Wenn die Nachtruhe um 5 Uhr morgens endet

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Die Anwohner des Osulfweges gehen auf die Barrikaden: Damit ihr Sträßchen nicht mehr als Umleitungsstrecke genutzt wird, bauen sie nun auf die Unterstützung der Politik.

Kirchlinde

, 22.11.2019, 14:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Anwohner des Osulfweges haben die Nase voll - und gerade deshalb eine Menge Ideen: Aus ihrem Sträßchen solle zumindest eine Anliegerstraße, wenn nicht gar eine Sackgasse werden. Und auch ein elektronisches Geschwindigkeits-Display, das Autofahrer bei zu hoher Geschwindigkeit ermahnt, käme ihnen sehr gelegen.

Um ihrem Anliegen Druck zu verleihen, haben die Kirchlinder Nachbarn Unterschriften gesammelt, die sie in der nächsten Bezirksvertretungssitzung übergeben wollen. Denn eines steht für sie fest: So kann es nicht weitergehen.

Seit die Hangeneystraße im vergangenen August zur Baustelle wurde und nur noch in eine Richtung befahren werden kann, ist am Osulfweg nämlich nichts mehr, wie es einmal war.

Willkommene Abkürzung

Jede Menge Autofahrer missachten die empfohlene Umleitung über Im Dorloh, Kirchlinder Straße sowie Bärenbruch und nutzen stattdessen den Osulfweg als willkommene Abkürzung zur Autobahnauffahrt oder zum Discounter. Rein rechtlich gibt es dagegen nichts einzuwenden - doch gefallen lassen wollen sich die Anwohner das trotzdem nicht länger.

Vor allem ab 5 Uhr in den frühen Morgenstunden gleiche der einstmals beschauliche Weg einer Hauptverkehrsstraße, berichten die erzürnten Bürger. „An einem Tag habe ich von 7.30 bis 8 Uhr morgens die Autos gezählt“, sagt Ilse Hoppenbrink, „und da bin ich auf 250 Stück gekommen.“

Nachbarin Elsbeth Piel benötigte ganze 60 Sekunden, um ihren Beweis für die Überstrapazierung des Weges zu erbringen: „In einer Minute waren es 13 Pkw.“

Geräusche und Licht stören

Und auch Rosa-Maria Odenthal kann ein Lied davon singen, wie störend das allmorgendliche Verkehrschaos ist: „Wir haben unser Schlafzimmer zur Straße raus. Da hört man frühmorgens jedes Auto, und jedes Mal scheint deren Licht durchs Rollo.“

Doch die übermäßige Frequentierung sorgt nicht nur für schlechten Schlaf, sondern wirke sich laut der Nachbarn auch auf die Qualität des Straßenbelags aus. Da selbst Lastwagen der nahen Baustelle durch den Osulfweg führen, gebe es immer mehr Löcher und Risse, die meist nur notdürftig geflickt würden.

Und sollte tatsächlich irgendwann einmal eine komplette Sanierung erfolgen, befürchten die Anwohner, dafür zur Kasse gebeten zu werden. Für Schäden, die zum großen Teil gar nicht von ihren Autos stammten.

Wenn die Nachtruhe um 5 Uhr morgens endet

Michaela Kleinehabig hat eine Vielzahl an Anwohner-Unterschriften gesammelt, die sie am 4. Dezember in der Sitzung der Bezirksvertretung übergeben will. © Michael Schuh

Zu der Vielzahl an Pkw geselle sich aber noch ein weiteres Problem: die viel zu hohe Geschwindigkeit zahlreicher Autos. Denn eigentlich herrscht am Osulfweg ein Tempolimit von 30 km/h, doch dies werde, so Odenthal, von kaum jemandem eingehalten: „Und das, obwohl sich hier ein Kindergarten befindet und Kinder die schmale Straße als Schulweg nutzen.“

Und die Gefahr könne in den kommen Monaten sogar noch größer werden, fährt sie fort: „Hier gibt es keinen Winterdienst. Sollte es über Nacht glatt werden, dann kommen die zu schnell fahrenden Wagen ins Rutschen.“

Piktogramme kaum zu erkennen

Eigentlich weisen Piktogramme auf der Straße auf diese Geschwindigkeitsbegrenzung hin - oder besser gesagt: sollten darauf hinweisen. Denn nur mit viel Fantasie kann die große „30“ noch als solche entziffert werden. „Die Piktogramme müssten unbedingt nachgezogen werden“, sagt Michaela Kleinehabig, die Initiatorin der Unterschriftenaktion. „Aber die Stadt macht ja nichts.“

Damit künftig zumindest die Geschwindigkeit kontrolliert, der Osulfweg am besten jedoch in eine Anliegerstraße oder eine Sackgasse verwandelt wird, hoffen die Anwohner nun auf die Hilfe der Politik. Den Anfang soll die Bezirksvertretung machen.

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