Warum Steinwüsten im Garten der Umwelt kein bisschen nutzen

mlzGärten in Dortmund

Am „Tag der grünen Vereine“ haben Dortmunder vor der Reinoldikirche gesehen, wie ein Garten nicht aussehen sollte. Und konnten dabei gleichzeitig lernen, wie sie es besser machen können.

Dortmund

, 21.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Schotterwüste oder schönes Stück Garten? Viele Besucher sind sich nicht ganz sicher als sie am Samstag (20. Juli) am „Tag der grünen Vereine“ an der Reinoldikirche vorbeigehen. Dort ist ein Beet aufgebaut, in dem einsame Halme zwischen großen Gesteinsbrocken und Kies hindurch wachsen. Das ist kein besonders schöner Anblick. So soll es auch sein.

„Das ist kein Steingarten. Das ist eine Schotterwüste“, sagt Brigitte Bornmann-Lemm, Leiterin der Garten-AG beim Dortmunder Stadtverband des Naturschutzbundes (Nabu) und widmet dem Modell einen abfälligen Blick. Es ist ein Reizthema, das im Mittelpunkt dieses jährlichen Tages steht.

„Grüne Vereine“ arbeiten gegen den Trend der Steinwüsten in Vorgärten an

Denn seit einigen Jahren gibt es einen Trend unter Gartenbesitzern, Flächen mit Steinen zu gestalten. Die Besitzer argumentieren damit, dass die Pflege der Grünflächen einfacher sei. Naturschützer kritisieren den Trend als weitere Einschränkung des Lebensraums von Insekten und anderen Tieren in der Großstadt.

„Ein Garten muss im Dienst der Natur und des Allgemeinwohls stehen“, sagt Brigitte Bornmann-Lemm. Dies erfüllen die steinlastigen Gärten nicht, weil sie Insekten kaum Lebensraum bieten und auch keine neuen Humus-Schichten im Boden entstehen lassen. Der optimale Garten sollte aus ihrer persönlichen Sicht deshalb zwingend Nutzpflanzen, Heilkräuter und Blütenstauden enthalten.

Die Stadt Dortmund hatte bereits 2018 die Steinwüsten in den Vorgärten in den Blick genommen. Planungsdezernent Ludger Wilde hatte angekündigt, diese Variante in neuen Bebauungsplänen auszuschließen und die Dachbegrünung in vielen Bereichen zur Pflicht zu erklären.

Naturschutz-Akteure erleben die Veränderung des Klimas schon seit Jahren

An den zwölf Ständen vor der Reinoldikirche stehen verschiedene Akteure aus dem Bereich Naturschutz wie Nabu oder Kreisjägerschaft, aber auch Vereine mit Spezialinteressen. Pflanzen aller Art haben viele Freunde in Dortmund, seien es Stauden, Kakteen oder Rosen. Und die Stadt hat eine lange Tradition bei Botanischen Gärten und mit dem Rombergpark ein echtes Vorzeigeobjekt.

Das „Grün“ beschreibt bei den teilnehmenden Vereinen nicht zwingend die politische Farbe. Aber was sie gemeinsam haben, ist dass ihre Mitglieder schon seit vielen Jahren beobachten, wie sich das Klima verändert. „Bekannt ist der Klimawandel schon länger, er wurde nur nicht zur Kenntnis genommen“, sagt Brigitte Bornmann-Lemm. So sei das Insektensterben schon seit Beginn der Industrialisierung vorhergesagt worden.

Gärtner in Dortmund müssen lernen mit dem Klimawandel umzugehen

Mehrere Tausend Dortmunder leisten mit ihren Gärten, ob am Wohnhaus oder im Gartenverein, einen kleinen Beitrag zur Stadtökologie. Brigitte Bornmann-Lemm sagt: „Sie müssen mit dem Klimawandel umgehen und sich über Bewässerung Gedanken machen oder darüber, wie sie ihre Pflanzen vor Starkregen schützen können.“

Was am „Tag der grünen Vereine“ ebenfalls deutlich wird, ist dieses: So richtig in der Mitte der Gesellschaft ist das Bewusstsein für den Klimawandel noch nicht angekommen. An die Stände kommen überwiegend Interessierte, auch wenn viele Vereine feststellen, dass zumindest mehr Menschen anfangen, zu fragen, was sie selbst für ein ökologisch nachhaltigeres Leben tun können.

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