Freiwilligendienst in Chile endet für Sinja (20) chaotisch: „Ich war völlig geschockt“

mlzCorona-Krise im Ausland

Seit September arbeitete Sinja mit 16 weiteren Freiwilligen im Programm „Weltwärts“ der Bundesregierung in Chile. Jetzt musste sie das Land Hals über Kopf verlassen.

Lücklemberg

, 25.03.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Hälfte ihres Freiwilligendienstes in Chile hat Sinja Horster aus Lücklemberg hinter sich. Die 20-Jährige hat Freunde gefunden, versteht sich mit ihrer Gastfamilie und hat sich an ihrem Einsatzort, in einer Behindertenschule in Valdivia im Süden des Landes, gut eingearbeitet.

Die verbleibende Zeit, weitere sechs Monate, wollte sie nun genießen und nutzen, um Land und Leute besser kennenzulernen, Kontakte zu vertiefen und zu reisen.

Doch Corona beendete all diese Pläne – und das sehr abrupt.

Freiwillige werden zurückgerufen

Am 18. März hieß es plötzlich: innerhalb weniger Stunden Koffer packen und Hals über Kopf Arbeitsplatz, Gastfamilie und die neuen Freunde verlassen. Die Teilnehmerin des entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes im Programm „Weltwärts“ sollte umgehend nach Hause fliegen.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hatte die deutschen Trägerorganisationen im Weltwärts-Freiwilligendienst am 17. März aufgrund der weltweiten Ausbreitung des Coronavirus dazu aufgerufen, die Rückreise der Freiwilligen einzuleiten.

Nach der Hälfte der Zeit musste Sinja (M.) sich verabschieden und ihre Arbeit in der Schule für Schwerbehinderte abbrechen.

Nach der Hälfte der Zeit musste Sinja (M.) sich verabschieden und ihre Arbeit in der Schule für Schwerbehinderte abbrechen. © privat

Sinja hatte drei Stunden Zeit, den Bus nach Los Ángeles zu erreichen, von dem es hieß, er sei für lange Zeit der letzte auf dieser Strecke.

Sie schaffte es, doch dann ließ der Rückflug doch auf sich warten. Erst am 22. März sollten die 17 Freiwilligen den Flug nach Paris antreten. Sinja konnte so lange bei der Weltwärts-Betreuerin vor Ort unterkommen.

Plötzlich sollte sie sich alleine durchschlagen

Doch dann folgte der nächste Schock für die junge Dortmunderin: Ihre Buchung für den Flug war zurückgenommen worden, als einzige der ganzen Gruppe. „Da war ich völlig fertig“, erzählt die 20-Jährige. Ganz alleine hätte sie einen Tag später fliegen sollen, um sich dann irgendwie von Paris aus durchzuschlagen.

Warum ausgerechnet ihr Flug geändert worden war, konnte ihr niemand sagen.

Mit viel Durchsetzungskraft und zig Telefonaten gelang es der jungen Frau schließlich, doch noch bei dem gemeinsamen Flug mitgenommen zu werden, für den in Chile Hunderte Schlange standen. „Alle wollen da weg“, erzählt die Dortmunderin. Die Lage spitze sich täglich mehr zu.

Für die Verabschiedung von ihrer Gastfamilie blieb Sinja (l.) kaum Zeit.

Für die Verabschiedung von ihrer Gastfamilie blieb Sinja (l.) kaum Zeit. © privat

Den Rückflug für die Weltwärts-Teilnehmer hatte das BMZ veranlasst, aber offenbar kein glückliches Händchen bei der Wahl der Reiseveranstalter. Denn der Weiterflug aus der französischen Hauptstadt lief komplett schief. Die beauftragte Airline hatte den Betrieb bereits eingestellt, der gebuchte Flug war längst gecancelt.

„Das war im Internet überall zu lesen“, sagt Sinjas Mutter Bettina Horster und ärgert sich: „Die Bundesregierung organisiert für Touristen Rückholaktionen auf der ganzen Welt, aber ihre eigenen Leute lassen sie im Stich.“

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So bemühten sich die Eltern selbst, ihre Kinder von Paris aus nach Hause zu bekommen. Dort herrscht seit dem 17. März eine komplette Ausgangssperre.

Sie fanden einen Busfahrer aus Saarbrücken, der trotz schwieriger Einreisebedingungen nach Paris fuhr, dort am Flughafen übernachtete und dann alle Freiwilligen sicher nach Hause brachte; auch Sinja. „Das ist mein Corona-Hero“, sagt Bettina Horster.

Sinja hängt jetzt erst einmal etwas in der Luft, bis sie mit einem Studium beginnen kann. Traurig sei sie, weil sie ihre Zeit in Chile auf halber Strecke abbrechen musste. „Das ging alles so schnell.“ Aber sie sei auch heilfroh, jetzt zuhause zu sein.

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