Weihnachtsmarkt zieht Kunden ab: Wochenmarkt-Händler beklagen drastische Umsatzeinbußen

mlzHandel

Händler des Wochenmarktes klagen über teils massiv weniger Umsätze wegen des Weihnachtsmarktes. Ein Kaufmann hat einen Lösungsvorschlag, der ziemlich weit geht.

Dortmund

, 12.12.2019, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Vorweihnachtszeit zaubert vielen Einzelhändlern ein Lächeln ins Gesicht, gilt sie doch als umsatzstärkste Phase des Jahres. Die Mienen der Dortmunder Markthändler sind momentan hingegen versteinert: Sie beklagen teilweise dramatische Umsatzeinbußen.

„Die Zeit, in der wir umziehen müssen, ist für uns sehr, sehr bitter“, beklagt sich Saleh Marcho, dass er von Ende November bis Ende Dezember dem Weihnachtsmarkt Platz machen und vom Hansa- auf den Friedensplatz wechseln muss. „In dieser Zeit habe ich weniger als die Hälfte des Geldes der sonstigen Monate in der Kasse.“

Der Weihnachtsmarkt soll auf den Friedensplatz

Marchos Antipasti-Stand lebe zum großen Teil von der Laufkundschaft - und die bilde am Ausweichstandort eine Minderheit: „Unten am Hansaplatz werden wir einfach mehr gesehen. Zum Friedensplatz kommen fast nur noch Stammkunden.“ Eine Kundin habe ihm sogar klipp und klar gesagt, dass sie ungern so weit laufe.

Aufgrund des schmaleren Verdienstes wünscht sich Marcho ein Entgegenkommen der Stadtverwaltung, beispielsweise in Form eines kleinen Bonus‘: „Denn wir zahlen ja ordentliche Standgebühren.“

Für die Zukunft schlägt er sogar eine große Lösung vor: „Der Weihnachtsmarkt könnte doch auf den Friedensplatz ziehen, denn dessen Besucher kommen ja eigens dafür und würden den Ortswechsel akzeptieren. Wir Markthändler blieben auf dem Hansaplatz - und alle wären zufrieden.“

Obst- und Gemüsehändler Sahin Temiz befürchtet, dass der Wochenmarkt in naher Zukunft komplett auf den Friedensplatz verbannt wird.

Obst- und Gemüsehändler Sahin Temiz befürchtet, dass der Wochenmarkt in naher Zukunft komplett auf den Friedensplatz verbannt wird. © Michael Schuh

Sechs Wochen an einem ungeliebten Platz seien eine verdammt lange Zeit, findet Obst- und Gemüsehändler Sahin Temiz: „Wenn der Weihnachtsmarkt öffnet, dann gehen die Leute dorthin. Wir spüren das extrem: Unser Umsatz sinkt um 50 Prozent.“

Und Temiz befürchtet gar, dass aus der mehrwöchigen Übergangsphase eine dauerhafte Situation werden könnte. „Ich glaube, die Pläne zur Bebauung des Hansaplatzes sind noch nicht vom Tisch. Das wäre für uns Händler natürlich schlecht, denn am Friedensplatz fehlt Laufkundschaft.“

Auch Christiane Striebeck, die auf dem Wochenmarkt Waffeln und Heißgetränke verkauft, spürt die große Konkurrenz des Weihnachtsmarktes. Aber die Händlerin akzeptiert das Verhalten der Kunden zur Weihnachtszeit.

Auch Christiane Striebeck, die auf dem Wochenmarkt Waffeln und Heißgetränke verkauft, spürt die große Konkurrenz des Weihnachtsmarktes. Aber die Händlerin akzeptiert das Verhalten der Kunden zur Weihnachtszeit. © Michael Schuh

Als Verkäuferin von Waffeln und Heißgetränken hat es Christiane Striebeck schwer, werden die gleichen Produkte doch auch auf dem Weihnachtsmarkt angeboten.

Doch nicht nur deshalb mache sich der temporäre Umzug negativ in der Kasse bemerkbar. Auch die rund um den Hansaplatz liegenden Läden belebten das Geschäft: „Davon profitieren beide Seiten.“

Dennoch zeigt Striebeck Verständnis für die Stadt und die Kundschaft: „Die Menschen möchten eben auf dem Weihnachtsmarkt einkaufen. Ich akzeptiere das.“

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Maria Hartkämper, die auf dem Wochenmarkt Käsespezialitäten feilbietet, ärgert sich weniger über den finanziellen als den räumlichen Aspekt. „Wenn der Baum aufgebaut wird, müssen wir für 14 Tage auf den Hansaplatz umziehen“, sagt die Händlerin, „dann suchen uns erst einmal die Kunden. Danach ziehen wir auf den Friedensplatz - und die Kunden suchen uns erneut.“

Thomas Evers, in dritter Generation Inhaber von „Wild und Geflügel Evers“, kann sich noch an die Zeiten erinnern, als der Wochenmarkt auch im Dezember auf dem Hansaplatz stattfand: „Da haben die Kunden Schlange gestanden und wir waren mit sieben Leuten im Verkaufswagen.“

Zu weit vom Westenhellweg entfernt

Natürlich hätten sich die Zeiten geändert, fährt Evers fort, aber trotz des vermeintlichen Weihnachtsgeschäftes kämen deutlich weniger Kunden als am üblichen Standort: „Wir sind hier am Friedensplatz einfach zu weit vom Westenhellweg entfernt.“

Und Angela Kraft, treue Kundin des Wochenmarktes, nimmt gar kein Blatt vor den Mund, wenn es um den jährlichen Umzug der Händler geht: „Ich finde es sehr bedauerlich, dass der Wochenmarkt diesem scheußlichen Baum weichen muss.“

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