Weitere Vorwürfe gegen die BIG-Krankenkasse

Verschwendung kritisiert

Die BIG-Krankenkasse will den Vorwürfe der Verschwendung, den der Bundesrechnungshof aufwirft, lückenlos aufklären. Das erklärte der neue Vorstandschef Peter Kaetsch am Freitag. Unterdessen werden weitere Vorwürfe bekannt.

DORTMUND

von Von Philipp Ostrop und Bettina Kiwitt

, 09.11.2012, 22:45 Uhr / Lesedauer: 1 min

Die BIG wurde 1996 als erste gesetzliche Direktkrankenkasse Deutschlands gegründet und ist seitdem stark gewachsen. Zurzeit betreut sie 390 000 Versicherte. 525 Mitarbeiter sind allein in Dortmund beschäftigt. Ihren neuen Firmensitz am U-Turm hat die Versicherung Ende 2010 bezogen.

  • In mehreren Fällen habe die BIG Mitgliedsbeiträge und Honorare an Gesellschaften, Vereine und Verbände gezahlt, in denen Mitglieder des Verwaltungsrates engagiert waren.
  • Weil die neue BIG-Zentrale am U-Turm zu groß ausgefallen sei, zahle die Krankenkasse monatlich 100 000 Euro Miete zu viel. 6000 Quadratmeter der Bürofläche seien überflüssig.
  • Die Berechnung der überdimensionierten Bürofläche sei vom Projektentwickler Kölbl Kruse in Auftrag gegeben worden. Die Essener Firma war anschließend Bauherr des Neubaus an der Rheinischen Straße 1 und Vermieter der BIG.
  • Der Immobilienvertrag sei nicht öffentlich ausgeschrieben worden, obwohl das Bundesversicherungsamt dazu geraten habe. Kölbl Kruse habe zuvor die Ausschreibungspflicht rechtlich geprüft und diese Prüfung bezahlt. Daraufhin sei der Vertrag ohne Ausschreibung abgeschlossen worden – mit Kölbl Kruse.
  • Eine Ex-Mitarbeiterin von Kölbl Kruse sei Vorstandsassistentin der BIG geworden – und habe dann dort das Bauvorhaben betreut.

Kölbl Kruse war im Zusammenhang mit dem BIG-Bau bereits in die Schlagzeilen geraten: Für den Wahlkampf des heutigen Oberbürgermeisters Ullrich Sierau hatten die Unternehmer Kölbl und Kruse im Jahr 2009 zwei Mal 4900 Euro gespendet. 2007, als Sierau noch Planungsdezernent war, hatte Kölbl Kruse das Grundstück am U-Turm von der Stadt gekauft und dort anschließend das BIG-Gebäude errichtet.BIG-Verwaltungsratsvorsitzender René Scheer kann manche Anmerkungen des Bundesrechnungshofs mit dem „gesunden Menschenverstand“ nicht nachvollziehen. Trotzdem nehme er den Bericht „absolut ernst“ und lasse ihn von einer neutralen Rechtsanwaltskanzlei in Köln genau prüfen, erklärte er gegenüber unserer Redaktion.

Die BIG wurde 1996 als erste gesetzliche Direktkrankenkasse Deutschlands gegründet und ist seitdem stark gewachsen. Zurzeit betreut sie 390 000 Versicherte. 525 Mitarbeiter sind allein in Dortmund beschäftigt. Ihren neuen Firmensitz am U-Turm hat die Versicherung Ende 2010 bezogen.

 Seit Krankenkassen Bundeszuschüsse aus Steuergeldern bekommen, unterliegen ihre Finanzen der Kontrolle des Bundesrechnungshofes.

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