Mit Helene Fischer - hier ein Foto von 2012 - verbindet Jochen Meschke, der 32 Jahre lang Manager der Westfalenhalle war, eine ganz besondere Geschichte. Zu seinem Abschied hat er sie jetzt erzählt. © Westfalenhallen GmbH/Luenig
Westfalenhalle

Was Helene Fischer und die Kelly Family Dortmund zu verdanken haben

Wer ist Helene Fischer? Wer diese Kelly Family? Jochen Meschke ließ sie auftreten, obwohl er sie nicht kannte. Nach 32 Jahren geht der Manager – und erzählt die besten Westfalenhallen-Geschichten.

Es war ein ganz normaler Arbeitstag im Jahr 1994. Wie üblich führte Jochen Meschke etliche Telefonate. Aber irgendwann an diesem Tag klingelte es erneut und es meldete sich bei dem Geschäftsführer der Westfalenhalle ein gewisser Jimmy Kelly. An den damals 23-jährigen, ziemlich flippigen jungen Mann erinnert sich Jochen Meschke, der jetzt nach 32 Jahren als Hallen-Manager in den Ruhestand ging, besonders gern.

„Er bat um einen Termin am nächsten Tag in meinem Büro. Er erklärte mir dann, dass er mit seiner Kelly Family ein Konzert in der Westfalenhalle geben möchte. Man sei bisher nur auf den Straßen Deutschlands zu sehen und zu hören und möchte dies nun ändern“, erzählt Jochen Meschke.

Es gab nur ein dickes Problem: die Kelly Family hatte damals überhaupt nicht das Geld, um die riesengroße Westfalenhalle anmieten zu können. „Jimmy Kelly ließ trotzdem nicht locker und brannte für den Wunsch, bei uns auftreten zu dürfen. Das hat mich beeindruckt und wir ließen uns darauf ein“, sagt Jochen Meschke.

Erstes Konzert der Kelly Family war sofort ausverkauft

Sein Bauchgefühl, dass es für so ein Konzert einer irischen Familie mit lauter Straßenmusikanten ein Publikum geben könnte, hatte ihn nicht getäuscht: „Das Konzert war ausverkauft und wir vereinbarten für 1995 ein weiteres Konzert. Daraus wurden dann neun ausverkaufte Shows allein in dem Jahr. Die Kellys brachen alle Rekorde.“

Für die Kelly Family gehört Jochen Meschke (stehend 3.v.r.) längst zur Familie. Als sie noch reine Straßenmusiker waren, gab er den Iren 1994 die Chance, ein Konzert in der großen Westfalenhalle zu spielen. © Westfalenhallen GmbH © Westfalenhallen GmbH

Damals war Jochen Meschke, der in Deusen lebt, gerade Geschäftsführer geworden. Seit 1989 war er bei der Westfalenhallen GmbH als Projektleiter tätig, bis er dann den verantwortungsvollen Managerposten erhielt. Wie bei der Kelly Family erlebte er etliche Jahre später auch den kometenhaften Aufstieg eines weiteren, heutigen Superstars von Beginn an mit.

„Anfang 2007“, erzählt Jochen Meschke, „erhielt ich einen Anruf von Dieter Semmelmann, der mit seiner Agentur Semmel Concerts heute zu den führenden Konzertagenturen in Europa gehört. Er erzählte mir von einer jungen Künstlerin, von der er begeistert war und wollte eine Tournee für sie arrangieren. Es kamen aber nur kleinere Hallen infrage. Dortmund sollte dabei sein, aber selbst die kleine Westfalenhalle mit 2000 Plätzen war ihm zu groß und zu teuer.“

