Ein vergessenes Andreas-Hollstein-Plakat aus dem Kommunalwahlkampf im Dezember an der Ruhrallee © Thomas Thiel
Kommunalpolitik

Was macht eigentlich der Dortmunder Ex-OB-Kandidat Andreas Hollstein?

Er war nah dran am Dortmunder OB-Sessel. Bei der Stichwahl fehlten dem CDU-Kandidaten nur 5700 Stimmen. Dabei hatte Andreas Hollstein alles auf eine Karte gesetzt. So geht es ihm heute.

Es war das, was man ein Vabanque-Spiel nennt, auf das sich Dr. Andreas Hollstein, vor einem Jahr eingelassen hat: Nach 74 Jahren wollte er die SPD-Herrschaft in Dortmund brechen und als CDU-Oberbürgermeister ins Rathaus einziehen. Er hatte alles auf eine Karte gesetzt – und verloren. Ihm fehlten bei der Stichwahl im September am Ende 5700 Stimmen. Thomas Westphal (SPD) nahm auf dem OB-Sessel Platz.

Hollstein, 21 Jahre lang Bürgermeister von Altena im Sauerland, hatte eine neue Herausforderung gesucht und war ohne Plan B in den Dortmunder Wahlkampf gezogen. Bis zum 31. Oktober saß er noch an seinem Schreibtisch in Altena, hat „alle Sachen geordnet, die da noch waren“. Seit dem 1. November ist der 57-Jährige aufgrund seiner langen Dienstzeit als Bürgermeister Pensionär. Will es aber nicht bleiben.

„Es gab schon ein paar Angebote“

Andreas Hollstein schaut nach vorn, „will noch einmal zehn Jahre etwas wirklich Verantwortliches machen“, erzählt er entspannt und gut gelaunt am Telefon. Als Anwalt zu arbeiten, kann der Jurist sich nicht vorstellen. Höchstens sich als Berater selbstständig zu machen. Oder etwas ganz anderes.

„Es gab schon ein paar Angebote, die geben mir aber nichts, was ich vom Herzen her bräuchte“, sagt Hollstein. Auch wenn Corona zurzeit Stellenausschreibungen behindere, deute sich „das eine oder andere“ an. Er bleibt im Ungefähren. Die Sinnfrage stelle sich für ihn nicht in Dollar-Zeichen: „Es muss etwas sein, wo ich mich wiederfinde.“

Gut gelaunt erzählt Dr. Andreas Hollstein, Ex-OB-Kandidat der CDU, am Telefon, was er so gerade macht. © Stephan Schütze (Archivbild) © Stephan Schütze (Archivbild)

In Dortmund, das sei eine schöne Zeit und tolle Erfahrung gewesen. „Ich hätte mir aber einen anderen Ausgang gewünscht.“ Mit der Niederlage komme er klar: „Jeder, der kandidiert, muss damit rechnen, dass er nicht gewinnt. Das ist Demokratie.“

Geblieben ist der Politikwechsel

Von den Bürgern und aus CDU-Kreisen habe er nach der Wahlschlappe viel Resonanz bekommen. Freundliche Nachrichten auf den Social-Media-Kanälen und Mails. „Aber es war von vornherein klar, dass es eine ambitionierte Aufgabe werden würde.“

Doch das in Hollsteins Augen Entscheidende war der Politikwechsel. Geblieben sei die neue Zusammenarbeit von Schwarz-Grün. „Tradierte Denkstrukturen wurden aufgebrochen. Dass der Oberbürgermeister es mit seiner Partei richtet, das ist vorbei.“ Die Veränderungen in der Stadtpolitik seien wahrnehmbar. „Ich hoffe, dass sich das alles in ein neues Miteinander gießen lässt und Dortmund nach vorn bringt.“

Hollstein ist seit dem Abend der Stichwahl mehrmals wieder in Dortmund gewesen. „Ich habe noch viele Kontakte zu Mitstreitern, telefoniere ein- bis zweimal die Woche mit ihnen.“ Die Entwicklungen in der Dortmunder CDU habe er als traurig empfunden: „Es gibt aber ein paar vielversprechende Personen, die da nachkommen.“

Im Garten und im Keller gearbeitet

Er genießt den momentanen Stillstand, ist aber nicht untätig. Noch sitzt er in wenigen Gremien für das Land und Altena, hat seinen im Wahlkampf vernachlässigten Garten auf Vordermann gebracht, am Herd gestanden – „ich koche gern“– und einen Teil des Kellers in seinem denkmalgeschützten Haus saniert. „Ich kann mit der Bohrmaschine umgehen.“

Urlaub war nicht. Wegen Corona. Dafür nutzt er jetzt vermehrt das Laufband im Haus. Er selbst hat sich vier bis fünf Monate Zeit genommen, eine neue Aufgabe zu finden. Weihnachten feiert er im kleinsten Familienkreis – „wir reduzieren unsere Sozialkontakte“. Auch an Silvester. Hollstein: „Ich hoffe noch auf viele Silvester, die man erleben darf, da darf eines mal ein ruhiges sein.“

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle

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