Sollen Eltern ihre Kinder gegen Corona impfen lassen? Viele Familien sind wegen möglicher Nebenwirkungen verunsichert. (Symbolbild) © dpa
Corona-Schutzimpfung für Kinder

„Wenn das so weiter geht, bekommen viele Arzthelferinnen einen Burn-Out“

Die Diskussion um eine Corona-Schutzimpfung für Kinder wird immer lauter. Die Zulassung dafür gibt es zwar noch nicht – trotzdem ist der Andrang in den Kinderarztpraxen schon jetzt enorm.

Wann Kinder und Jugendliche eine Corona-Schutzimpfung erhalten dürfen, ist noch gar nicht geklärt, doch bereits jetzt ist der Ansturm auf die Kinderarztpraxen groß – von Eltern, die sich einen Termin für ihre Kinder sichern wollen.

„Die Situation ist eine Katastrophe“

Aktuell prüft die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA, ob der Corona-Impfstoff von Biontech schon für Kinder ab 12 Jahren zugelassen wird. Auch die Ständige Impfkommission hält sich eine Empfehlung vor.

Doch das Telefon steht schon seit Wochen nicht mehr still. Genau genommen „seitdem das Thema das erste Mal in der Zeitung stand“, so sagt es Martina Hanslik, Arzthelferin in einer Gemeinschaftspraxis für Kinder-und Jugendmedizin.

„Die Eltern haben nichts anderes im Kopf – die Situation ist eine Katastrophe.“ Ebenso katastrophal schildern andere Arzthelferinnen und Ärzte die Situation in Kinderarztpraxen. Es sei nicht nur unheimlich anstrengend, sondern für eine Kinderarztpraxis schier unmöglich, erklärt Hanslik. „Wenn das so weiter geht, gibt es viele Arzthelferinnen, die einen Burn-Out bekommen.“

Aufgrund des Andrangs sei es zudem schwieriger geworden, sich auf die wirklich kranken Kinder zu fokussieren. „Ohne Periodisierung wäre es besser gewesen.“ Sie sagt den Eltern: „Gedulden Sie sich bitte – es bringt nichts, jeden Tag anzurufen.“

Doch nicht alle Eltern akzeptierten das so schnell, berichtet Nadine Schmidt, Arzthelferin in der Dortmunder Kinderarztpraxis Schweizer-Hoffmann. „Viele rufen dann wieder an.“

„Tagtäglich über 100 Anrufe“

Bisher bieten manche Kinderarztpraxen Schutzimpfungen für Eltern an, sofern ihre Kinder Risikopatienten sind. Diese Praxen kriegen zu spüren, dass mehr Leute anrufen, als Impfstoff vorhanden ist. „Hier rufen alle an und wollen das – für sich und ihre Kinder“, so Nadine Schmidt. „Wir bekommen tagtäglich über 100 Anrufe von Eltern.“

Prof. Dr. med. Hermann Kalhoff, leitender Oberarzt am Klinikum Dortmund, erklärt, dass in der Kinderklinik zwar auch Eltern nachfragen würden, jedoch überwiegend, um sich zu erkundigen. „Nach Terminen wurde in der Lungenambulanz noch nicht gefragt.“

Die Entscheidung über die Zulassung des Impfstoffs für Kinder „ist ein bisschen wie in die Kristallkugel schauen“, sagt Kalhoff. Für Kinder, bei denen das eigene Risiko höher ist, sei eventuell eher mit einer Empfehlung zu rechnen.

Andererseits könnte die Impfung von Kindern und Jugendlichen für eine Herdenimmunität notwendig sein, so der Experte. Eine einfache Entscheidung sei das aber nicht, sondern müsse genau getestet werden.

Mit einer Entscheidung der Ständigen Impfkommission ist in den kommenden 14 Tagen zu rechnen.

Über die Autorin
Freie Mitarbeiterin
1999 in Dortmund geboren und aufgewachsen. Seit 2017 Medienwissenschafts- und Sowi-Studentin an der RUB. Nach zwei Jahren im Fernsehjournalismus, 2020 auch bei den Ruhr Nachrichten. Im Regionaljournalismus möchte ich über Geschehnisse und Menschen aus unmittelbarer Nähe berichten, so wie über das was sie und uns bewegt.
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