Warum eine 80 Jahre alte Eiche gefällt und eine Hauptverkehrsachse vollgesperrt wird

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Es hätten weitaus mehr Bäume sein können, die wegen einer Baumaßnahme gefällt werden müssen. Eine Eiche hat es erwischt. Nachdem sie weg ist, wird eine wichtige Straße für 4 Monate gesperrt.

Wellinghofen

, 16.01.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Pia Frings ist extra aus Münster angereist. Die Landschaftsökologin arbeitet für die Firma öKon (Angewandte Ökologie und Landschaftsplanung GmbH) und hat die Aufgabe, sich als externe Gutachterin eine alte Eiche, die einer Baugrube der Donetz im Wege steht, näher anzuschauen.

Denn der Baum wird verschwinden müssen. Da gibt es kein Wenn und Aber und keine Alternative. „Wir versuchen die Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt und das Ökosystem auf ein Minimum zu reduzieren“, sagt Achim Schriek, Gärtner bei der DEW21. Er ist ebenfalls für die Beobachtungen zuständig.

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Das Minimum ist in diesem Fall das Fällen der alten Eiche, die genau an der Ecke Niederhofer Kohlenweg/Niederhofer Holz steht.

Warum eine 80 Jahre alte Eiche gefällt und eine Hauptverkehrsachse vollgesperrt wird

Mit einem Hubsteiger ging es in Richtung Baumkrone. © Jörg Bauerfeld

Dort wird die neue Wasserleitung der Donetz verlaufen. Die wird auf den ersten Metern nicht in ein neues Bett gelegt, sondern in die schon bestehende Leitung eingefügt.

Dadurch hat die DEW21 eine offene Bauweise quer durch den Wald von der Straße im Dortmunder Süden bis hin zum Hochbehälter im Niederhofer Wald erspart. Viele Bäume sind so gerettet worden. Bis auf einen.

Aber: Warum muss die Eiche dran glauben? Das liegt an einer großen Baugrube, die an dieser Stelle benötigt wird. Denn die alte Leitung, die die neue aufnimmt und weiter in Richtung Brücherhofstraße verläuft, macht an dieser Stelle einen Knick. Natürlich werde es eine Ersatzpflanzung geben, so Achim Schriek. Er bedauere die Fällung des Baumes, weiß aber auch, dass sie unumgänglich ist.

Warum eine 80 Jahre alte Eiche gefällt und eine Hauptverkehrsachse vollgesperrt wird

Experten unter sich: DEW21-Gärtner Achim Schriek und Ökologin Pia Frings. © Jörg Bauerfeld

Dabei ist es schon komisch, dass der alte Baum wegen einer anderen ökologischen Maßnahme weichen muss. Zumindest im weitesten Sinne. Es geht um die bevorstehende Renaturierung des Heisterbaches. Nur deswegen ist die Donetz gezwungen, die alte Wasserleitung zu erneuern. Deshalb muss die Eiche fallen.

Warum eine 80 Jahre alte Eiche gefällt und eine Hauptverkehrsachse vollgesperrt wird

Die Ökologin untersucht alle möglichen Löcher des Baumes. © Jörg Bauerfeld

Doch bevor die Säge angesetzt wird, ist Pia Frings am Zug. Die Eiche muss genau unter die Lupe genommen werden. Frings prüft, ob vielleicht Fledermäuse oder sonstige Bewohner in Löchern und Nischen des Baumes ein Zuhause gefunden haben. Erst geht es mit dem Fernglas auf Spurensuche. Zunächst vom Erdboden aus, dann mithilfe eines Hubwagens.

Warum eine 80 Jahre alte Eiche gefällt und eine Hauptverkehrsachse vollgesperrt wird

Mehr als 20 Meter ist die alte Eiche hoch. © Jörg Bauerfeld

Ast für Ast geht es voran. Jede kleinste Höhle wird untersucht. Mit einer kleinen Stableuchte geht Pia Frings in eventuelle Nisthöhlen. Sie findet in der alten Eiche am Niederhofer Kohlenweg jedoch nichts, was auf Bewohner hindeutet.

Für den Baum bedeutet dies, dass er nun gefällt werden kann – und das sollte möglichst bald passieren, bevor im Februar die Brutzeit wieder beginnt. Aufatmen – auch bei den Mitarbeitern der Donetz.

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Ein möglicher Nistraum wird untersucht. © Jörg Bauerfeld

Denn die Arbeiten an der neuen Wasserleitung sollen ab dem 20. Januar 2020 beginnen. Während die rund 300 Meter durch den Wald vom Wasserbehälter bis hin zum Niederhofer Kohlenweg im sogenannten „Relingverfahren“, die neue Leitung (60 cm Durchmesser) kommt also in die alte Leitung (80 cm Durchmesser), durchgeführt wird, sieht es auf dem Niederhofer Kohlenweg anders aus.

Es wird dann in offener Bauweise gearbeitet. Daher müssen sich die Verkehrsteilnehmer auf eine Vollsperrung der Hauptverbindungsstraße in Richtung Wellinghofen und Hombruch einstellen. Entsprechende Umleitungen werden frühzeitig ausgeschildert.

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Vom Wasserbehälter bis zur Ecke Brücherhofstraße wird die neue Leitung verlegt. © Jörg Bauerfeld

Bis Ende Mai 2020 soll diese Arbeiten dauern, wobei für die Anwohner die Zufahrt zu ihren Grundstücken gesichert sein soll, so die Donetz. Diese soll dann aus Richtung Osten, also vom Höchsten aus, erfolgen.

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