Wenige Corona-Fälle im Dortmunder Westen: „Damit haben wir nicht gerechnet“

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Im Dortmunder Westen gibt es bislang wenige Corona-Fälle. Der Bezirk Lütgendortmund schneidet nach Scharnhorst stadtweit sogar am besten ab. Einige halten es für Glück, andere haben Erklärungen.

Lütgendortmund, Mengede, Huckarde

, 22.07.2020, 05:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ende vergangener Woche veröffentlichte das Gesundheitsamt Dortmund eine Auswertung aller bisherigen Corona-Fälle in Dortmund. Die Statistik für den Zeitraum 15. März bis 15. Juli 2020 zeigt, wie sich das Virus bislang in der Stadt verbreitet hat.

Der Dortmunder Westen hat bei den absoluten Zahlen nach Scharnhorst im Nordosten (50 Fälle) stadtweit die wenigsten Corona-Fälle. In Mengede gab es bislang 59 bestätigte Infektionen, in Lütgendortmund 62 und in Huckarde 64. Insgesamt gibt es in Dortmund in diesem Zeitraum rund 1100 Corona-Fälle.

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Berücksichtigt man die Bevölkerungszahlen, schneidet der Stadtbezirk Lütgendortmund am besten ab. Bei den Indizes pro 100.000 Einwohner weist er den niedrigsten Wert im Dortmunder Westen auf (128,0), stadtweit kann ihn nur Scharnhorst (107,6) unterbieten.

Ute Strehlau aus Marten wundert sich über die niedrigen Fallzahlen im Stadtbezirk Lütgendortmund. „Das ist einfach nur Glück.“

Ute Strehlau aus Marten wundert sich über die niedrigen Fallzahlen im Stadtbezirk Lütgendortmund. „Das ist einfach nur Glück.“ © Beate Dönnewald

„Mit diesem Ergebnis habe ich nicht gerechnet“, sagt Ute Strehlau aus Marten, die wir am Rewe-Markt Nolte in der Germania-Siedlung ansprechen. Sie arbeite im Einzelhandel in Indupark und beobachte tagtäglich Kunden, die sich nicht an die Abstands- und Hygiene-Regeln hielten. „Diese Zahlen haben nicht damit zu tun, dass die Menschen hier besonders vorsichtig und vernünftig sind, das ist einfach nur Glück“, meint sie.

Maskenpflicht in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln ist extrem wichtig

Auch Joelle Kuch wundert sich über die niedrigen Fallzahlen im Stadtbezirk Lütgendortmund. „Ich sehe hier täglich so viele Menschen, vor allem Teenager, die keinerlei Rücksicht nehmen. In Bussen oder Bahnen tragen sie keine Masken.“ Deshalb habe sie mit diesem guten Ergebnis nicht gerechnet. „Wir müssen aber weiterhin vorsichtig sein. Ich halte die Maskenpflicht in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln für extrem wichtig. Die kann man ruhig dauerhaft beibehalten“, sagt die 21-Jährige.

Sigrid Mitze erklärt die niedrigen Fallzahlen im Stadtbezirk Lütgendortmund mit einer guten Aufklärungsarbeit speziell in Marten.

Sigrid Mitze erklärt die niedrigen Fallzahlen im Stadtbezirk Lütgendortmund mit einer guten Aufklärungsarbeit speziell in Marten. © Beate Dönnewald

Die 82-jährige Sigrid Mitze aus Somborn indes findet eine Erklärung, warum der Stadtbezirk und insbesondere Marten bislang so gut durch die Krise gekommen sind. „Hier in Marten wurde tolle Aufklärungsarbeit geleistet, durch das Martener Forum und die Nachbarschaftshilfe Marten. Und Risikogruppen werden besonders geschützt, weil man für sie die Einkäufe übernimmt“, sagt sie.

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Trotz der niedrigen Fallzahlen halte sie sich aber weiterhin an die Vorschriften, um sich und andere zu schützen. „Auch wenn das Maskentragen immer noch nicht in meinem Kopf angekommen ist und ich oft zum Auto zurückgehen muss, um eine Maske zu holen.“

„In Ballungsgebieten ist die Ansteckungsgefahr größer“

Dass die Leute im Dortmunder Westen und speziell im Stadtbezirk Lütgendortmund die Hygiene- und Abstandsregeln gewissenhafter einhalten als anderswo, das glaubt die Lütgendortmunderin Annegret Osthecker (75) nicht. Sie hat eine andere Erklärung für das gute Abschneiden: „Das Dorf in Lütgendortmund ist doch fast tot. Da sind einfach nicht so viele Menschen unterwegs, die sich gegenseitig anstecken können. In Ballungsgebieten ist die Gefahr größer.“

Die Menschen im Dortmunder Westen sind einfach vorsichtig und vernünftig: So erklärt Lothar Dehn die wenigen Corona-Fälle insbesondere im Stadtbezirk Lütgendortmund.

„Die Menschen im Dortmunder Westen sind einfach vorsichtig und vernünftig“: So erklärt Lothar Dehn die wenigen Corona-Fälle insbesondere im Stadtbezirk Lütgendortmund. © Beate Dönnewald

Lothar Dehn (78) hingegen ist überzeugt, dass die niedrigen Fallzahlen durchaus mit der Vernunft der Leute zusammenhängen. „Im Dortmunder Westen scheinen sie also sehr sehr vernünftig zu sein.“ Er freue sich über die niedrigen Zahlen, als Risikopatient müsse er aber auch weiterhin vorsichtig sein.

„Leider schummeln viele Leute“

Sarah Barkholz (31) und ihre Mutter Karin Schulz (58) gehören nicht zur Risikogruppe, gut schützen wollen sie sich trotz der guten Corona-Statistik in ihrem Wohnort aber auch weiterhin: „Wir haben bislang keine Einladung zu Feiern angenommen, die drinnen stattfinden. Daran wird sich vorerst nichts ändern.“

Jeder könne seinen persönlichen Beitrag dazu leisten, das Infektionsgeschehen niedrig zu halten, betonen sie. „Doch leider schummeln viele Leute, sie gehen ohne Masken in die Geschäfte oder bedecken ihre Nasen nicht.“

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