"Warten wir es ab"

Unternehmer Erhard Stracke, der schon einmal bis Ende 1999 im Auftrag der Stadt abschleppte, soll die Bietergemeinschaft Widliczek/Klotzbach jetzt deutlich unterboten haben.

12.03.2009, 21:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Warten wir es ab"

<p>Rund 4800 Autos jährlich soll Stracke in den nächsten vier Jahren abschleppen. Bandermann</p>

Er wolle die Entscheidung der Stadt nicht vor der Vergabekammer der Bezirksregierung anfechten, kündigt der abgehängte Konkurrent Ralf Widliczek an und schreibt weiter in einer Presseerklärung: "Die Stadt wird sich die Auswahl nicht leicht gemacht haben."

Das ist wohl wahr. Seit mehr als einem Jahr tobten die Querelen innerhalb der Verwaltung - und innerhalb der SPD, der übrigens beide Konkurrenten angehören.

So wurde bekannt, dass schon bei der Ausschreibung 1999, bei der Widliczek/ Klotzbach den Auftrag erhielt, dieser gar nicht der preisgünstigste Anbieter war, sondern nur auf Platz 3 landete. Die beiden günstigeren Bewerber (RDU und Stracke) wurden wegen des Verdachts auf zu erwartende Schwierigkeiten bei der Abwicklung des Vertrags bei einem Posten um den Faktor 40 höher bewertet - und damit auf die hinteren Plätze verwiesen.

Eine turnusmäßig neue Ausschreibung im Jahr 2002 , die inhaltlich nahezu dieselbe war wie 1999, wurde wegen "Unklarheiten" und nach einer Beschwerde von Stracke vor der Vergabekammer der Bezirksregierung vom Ordnungsamt aufgehoben.

Erst 2007 kam es zu einer neuen Ausschreibung des lukrativen Auftrags (1.4 Mio. für vier Jahre), dessen Vergabe sich nach Debatten u.a. über die Zahl der Lose, die politische Kontrolle und nach einer erneuten Ausschreibung bis jetzt hinzog. Es ist kein Geheimnis, dass das Ordnungsamt lieber Widliczek hätte weiter abschleppen lassen, weil er die Aufträge reibungslos abgewickelt habe. Deswegen hatte man auch bis zuletzt versucht, ein Haar in Strackes Angebot zu finden. Einmal reichte die Höhe des Zauns um sein Abstellgelände nicht, dann fehlte die Video-Anlage im hinteren Bereich - beides Dinge, von denen in der Ausschreibung nichts gestanden hatte.

Rechtssicher

Die Vergabe gilt als rechtssicher. Man müsse schon "Tinte gesoffen" haben, wenn man angesichts der Situation etwas anderes entscheide, so der zuständige Stadtdirektor Ullrich Sierau, der auch das Rechnungsprüfungsamt über die Vergabe gucken ließ.

Insider berichten, dass Teile in der Verwaltung nun versuchen würden, Stracke Mängel bei der versprochenen Qualität seiner Dienstleistung nachzuweisen, um ihn doch noch aus dem Auftrag zu kegeln. Widliczek beendet seine Presseerklärung so: "Leider gewinnt in Ausschreibungsverfahren nicht immer der ,Bessere', sondern oft der ,Billigere'. Ob die Vergabestelle der Stadt Dortmund mit dem Zuschlag daher eine gute Entscheidung trifft, wird sich in der Zukunft zeigen. Warten wir es ab!" Gaby Kolle

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