In der DAB-Brauerei an der Steigerstraße wurde aufgrund des Lockdowns zuletzt weniger Bier abgefüllt als geplant. © Archiv Dieter Menne
Lockdown

Wegen Corona: Dortmunder Brauereien müssen Bier wegschütten

Heimische Unternehmen in Dortmund mussten bereits einen Teil des Fassbieres vernichten. Eine kleine Brauerei kommt bislang aber gut durch die Krise.

Die Aussage, die Holger Eichele unlängst tätigte, dürfte so manchen Bier-Liebhaber ins Mark getroffen genommen haben. „Die Brauereien müssen Millionenwerte in den Gully kippen“, teilte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes angesichts des Lockdowns mit. Aufgrund des abgelaufenen Mindesthaltbarkeitsdatums müsse vor allem Fassbier in großen Mengen vernichtet werden.

Zwar gehören die Zeiten, als Dortmund zu Europas Bier-Hauptstadt avancierte, der Vergangenheit an, doch noch immer besitzt die westfälische Metropole eine ganz besondere Beziehung zum kühlen Blonden. Und noch immer wird in Dortmund Bier gebraut. Und auch darauf wirkt sich die Corona-Krise aus.

Uwe Helmich, Geschäftsführer der Dortmunder Brauereien, beklagt aufgrund des Lockdowns einen massiven Rückgang auf dem Biermarkt.
Uwe Helmich, Geschäftsführer der Dortmunder Brauereien, beklagt aufgrund des Lockdowns einen massiven Rückgang auf dem Biermarkt. © Stephan Schütze (Archiv) © Stephan Schütze (Archiv)

Konkrete Daten möchte Uwe Helmich, Geschäftsführer der zur Radeberger Gruppe gehörenden Dortmunder Brauereien, aus Wettbewerbsgründen nicht nennen. Doch Helmich lässt keine Zweifel daran, dass auch DAB, Brinkhoff‘s No. 1 und Kronen vom Lockdown hart getroffen wurden.

Es wird kein Fassbier abgefüllt

„Derzeit füllen wir bei den Dortmunder Brauereien kein Fassbier ab“, erläutert Helmich und bestätigt, dass auch Dortmunder Bier vernichtet werden musste: „Mangels Nachfrage von Gastronomen oder Veranstaltern infolge des Lockdowns haben wir bereits vorhandene Bestände entsorgen müssen, als das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten war.“

Ein solches Entsorgen drohe auch weiteren bereits abgefüllten Fassbiermengen, was gleich einen doppelten Negativeffekt mit sich bringe. „Damit vernichten wir nicht nur ein einwandfreies Lebensmittel“, so der Geschäftsführer, „wir erleiden auch ein weiteres Mal schmerzliche finanzielle Folgen.“

„Bier braucht Geselligkeit“

Die Stilllegung der Gastronomie bedeute aber nicht nur einen Rückgang bei Absatz und Umsatz, sondern vor allem beim Ertrag: „Denn dieser Vertriebskanal ist für die Branche ertragsstärker als das margenärmere Handelsgeschäft.“ Zudem litten auch die Flaschenbier-Absätze im Handel derzeit: „Bier braucht Geselligkeit, und die fehlt durch Kontaktbeschränkungen.“

Zunächst sieht Helmich keine Öffnungsperspektive für die Gastronomie – und somit auch keine Besserung der Situation, die die Branche unverschuldet getroffen habe. „Um diese Durststrecke zu überwinden, haben wir leider unter anderem Budgets kürzen und punktuell Kurzarbeit anmelden müssen.“

Dr. Thomas Raphael, Geschäftsführer der Bergmann-Brauerei, ist sich sich, dass sein Unternehmen die Krise übersteht.
Dr. Thomas Raphael, Geschäftsführer der Bergmann-Brauerei, ist sich sicher, dass sein Unternehmen die Krise übersteht. © Michael Schuh © Michael Schuh

Weit weniger hat sich der Lockdown auf die Bergmann-Brauerei ausgewirkt, wobei offenbar deren geringere Größe eine Rolle spielt. „Wir sind klein und flexibel“, sagt Bergmann-Gründer und -Geschäftsführer Dr. Thomas Raphael.

„Wir können unser Bier nicht nur in Fässer, sondern auch in Flaschen abfüllen.“ Und das habe man nach dem ersten Lockdown vorausschauend getan: „So mussten wir nichts wegschütten.“

Anstieg beim Flaschenbierverkauf

Zwar habe die Corona-bedingte Schließung der beiden Bergmann-Gastronomien, der Stehbierhalle Phoenix West und des Kiosks am Hohen Wall, laut Raphael „weh getan“, doch der Flaschenbierverkauf sei dafür im vergangenen Jahr um rund 20 Prozent angestiegen.

Die Stehbierhalle der Bergmann-Brauerei bleibt momentan geschlossen und teilt somit das Schicksal der gastronomischen Betriebe.
Die Stehbierhalle der Bergmann-Brauerei bleibt momentan geschlossen und teilt somit das Schicksal der gastronomischen Betriebe. © Michael Schuh © Michael Schuh

Ob dies daran lag, dass die Kunden angesichts der geschlossenen Kneipen ihr Bier zu Hause tranken oder aber die Einstellung von zwei neuen Vertriebsmitarbeitern ausschlaggebend war, vermag Raphael nicht exakt zu sagen: „Es spielte wohl beides eine Rolle.“

In einem Punkt ist sich der Geschäftsführer indes sicher: „Wir sind ein stabiles, regionales und inhabergeführtes Unternehmen, das gut gewirtschaftet hat. Wir stehen die Krise durch.“

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