Zu Helene Fischer kamen am Anfang nur 700 Leute

Man einigte sich aber schließlich doch auf einen Preis und Jochen Meschke sagte auch zu, Dieter Semmel bei der Organisation einer Pressekonferenz zu der Tour zu unterstützen. „Am besagten Tag der Pressekonferenz in unserem Kongresszentrum – ich hatte den Namen der Künstlerin schon längst wieder vergessen – klopfte es an meiner Bürotür. Eine ungemein attraktive, freundliche und sympathische junge Dame kam herein und sagte: Guten Tag Herr Meschke, mein Name ist Helene Fischer. Ich komme wegen der Pressekonferenz.“

Die Westfalenhalle war über 30 Jahre lang sein Zuhause. Zum Abschied erhielt Jochen Meschke diesen Lebenswerk Award. Viele Stars hat er in die Westfalenhalle holen können. “Gewünscht hätte ich mir noch Queen mit Freddy Mercury – aber das ging ja leider nicht mehr. Und ein Abba-Konzert wäre trotz aller Bemühungen ebenfalls aussichtslos gewesen”, sagt Jochen Meschke. © Peter Wulle © Peter Wulle

Trotz aller PR kamen am 21. November 2007 aber gerade mal 700 Leute in die kleine Westfalenhalle. Was sich alsbald natürlich gewaltig ändern sollte. Als Megastar der deutschen Show-Branche gab Helene Fischer 2017 fünf Konzerte mit jeweils 13.000 Besuchern und einer spektakulären Show- und Bühnentechnik in Dortmund.

In über 30 Jahren, in denen die Westfalenhalle, wie er selbst sagt, sein Zuhause war, hat Jochen Meschke viele Stars persönlich erlebt – etwa Peter Maffay, Udo Lindenberg, Herbert Grönemeyer, Andrea Berg, Hartmut Engler von Pur, DJ Bobo, David Guetta oder auch die Klitschkos.

Campino von den Toten Hosen liebt die Westfalenhalle

„Die sehr dichte Atmosphäre in der 1952 gebauten, engen Halle, hat allen immer gefallen. Campino von den Toten Hosen, die auch bei uns groß geworden sind, liebt die Westfalenhalle ganz besonders. Ein außergewöhnliches Konzerterlebnis, an das ich mich erinnere, war auch der Auftritt von Herbert Grönemeyer 2019. Da hat‘s geprickelt in der Halle“, so Jochen Meschke.

Die Stimmung in der Westfalenhalle begeistert immer wieder Publikum und Künstler – wie hier bei einem Konzert der Toten Hosen. „Campino, der Sänger der Toten Hosen“, sagt Jochen Meschke, „liebt die Westfalenhalle ganz besonders.“ © Westfalenhallen GmbH © Westfalenhallen GmbH

Berufsbedingt hat er über 6000 Konzerte und Events mit über 40 Millionen Besuchern miterlebt. „Wenn man merkt, dass durch die Nähe zum Publikum bei den Künstlern der Funke überspringt, dann spielt die Westfalenhalle ihre Stärke aus“, sagt Jochen Meschke. Diese Magie sei nie verloren gegangen. Der Mythos und die Entfernung der Radrennbahn, mit der die Kapazität im Innenraum von 4000 auf 5000 Besucher erweitert werden kann, verschaffe der Westfalenhalle trotz der ab Mitte der 90er-Jahre entstandenen, neuen Hallen in Oberhausen, Köln und Düsseldorf ihren Stellenwert.

„2020“, sagt Jochen Meschke mit einiger Trauer, „hätten wir ein Rekordjahr gehabt, wenn Corona nicht gewesen wäre.“ So aber spielte die Hip-Hop-Formation K.I.Z. am 8. März das letzte Konzert in der Westfalenhalle, alle weiteren wurden abgesagt – darunter Simply Red, Ozzy Osbourne, Kiss oder auch die deutschen Top-Bands Pur, die Toten Hosen und die Ärzte, die jeweils mehrere Tage hintereinander aufgetreten wären. „Ich hätte gerne mit diesem Rekordjahr aufgehört“, sagt Jochen Meschke.

