Letzte Ruhe unter Reben: Viele sichern sich ein Weinberg-Grab

mlzFriedhof Holzen

Auf dem Friedhof Holzen gibt es seit Juli einen Weinberg mit Urnengrabfeld. Die Nachfrage war von Anfang an hoch. Mittlerweile sind schon weit mehr als die Hälfte der Plätze vergeben.

Holzen

, 08.11.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Friedhof in Holzen hat eine perfekte Hanglage für einen Weinberg. Tatsächlich hat die Stadt Dortmund dort am südlichen Ende der Stadt eine Terrasse mit Rebstöcken angelegt. Die pilzresistente Traubensorte Cabertin soll hier einen guten Ertrag versprechen. Doch der Weinanbau ist nicht der eigentliche Zweck der neuen Anlage. Der Weinberg ist gleichzeitig ein Urnengrabfeld mit Platz für 36 Grabstellen, die doppelt belegt werden können.

Bereits sechs Wochen nach der Eröffnung im Juli 2020 war bereits ein Viertel der Plätze vergeben. „Das ist ungewöhnlich“, betont Ralf Dallmann, Betriebsleiter der Städtischen Friedhöfe in Dortmund.

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Inzwischen, gut drei Monate nach dem Start, sind sogar 21 Grabstellen vermittelt. Wobei sie nicht alle schon wirklich belegt sind. Sieben Urnenbeisetzungen hat es am Weinberg gegeben, die restlichen 14 Grabstellen sind reserviert; „Vorerwerb“ nennen das die Fachleute.

Auszubildende haben die Weinterrassen in Holzen angelegt. Gartenbaumeisterin Silvana Reimers hat das Projekt betreut.

Auszubildende haben die Weinterrassen in Holzen angelegt. Gartenbaumeisterin Silvana Reimers hat das Projekt betreut. © Susanne Riese (A)

Die starke Resonanz auf die Weinberggräber bestätigt einen allgemeinen Trend. Die Nachfrage nach individuellen Bestattungsmöglichkeiten steigt seit Jahren. Viele wünschen sich als letzte Ruhestätte ein Haingrab, einen Platz auf einer Streuobstwiese oder im Ruheforst.

Pflegefreiheit ist vielen wichtig

Bei der Vorliebe für diese alternativen Bestattungsarten spielen auch Kosten eine Rolle, denn die sind in der Regel niedriger als bei einer klassischen Grabstätte. Im Weinberg kostet die Doppelgrabstelle 2350 Euro für 25 Jahre. Für Obstbaumgräber, wie sie in Holzen ebenfalls neu angelegt wurden, fallen für die Dauer der Laufzeit 2600 Euro an. Bis zu vier Urnen pro Grabstelle dürfen dort beigesetzt werden.

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Ein starkes Argument ist auch das Thema Grabpflege. Unter den Reben, auf der Obstbaumwiese oder im Wald muss sich niemand besonders um die Grabpflege kümmern, das empfinden viele als großen Vorteil. Die Pflege des Weinbergs übernimmt der städtische Friedhofsbetrieb.

„Die Weinreben sind gut angewachsen“, sagt Ralf Dallmann. „Sie werden im nächsten Jahr deutlich kräftiger austreiben und dann – hoffentlich – auch erste Trauben tragen.“

Um die Grabpflege müssen sich Angehörige bei den Weinberg-Gräbern nicht kümmern.

Um die Grabpflege müssen sich Angehörige am Weinberg nicht kümmern. © Friedhöfe Dortmund

Für den Holzener Friedhof ist das neue Grabfeld schon jetzt ein großer Gewinn, auch wenn im ersten Jahr noch nicht geerntet werden kann. Der Weinberg kommt nicht nur gut an als Grabstätte, sondern die mit einer Natursteinmauer abgesetzten Terrassen und das natürliche Pflanzkonzept werten den kleinen parkähnlichen Friedhof auch optisch auf.

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Und was den Wein angeht: Die Cabertin-Traube soll laut Winzerin Tina Krachten, die die Pflanzung begleitet hat, an Cabernet Sauvignon erinnern. Was mit der zukünftigen Ernte in Holzen geschehen soll, steht aber noch nicht fest.

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