Warum ein Mann mit 33 Jahren Vikar in der katholischen Kirche ist

mlzPastoralverbund Am Phoenix-See

Christof Graf ist neuer Vikar in der Gemeinde Am Phoenix-See. Mit uns hat er über seine Motivation gesprochen. Ein Interview mit ihm und der ebenfalls neuen Gemeindereferentin Elisabeth Mölder.

von Rüdiger Barz

Hörde

, 29.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Der katholische Pastoralverbund Am Phoenix-See in Hörde freut sich über zwei neue Gesichter: Gemeindereferentin Elisabeth Mölder (30) und Vikar Christof Graf (33). Graf ist katholischer Priester und seit fünf Jahren in der Funktion eines Vikars. Ein Vikar ist ein Priester, der einem Pfarrer unterstellt ist, aber noch nicht die Verantwortung für eine Pfarrei trägt.

Graf lebt seit Anfang Juli im Pfarrhaus St. Georg am Steinkühlerweg. Er ist in einem sauerländischen Dorf mit zwei Brüdern, in einer positiv kirchlich geprägten und im Glauben gefestigten Familie, aufgewachsen. Auch Mölder stammt aus dem Sauerland. Beide geben an schon spannende Erfahrungen gemacht zu haben.

Und doch, was motiviert einen Menschen in jungen Jahren sich dem Glauben und der Tätigkeit in der Kirche zu verschreiben - wir haben mit beiden gesprochen.

Wie kam es zur Entscheidung Priester zu werden - gab es Alternativen?

Graf: Ich wusste nach dem Abitur noch nicht genau, in welche Richtung mein Leben gehen sollte, mein Weg war noch offen. Ich habe dann erfahren, dass man Missionar auf Zeit werden kann. Das faszinierte mich. So kam es zu meinem Missionsjahr in Bolivien, wo ich in einer Ordensgemeinschaft lebte und die soziale Arbeit unterstützte. Die Erlebnisse dort, die Menschlichkeit und die Erlebnisse, was Glauben bewirken kann, wie er stärken und helfen kann, haben mich in meiner Entscheidung, Priester zu werden, gefestigt. Alternativen zur kirchlichen Arbeit gab es somit nicht wirklich.

Frau Mölder, wie war das bei Ihnen?

Elisabeth Mölder: Ich bin Christin. Meine Kindheit ist ganz ähnlich verlaufen wie die von Vikar Graf. Auch ich komme aus dem Sauerland. Dass ich in der Kirche tätig sein wollte, wusste ich allerdings schon mit 15 Jahren. Und, auch ich habe ein Jahr in Bolivien verbracht.

Bolivien war, hier sind sich die Gemeindereferentin und der Vikar einig, eine prägende Erfahrung für ihr Leben. Beide schildern, dass sie dort mit armen Menschen gearbeitet und zusammengelebt haben. Sie sagen auch, dass sich die Menschen dort noch über Kleinigkeiten freuen und ja, ehrlich lachen können. Die Erlebnisse im Ausland haben sie sensibler für das eigene, aber auch für das Leben allgemein gemacht.

Gab es jemals Zweifel an der Entscheidung, auch in Verbindung mit dem Zölibat?

Graf (überlegt): Ja, auf dem Weg zum Priesteramt, und auch heute, tauchen immer mal Zweifel auf. Doch vor der Priesterweihe und einem Leben mit dem Zölibat, sollte man nachdenken. Es ist ein privater und bewusster Verzicht für Gott. Ich lebe genauso bewusst und lebendig wie jemand der heiratet und auch auf bestimmte Dinge verzichtet.
Das Amt selbst ist, wenn alles positiv läuft leicht. Bei schweren Schicksalen überlege ich im Anschluss schon ob alles richtig war. „Gott zeigt sich immer wieder mal von einer unverständlichen Seite.“
Mölder: Ja, auch ich zweifle hin und wieder. Glaube ist wie eine Partnerschaft, nicht immer läuft alles gut.

Was motiviert, auch in Anbetracht schwindender Gläubigenzahlen, noch Priester zu sein?

Graf: Man kann als Christ etwas bewegen, was sonst niemand schafft.
Mölder: Mich motiviert mein christlicher Glaube, denn wir haben viele Chancen.

Für beide ist es wichtig Zeit für den Menschen zu haben, auch wenn anderes dadurch in den Hintergrund treten muss. Sie sind sich einig, dass es gerade eben auch die kleinen Erfahrungen und Erlebnisse im Alltag sind, die Kraft geben.

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