Für die Mayday war die Ticketnachfrage sofort gigantisch

Um über Jahrzehnte so erfolgreich zu bleiben, „da haben uns auch die kleinen Hallen sehr geholfen“, betont Jochen Meschke, der privat gerne Phil Collins hört, aber sich grundsätzlich für alle Musikrichtungen begeistern kann – auch für Techno.

„Das kannte 1993 kaum einer. Techno war da noch eine junge Bewegung und ein neues Lebensgefühl. Die Ticketnachfrage für die erste Mayday war so gigantisch, dass wir die kleineren Hallen noch dazunahmen. Daraus wurde ein großes Festival und heute ist Dortmund mit mittlerweile drei Festivals – Mayday, Syndicate und Exodus – die Hauptstadt der elektronischen Musik.“

1993 hat Jochen Meschke das Techno-Spektakel Mayday in der Westfalenhalle aus der Taufe gehoben. Heute gibt es mit “Syndicate” und “Exodus” noch zwei weitere Festivals dieser Art. “Dortmund ist die Hauptstadt der elektronischen Musik”, sagt Jochen Meschke. © Westfalenhallen GmbH © Westfalenhallen GmbH

1993 war ein Jahr, in dem Jochen Meschke nicht nur die Mayday aus der Taufe hob. Auch die „Night of the Proms“ erlebte damals ihre Deutschland-Premiere in der Westfalenhalle. Und 2002 stielte der begeisterte Sportfan ein, dass Dortmund mit einem Public-Viewing in der Westfalenhalle und großen Fan-Festen auf dem ganzen Gelände zum Dreh- und Angelpunkt der Fußball-WM 2006 wurde: „Unter anderem gab es Konzerte mit Stars wie den Red Hot Chili Peppers. Das ist unvergesslich.“

David Copperfield begeisterte mit 31 ausverkauften Shows

Und solche Events aus der Kategorie „Unvergesslich“ fallen ihm noch etliche ein: das Halbfinale der Handball-WM 2007, die Tischtennis-WM 2012 oder das umjubelte Konzert von Chris de Burgh im Jahr 1991, mit dem der irische Sänger seinen Durchbruch erlebte.

Ein Star aus Las Vegas aber – das wird deutlich, wenn Jochen Meschke darüber spricht – hat all dies noch in den Schatten gestellt: „David Copperfield verzauberte in Dortmund von 1993 bis 1995 rund 200.000 Menschen in 31 restlos ausverkauften Shows und hob die Zauberei so auf ein völlig neues Level.“

Jochen Meschke (2.v.r.) erhielt von seinem Team zum Abschied eine detailverliebte „Westfalenhalle-Torte”. © Westfalenhallen GmbH © Westfalenhallen GmbH

Als Geschäftsführer, der die Westfalenhalle in 32 bewegenden Jahren gestaltet und durch seine persönlichen Gespräche und Kontakte nachhaltig geprägt hat, wurde Jochen Meschke in diesem Jahr nun mit vielen digitalen Grüßen aus aller Welt und einer detailverliebten „Westfalenhalle-Torte“ verabschiedet. In Deusen möchte der langjährige Macher nun seinen Ruhestand genießen. Und sicher kommt der eine oder andere Star auch mal privat bei ihm vorbei.

Zum Abschied ein persönliches Video von Joey Kelly

Zum Beispiel ist der Kontakt zur Kelly Family nie abgerissen. Als sich abzeichnete, dass es 2017 zu einem Comeback kommen sollte, kam für die Kellys nur eine Location infrage. Es musste dort sein, wo alles begann: in der Westfalenhalle. Und der Erfolg war wieder überwältigend. Über 35.000 Fans kamen zu drei ausverkauften Konzerten.

„Als wir uns damals wiedersahen, lagen wir uns in den Armen – Jimmy, Joey, John und ich. Sie waren mir immer dankbar – und sind es bis heute. Zu meinem Abschied habe ich ein persönliches Video von Joey Kelly bekommen, in dem er sagt, dass ich zur Familie gehöre. Das macht mich sehr stolz“, sagt Jochen Meschke.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle

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