Warum das Kaiserbier aus Brünninghausen weltweit zuerst in Aplerbeck ausgeschenkt wurde

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Die Dortmunder Biere haben in diesem Jahr Zuwachs bekommen – das Kaiserbier aus Brünninghausen. Erst in drei Lokalitäten wird es aktuell ausgeschenkt. Im Schlosscafé Rodenberg ging’s los.

Aplerbeck

, 23.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Welt ist manchmal echt ein Dorf und Dortmund ist das sowieso. Dass musste auch Jörg Wiedelmann erfahren, als er an der offiziellen Enthüllung der Gedenktafel für die Brünninghausener Kaiserbrauerei im Juni 2019 teilnahm.

Für Wiedelmann, der mit seiner Lebensgefährtin Heike Koch das Schlosscafé Rodenberg an der Rodenbergstraße führt und sich in Sachen Bier recht gut auskennt, war die Teilnahme Ehrensache. Schließlich ist der 58-Jährige in Brünninghausen aufgewachsen. Wie eng die Geschichte von Jörg Wiedelmann aber nun wirklich mit der ehemaligen Kaiserbrauerei verknüpft ist, konnte er zu Beginn der Veranstaltung noch nicht ahnen.

Warum das Kaiserbier aus Brünninghausen weltweit zuerst in Aplerbeck ausgeschenkt wurde

Im Biergarten vor dem Schlosscafé kann man den Brünninghauser Gerstensaft genießen. © Jörg Bauerfeld

„Mich hat die Geschichte einfach neugierig gemacht, dass im Zuge der Tafel-Enthüllung auch das neue Kaiserbier vorgestellt werden sollte, das ja Nachfahren der Brauereibesitzer der Kaiser Brauerei wieder auf den Markt gebracht haben“, sagt Wiedelmann. „An dem Tag habe ich dann auch Ingo und Folker Hertelt kennengelernt.“ Die beiden Nachfahren des letzten Besitzers der Kaiser-Brauerei hat die Brauereigeschichte der Familie derart fasziniert, dass die beiden jungen Männer den Plan fassten, das Kaiserbier wieder auf den Markt zu bringen.

Die Enthüllung der Tafel war der Startschuss

Die Enthüllung war sozusagen der offizielle „Verkostungstermin“ des neuen, alten Bieres. Ein typisches Export, „wie es früher in Dortmund gebraut wurde, sehr süffig“. Also kamen Wiedelmann und die Hertelt-Brüder ins Gespräch, Bierkenner unter sich, und die Absprache kam zustande, dass es im Schlosscafé Rodenberg ab sofort auch Brünninghauser Kaiserbier gibt. „Wir waren der erste gastronomische Betrieb weltweit, der das Bier zuerst im Angebot hatte“, sagt Jörg Wiedelmann, grinst und fügt an, „es kommt sehr gut an. Ein typisches Export eben, das nicht so herb ist, wie ein Pils“.

Acht Sorten Bier haben das Schlosscafé Rodenberg und der angeschlossene Biergarten jetzt im Angebot. „Ich glaube, dass das Bier eine gute Chance hat, sich auf dem Markt zu etablieren“, sagt Wiedelmann. Der Geschmack gehe immer mehr zu den Bieren der kleineren Brauereien hin. Und dass das Bier aus Brünninghausen Zukunft hat, zeigt auch die Tatsache, dass es mittlerweile auch im Café Erdmann, Ritterhausstraße 40, und im Olympia Grill, Baroper Marktplatz 5, im Ausschank zu bekommen ist.

Die Oma wohnte gegenüber der alten Brauerei

Aber nicht nur die Sache mit dem Bier verbindet Jörg Wiedelmann mit der Kaiser-Brauerei. Auch irgendwie sein Leben. „Meine Oma hat genau gegenüber der Brauerei gewohnt und mir immer die Geschichten darüber erzählt“, sagt Wiedelmann. 1922 ist die Brauerei, die an der Ecke Ardeystraße / Stockumer Straße gelegen hatte, geschlossen worden. Zerstört wurde sie 1944, während eines verehrenden Bombenangriffs auf Dortmund. „Wenn meine Oma sich in dieser Nacht so verhalten hätte, wie immer, wäre ich heute nicht hier“, sagt Wiedelmann.

Es war nämlich so, dass Wiedelmanns Oma und ihre Familie während der Bombenangriffe immer Schutz in den ehemaligen Brauereikellern gesucht haben. Nur in der Nacht nicht, in der die Reste der Brauerei, inklusive Keller, vollständig zerstört wurden. „Meine Oma hat mir erzählt, dass der Alarm zu spät kam, sie kamen nicht mehr rüber in die Brauerei und haben sich im eigenen Keller versteck.“ Wiedelmanns Oma überlebt und konnte die Geschichte später ihrem Enkel erzählen.

Bald auch ein eigenes „Aplerbecker-Bier“

Der hat noch einiges vor. So will er bald wieder sein eigenes Bier brauen und im Schlosscafé anbieten. Das hat Jörg Wiedelmann schon einmal getan – als Georg de Tremonia. Auf Festen und Veranstaltungen gab es den dunklen Gerstensaft im Ausschank. Und es soll auch weiter eine Zusammenarbeit mit Ingo und Folker Hertelt geben. Auch da bahnt sich noch etwas an.

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