderpornografie ist aktuell, vielleicht einer der Gründe, warum die Täter sich diese Masche ausgedacht haben. Betrugsversuche über das Telefon sind keine Seltenheit mehr und treffen meistens ältere Personen. Ein Fall wie dieser ist allerdings weder der Polizei Dortmund noch der Staatsanwaltschaft in München bekannt. „Die Behörden würden so ein hochsensibles Thema nicht über das Telefon besprechen“, sagt die Pressesprecherin der Polizei Dortmund Dana Seketa. Der Verdächtige würde eine schriftliche Vorladung erhalten.

Die Dortmunder Polizei kann nicht viel tun

Der betroffene Dortmunder hat den Vorfall der Polizei gemeldet. Passiert ist allerdings nichts. Schließlich sei kein Schaden entstanden. Es sei schwierig in diesem Fall eine Forderung oder ein Motiv zu erkennen, meint Seketa. Sie warnt allerdings davor, unbekannte Nummern zurückzurufen. Es könnte sich um eine kostenpflichtige Hotline handeln. Die Vorfälle werden vermerkt und beobachtet. Häufen sich die Fälle, würde die Polizei ermitteln.

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