Wechselvolle Mühlengeschichte ist Thema im Evinger Geschichtsverein

mlzDortmund historisch

Der Evinger Geschichtsverein beschäftigt sich am Montag (20.1.) mit der Mühlengeschichte mit ihren vielen Aufs und Abs. Eine Mühle besteht in Brechten bis heute.

Eving

, 07.01.2020, 11:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit dem idyllischen „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ gibt sich der Evinger Geschichtsverein nicht zufrieden. „Mühlen sind ein vielschichtiges, kulturhistorisches Thema, dem wir uns nähern wollen“, sagt die Vereinsvorsitzende Wiltrud Lichte-Spranger. Prominente Unterstützung erhält der Geschichtsverein bei diesem Thema von Heinrich-Clemens Scheiper, dem Besitzer von Scheipers Mühle in Brechten.

Zum Thema „Wechselvolle Mühlengeschichte“, zu der der Evinger Geschichtsverein für Montag (20.1.), 18.30 Uhr, ins Wohlfahrtsgebäude, Nollendorfplatz 2, einlädt, gilt natürlich für die besten Plätze: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“

Erste Scheipersche Mühle stand am Hohen Wall

Der Transport schwerer Korn- und Mehlsäcke, die anstrengende Arbeit des Müllers, der Mehlstaub, das Geräusch des Mahlgangs und der Weg vom Korn zum Mehl, vieles ist einfacher geworden, im Prinzip hat sich aber wenig verändert.

„Die Hintergründe des Mühlenwesens indes sind interessant und spannend – selbst für Alteingesessene“, merkt der stellvertretende Vereinsvorsitzende Dr. Volker Schacke an. Beispielsweise stand die erste Scheipersche Mühle zunächst am Hohen Wall, etwa am heutigen Standort des Dortmunder Schauspielhauses.

Am Hohen Wall, damals Windmühlenberg, wurde die Windmühle bei der Beseitigung der mittelalterlichen Stadtmauer ab 1871 ab- und in Brechten wieder aufgebaut. Damit war auch in Dortmund der Wandel von der Stadtmüllerei, wo Bauern ihr Korn gegen Bezahlung durch angestellte Müller mahlen ließen, zur Landmüllerei eingeleitet.

Wechselvolle Mühlengeschichte ist Thema im Evinger Geschichtsverein

Hendrik Scheiper steht bereit, in der 5. Generation die Scheipersche Mühle zu übernehmen. © Evinger Geschichtsverein

Dies war möglich, weil die Preußischen Minister von Stein und Hardenberg den Mühlenzwang aufgehoben hatten. Der Mühlenzwang gab in Preußen zunächst allein Grundherren das Recht, Mühlen zu bauen und zu betreiben. „Gleichwohl standen Bauern den Müllern vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit immer etwas skeptisch gegenüber. Die Bauern fürchteten, dass Mehl von den Müllern zurückgehalten werde oder der Mahllohn zu hoch sei“, stellte Wolfgang Skorvanek, stellvertretender Vorsitzender des Geschichtsvereins, bei seiner Forschung fest.

Brechtener Mühle profitierte vom Bergbau

Jedoch eher von der rasanten Entwicklung im Bergbau profitierte die Brechtener Mühle. Neben den Getreidebauern mit ihren hungrigen Pferden rings um die Mühle zählten vor allen Dingen die aus ländlichen Gebieten zugewanderten Beschäftigten der Zechen Minister Stein, Hardenberg und Achenbach zu Scheipers Kunden, wenn sie Futter für ihr Vieh oder Dünger für ihre Nebenerwerbslandwirtschaft kauften.

In der Zeit der NS-Diktatur durften Mühlen nur einen Teil ihrer Kapazitäten nutzen. Heinrich-Clemens Scheiper: „Strenge Vorschriften erlaubten es meinem Großvater nicht, ohne „Mehlkarte“ Mehl zu mahlen. Daher war der Hunger der Brechtener oft auch so groß.“

Faszinierende Kraftmaschinen

In der Nachkriegszeit blieben Mühlen zwar mechanisch einfache, aber faszinierende Kraftmaschinen; jedoch waren sie mit ihren Kapazitäten gegenüber den großindustriellen Mühlen nicht mehr konkurrenzfähig. Unter Bundeskanzler Konrad Adenauer wurde das Mühlenstillegungsgesetz verabschiedet.

Scheipers Mühle bestand fort, verabschiedete sich in den 1970er-Jahren von der kleinen Landwirtschaft, erweiterte die baulichen Anlagen einschließlich großer Silos zur Futterlagerung und nutzte ständig sich bietende technische Möglichkeiten. An die Stelle der Windmühlenflügel trat der Starkstromanschluss für mehrere Mühlen, die bis heute hochwertiges Tierfutter mahlen. Haus- und Gartenbesitzer finden ebenso ein reichhaltiges Sortiment für ihre Arbeiten wie Anhänger der Naturkost in einem Laden, der seinen nostalgischen Charme nicht aufgegeben hat, oder auf Scheipers Internetseite.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt