Warum in Persebeck Hühner von morgens bis abends Radio hören

mlzEier im Schrank

Warum aus Pferden schließlich Hühner wurden und wieso sie jeden Tag Radio hören, das ist eine spannende Geschichte aus dem beschaulichen Ortsteil Persebeck.

Persebeck

, 19.10.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vier Jahre ist es her, da zog die Familie Althoff/Jasbetz in die Straße Zur Hockeneicke in Persebeck an der Stadtgrenze zu Witten. Ihr Ziel: einen Hof mit Pferden aufbauen, auf dem Kinder viele Tiere kennenlernen und Freude haben.

Die Idee mit den Pferden scheiterte bisher an einer Genehmigung der Stadt Dortmund. „Wir sind hier Landschaftsschutzgebiet“, erzählen Andreas Jasbetz und Christina Althoff.

Rund 25.000 Quadratmeter Land hat die Familie hier an der Stadtgrenze zu Witten, nahe der Autobahn. Aber weil das Landschaftsschutzgebiet ist, ist das mit den Pferden offenbar nicht oder nicht schnell genehmigungsfähig, dabei wollen Jasbetz und Althoff hier gar nichts bauen, sondern einfach nur Pferde halten. Einen Stall gibt es schon.

Die Familie hat den ausrangierten Anhänger selbst zu einem Hühnermobil umgebaut.

Die Familie hat den ausrangierten Anhänger selbst zu einem Hühnermobil umgebaut. © privat

Als die Sache mit dem Pferdehof nicht voran ging, kamen die beiden auf Hühner. Dabei „hatten wir mit Hühnern vorher gar nichts am Hut“, sagen sie. „Zehn sollten es am Anfang sein“, erinnert sich Andreas Jasbetz. Dann fand die Schwiegermutter beim gemeinsamen Frühstück: „Nehmt doch 20, dann habe ich auch Eier.“

Viele kommen einfach nur, um die Hühner zu sehen

Heute hat die Familie 500 Hühner - und Hähne natürlich: Hugo, Ludwig, Hubertus Luigi und - Luis, wie auch der siebenjährige Sohn von Andreas Jasbeth und Christina Althoff heißt. Außerdem gehört noch die zehnjährige Sophia zur Familie.

Mit den Hühnern kamen die Menschen auf den abgelegenen Hof, um Eier von den freilaufenden Hühnern zu kaufen. Oder auch, um einfach den Tieren zuzuschauen.

Christina Althoff: „Gerade in der Hochzeit von Corona kamen hier ganze Familien mit Kindern vorbei, um einfach mal rauszukommen, und etwas anderes zu sehen.“ Manche standen einfach eine halbe Stunde lang vor der großen Auslauffläche und haben den Hühnern zugeschaut.

Die Hühner sind den ganzen Tag über im Freien.

Die Hühner sind den ganzen Tag über im Freien. © privat

Inzwischen hat sich das ein wenig gelegt, aber über fehlende Kunden können sich die beiden nicht beklagen: Kunden kommen aus Bochum und Witten, aus Kirchhörde und Hombruch. Ein älterer Mann komme sogar immer mit dem Rad aus Kirchlinde gefahren.

Inzwischen hat das Paar im Eingangsbereich vor seinem Wohnhaus ein schönes altes Weichholzregal aufgestellt. Hier ist Selbstbedienung von montags bis sonntags von 8 bis 20 Uhr.

Hier an der Straße Hocheneicke geht es zum Hof der Familie. Täglich zwischen 8 und 20 Uhr ist Selbstbedienung möglich.

Hier an der Straße Hocheneicke geht es zum Hof der Familie. Täglich zwischen 8 und 20 Uhr ist Selbstbedienung möglich. © Britta Linnhoff

Die Tiere sind draußen, solange es hell ist. Dann, so erzählen Jasbetz und Althoff, gehen sie selbstständig in den Stall. Solange sie draußen sind, hören die Tiere übrigens Radio. Andreas Jasbetz hat das Radio neben der abgezäunten Wiese unter eine Plane gelegt, damit die Anlage trocken bleibt.

Unter einer Plane vor dem Hühnergehege dudelt den ganzen Tag das Radio. Es soll dem Fuchs vorgaukeln, dass Menschen vor Ort sind und ihn fernhalten.

Unter einer Plane vor dem Hühnergehege dudelt den ganzen Tag das Radio. Es soll dem Fuchs vorgaukeln, dass Menschen vor Ort sind und ihn fernhalten. © Britta Linnhoff

Und warum müssen Hühner Radio hören? Müssen sie eigentlich nicht, aber es kann ihr Leben retten. Jasbetz: „Die Töne aus dem Radio halten den Fuchs fern, hoffen wir zumindest.“ Auf die Idee kam das Paar, als einen frühen Sonntagmorgen ein Fuchs auf dem Gelände auftauchte und sich bei den Hühnern bediente. Seitdem läuft das Radio und der Fuchs blieb bisher weg, weil er glaubt, es seien Menschen in der Nähe, sagt Jasbetz.

Familie rüstet technisch auf

Inzwischen haben er und seine Frau technisch aufgerüstet: Es gibt einen Trecker, einen ausrangierten Hänger, den sie eigenhändig zu einem Hühnermobil umgerüstet haben, und eine automatische Wasserzufuhr und ein fahrbares Futtersilo.

Alle zwei bis drei Wochen wird das Hühnermobil umgesetzt und alle zehn Tage einmal gründlich saubergemacht. „Die Tiere sollen sich wohlfühlen“, sagt der 40-Jährige.

12 bis 18 Monate lang dürfen die Hühner bei ihm, der eigentlich für eine Rohrreinigungsfirma und einen Containerdienst arbeitet, leben. Ein Huhn, das als Grillhähnchen enden soll, hat für gewöhnlich 18 Tage Lebenszeit.

Ganz aufgegeben haben die Persebecker ihren Traum vom Pferdehof noch nicht - aber ohne die Hühner geht es nun auf jeden Fall auch nicht mehr.

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