Warum in einer Werft am Phoenix-See das Boot des letzten Schahs von Persien neu entsteht

mlzExtrem seltenes Exemplar

In der Bootswerft Baumgart in Hörde entsteht Historisches: der Nachbau eines Rennbootes, das einst dem Schah von Persien gehörte. Das Luxusboot hat zwei Motoren, obwohl es nur einen braucht.

Dortmund

, 09.01.2019, 17:20 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wie man das als Herrscher Persiens früher so gemacht hat, war man bei Geschenken nicht gerade sparsam. So kam es, dass der designierte Schah von Persien, Mohammad Reza Pahlavi, 1936 zum Schulabschluss ein Boot geschenkt bekommen hat. Aber es war natürlich nicht irgendeines, so ein Schah ließ sich nicht lumpen.

Es handelte sich um das Modell „Gar Wood Speedster“. Von diesen Booten sind in den 1930er-Jahren in den USA lediglich 14 Stück hergestellt worden.

Mit 200 PS düste der Schah über das Kaspische Meer

14 Jahre lang fuhr der Schah von Persien mit diesem Boot über das Kaspische Meer, 1947 hatte er sich einen Motor mit 200 PS einbauen lassen – schon damals eine Hausnummer. „Miss Persia“ hieß das Boot, die anderen 13 Exemplare aus der Modellreihe trugen ähnliche Namen wie „Miss Behave“, „Miss Step“ oder „Miss Me“. 1950 dann verschwand das Boot, 2016 wurden die Reste im Kaspischen Meer entdeckt. Der Schah wurde 1978 gestürzt, er starb 1980. Ein Teil seiner Geschichte lebt aber weiter, und zwar oberhalb des Phoenix-Sees.

Mohammad Reza Pahlavi, hier mit Frau Farah Diba, war von 1941 bis 1978 Staatsoberhaupt des Iran.

Mohammad Reza Pahlavi, hier mit Frau Farah Diba, war von 1941 bis 1978 Staatsoberhaupt des Iran. © dpa

In ihrer Bootswerft arbeiten Vater Norbert (62) und Sohn Stefan (34) Baumgart an einer Rekonstruktion dieses Bootes. Bis ins kleinste Detail wird alles exakt so zusammengesetzt, wie es damals für den Schah von Persien hergestellt wurde. „Das ist ein kompletter Nachbau“, sagt Stefan Baumgart.

Sogar beide Motoren sind nachgebaut worden

Ein Kunde ist 2017 auf ihn zugekommen und äußerte den Wunsch, das Boot des Schahs nachbauen zu lassen. Dieser Kunde habe sehr viel Arbeit in dieses Projekt gesteckt, sagt Stefan Baumgart. Jahrelange Recherche, Reisen in die USA und nach Schweden, zahllose Mails und Telefonate investierte der Kunde. Und natürlich auch einiges an Geld. Allein die beiden Motoren, die in den USA nachgebaut wurden, kosten einen mittleren fünfstelligen Eurobetrag.

Unzählige Arbeitsstunden sind in den Nachbau geflossen.

Unzählige Arbeitsstunden sind in den Nachbau geflossen. © Stefan Baumgart

Warum zwei Motoren, wenn doch nur einer ins Boot passt? Weil es im Original auch so war. Der eine hat 125 PS, der andere 200, auch heute steht im originalgetreuen Nachbau der Herstellername „Packard“ auf den Aggregaten. Je nachdem, wofür das Boot genutzt wird, kommt der sportliche oder der ruhige Motor rein.

Auf der Messe Boot gibt es einen Sonderplatz

Eingesetzt wird aber noch keiner von beiden. Die Baumgarts stellen die „Miss Persia“ noch in der Bauphase ab dem 19. Januar auf der Fachmesse Boot in Düsseldorf aus. „Dafür hat uns die Messe extra einen Stand zur Verfügung gestellt“, sagt Norbert Baumgart. Der Motor wird erst nach der Messe eingebaut, anschließend folgt der Test zur Fahrtauglichkeit.

Bis ins kleinste Detail wird alles so aufgebaut, wie es im Original war – auch der Tacho im Hintergrund.

Bis ins kleinste Detail wird alles so aufgebaut, wie es im Original war – auch der Tacho im Hintergrund. © Michael Nickel

Um den Bau der Nachfertigung selbst kümmert sich vor allem sein Sohn Stefan gemeinsam mit vier Lehrlingen des Betriebs. Für die genaue Nachbildung orientierten sich er und sein Team an dem Material, das der Kunde recherchiert hat, und an dem, was sich aus der Kommunikation mit dem Nachfolger der Original-Herstellerfirma in den USA ergibt. „Wenn wir eine Nachfrage hatten, dauerte es manchmal ein paar Tage bis zur Antwort“, sagt Stefan Baumgart. Alle Instrumente, Polster und Nähte sollen schließlich genau so werden, wie der Kunde es wünscht und wie es der Schah hatte.

Eines der wenigen Originale ging durch den 3D-Scanner

Normalerweise ist die Werft in erster Linie auf die Restaurierung von Booten spezialisiert. Die „Miss Persia“ aber wird komplett neu erschaffen. Als Grundlage diente hier unter anderem die „Miss Behave“, eines von drei noch erhaltenen Originalen der Serie. Der Kunde gab einen 3D-Nachdruck dieses Bootes in Auftrag, und anhand dieser Daten begannen die Arbeiten – vom Grundgerüst bis zur Außenverkleidung mit Mahagoni-Holz. Die bordeauxroten Polster folgen noch, ebenso die Ruderanlage und die Innenverkleidung.

In diesem Sommer sollen die Bauarbeiten nach dann gut anderthalb Jahren beendet sein, das Boot wird dann an seinen neuen Besitzer übergeben und fortan durch Deutschland und Skandinavien fahren. Dann wird zwar nicht mehr der Schah selbst damit unterwegs sein – aber ein Teil von ihm irgendwie schon.

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