WDR-Chef Buhrow kontert OB Sieraus Tatort-Wutbrief/ OB lädt daraufhin zum Gespräch

Dortmund-Tatort

Die Antwort von WDR-Intendant Tom Buhrow auf den Wutbrief von Oberbürgermeister Ullrich Sierau zum letzten Dortmund-Tatort ließ nicht lange auf sich warten. Der WDR-Chef ist erstaunt.

Dortmund

, 24.01.2019, 13:43 Uhr / Lesedauer: 2 min
WDR-Chef Buhrow kontert OB Sieraus Tatort-Wutbrief/ OB lädt daraufhin zum Gespräch

Der 14. Dortmund-Tatort spielt in Ärzte-Kreisen und wurde im Dortmunder Klinikum gedreht. © Oliver Schaper

Am Mittwochnachmittag (23.1.) flatterte die Antwort von WDR-Intendant Tom Buhrow als E-Mail ins Büro von Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau. Buhrow weist darin die Kritik Sieraus an der jüngsten Tatort-Folge „Zorn“ und dem Dortmunder Tatort allgemein deutlich zurück.

Natürlich habe er „Verständnis dafür, dass ein Oberbürgermeister sich für seine Stadt und seine Bürgerinnen und Bürger stark machen muss“, eröffnete Buhrow das Schreiben, das dieser Redaktion vorliegt. Gleichzeitig stellt der WDR-Intendant klar: „Aber ein Tatort hat nicht die Aufgabe, das Image einer Stadt oder einer Region aufzupolieren. Die Freiheit der Kunst ist ein hohes Gut. Und ich habe erstaunt zur Kenntnis genommen, dass Sie gleich den ganzen Dortmunder Tatort loswerden wollen.“

Die nächste Folge spielt unter Ärzten im Klinikum

OB Sierau hatte in seinem Wutbrief Brief an Buhrow die Folge „Zorn“ als klischeehaft und als „Mobbing“ gegenüber Stadt und Bewohnern kritisiert und gefordert, auch ein Krimi-Drehbuch müsse „ein Mindestmaß an Bezug zur Realität vorweisen“. Doch „Zorn“ sei „eine plumpe Darstellung ohne jedwede regionalen Kenntnisse.“

Der WDR sei „gut und fest in Dortmund verankert“, kontert Buhrow. „Deshalb bilden wir die Stadt im Tatort auch vielschichtig ab, am Phoenixsee, im Westfalenpark, im Dortmunder U.“ Buhrow weist auch darauf hin, dass der nächste, bereits abgedrehte Dortmund-Tatort im Klinikum Dortmund spielt.

Andere Städte hätten gern einen Tatort

Wenn er in Nordrhein-Westfalen unterwegs sei, so der WDR-Chef weiter, werde er von verschiedenen Städten angesprochen, die „so gerne einen Tatort hätten.“ Gerade erst in Aachen, bei der Unterzeichnung des Freundschaftsvertrags zwischen Frankreich und Deutschland, habe sogar NRW-Minister-Präsident Armin Laschet angeregt, die Tatort-Kommissare mal bei unseren Nachbarn in Frankreich ermitteln zu lassen.

Buhrow an Sierau: „Ich frage mich, ob es wirklich im Sinne der Dortmunderinnen und Dortmunder ist, wenn Sie sagen, dass Sie das erfolgreiche Team um Kommissar Faber gerne ziehen lassen würden.“

Und ab zum nächsten Schlagabtausch

OB Ullrich Sierau bedankte sich am Donnerstag für die Antwort und werde den Brief zum Anlass für ein Gespräch mit Tom Buhrow nehmen, heißt es in einer Stellungnahme der Stadt.

Dabei werde es um das Thema Freiheit der Kunst gehen, die der OB nicht beschneiden wolle. Diese Freiheit müsse andererseits aber unter anderem auch Respekt vor Städten, ihren Bewohnern/Innen und den Gegebenheiten vor Ort beinhalten. Freiheit bedeute auch Verantwortung, so der OB.

Sierau sei daran gelegen, diesen Dialog zu führen. Er würde sich freuen, wenn Tom Buhrow nach dem persönlichen Austausch eine Einladung zum öffentlichen Dialog nach Dortmund annehmen würde.

Kommentar: Das passt nicht zusammen

Wie hoch will OB Ullrich Sierau seine Tatort-Kritik noch hängen? Er, der Rächer der Enterbten, stürzt sich auf die Tatort-Macher und glaubt, so Drehbücher ändern zu können. Er hat ein Thema gefunden, bei dem er viele Dortmunder hinter sich sieht. Man muss den Tatort – zumal als Dortmunder – nicht gut finden. Doch man sollte die Kirche im Dorf lassen. Der Tatort ist und bleibt ein Fernseh-Krimi. Erst jüngst beim Neujahrsempfang der Stadt hat Sierau die Erfolge Dortmunds in den höchsten Tönen gelobt. Menschen aus aller Welt kämen nach Dortmund, um zu erfahren, wie toll die Stadt den Strukturwandel gemeistert hat, 2018 ausgezeichnet als digitalste Stadt Deutschlands, gewürdigt mit dem deutschen Städtebaupreis und dem Schulbaupreis NRW. Darauf kann man als OB zu Recht stolz sein. Doch wie können bei diesem nationalen und internationalen Echo, das der OB in jeder Rede wie eine Monstranz vor sich herträgt, zwei Tatortfolgen im Jahr das Image der Stadt nachhaltig zerstören? Das passt nicht zusammen. Besser einmal tief durchatmen und auf den nächsten Dortmund-Tatort warten. Der spielt unter Ärzten. Gaby Kolle
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