Wenn Eltern ihre Kinder bis ins Klassenzimmer fahren wollen

Elterntaxi

Es gibt Eltern, die würden ihre Kinder bis ins Klassenzimmer fahren – und das ohne Rücksicht auf Verluste. An der Lichtendorfer Grundschule sucht man jetzt nach Alternativen.

Lichtendorf

, 17.09.2018, 14:05 Uhr / Lesedauer: 3 min
Wenn Eltern ihre Kinder bis ins Klassenzimmer fahren wollen

Wo kein Tor, da auch ein Weg. An den beiden Schulstandorten in Lichtendorf und Sölderholz gibt es Probleme mit dem Hol- und Bringverkehr. © Jörg Bauerfeld

Vielleicht zeigt die Aktion des Deutschen Kinderhilfswerks vom 17. bis zum 28. September ja Wirkung. Dann stehen die Aktionstage „Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten“ an. Das hofft zumindest Sybille Bösel. Sie ist kommissarische Schulleiterin an der Lichtendorfer Grundschule und somit auch für den Zweitstandort in Sölderholz zuständig.

„Es ist so, dass Kinder, die zumindest einen Teil des Schulwegs zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegen, besser dem Unterricht folgen können als die, die von ihren Eltern kurz vor Stundenbeginn bis vor die Tür gefahren werden“, sagt Sybille Bösel. Logisch, hatten die Kinder doch Zeit sich an der frischen Luft zu bewegen und zu quatschen und so gut in den Tag zu kommen. Was aber so einleuchtend klingen mag, ist einem Teil der Elternschaft scheinbar schnuppe. Und das sorgt für Ärger an den Grundschulen und Kindergärten – so auch an der Lichtendorfer Grundschule.

Beifall für einen Vorschlag aus der Politik

Ist der Vorschlag der Bezirksvertretung Aplerbeck, auf Teilen der Lichtendorfer Straße im Bereich der Bodieckstraße (hier liegt der Grundschul-Zweitstandort) Tempo 30 einzurichten, mit viel Beifall aufgenommen worden, sorgt der tägliche Wahnsinn vor den Schulgebäuden für Kopfschütteln.

Da ist beispielsweise der Lehrerparkplatz der Lichtendorfer Grundschule an der Schulstraße. „Und das ist ein Problem, was uns so richtig auf den Nägeln brennt“, sagt Sybille Bösel. Nun muss man wissen, dass ein Lehrerparkplatz Lehrerparkplatz heißt, weil er nur für Lehrer zu nutzen ist.

Gut, wissen nicht alle und daher fahren sich diverse Eltern vor der Lichtendorfer Grundschule Beulen ins Auto. „Hier hat es auch schon Blechschäden gegeben. Zum Glück ist bisher noch keinem Kind etwas passiert“, sagt Bösel.

Zufahrt ist nicht absperrbar

Sie hat das den besagten Eltern in Ruhe erklärt, hat dafür aber nur dumme Sprüche kassiert – Einsicht Fehlanzeige. Das Tor, das den Platz absperren könnte, ist defekt. Ein neues ist für die Stadt zu teuer, also muss sich die Schule selber helfen. Die Schule reagierte und sperrte den Eingang zur Schule von dieser Seite ab. Jetzt geht es bis auf Weiteres nur noch über den Schulhof in die Schule. Nicht befahrbar für die Uneinsichtigen, denn hier ist ein Tor davor.

Nur was tun? „Wir versuchen, dass die Kinder hier die Eltern erziehen“, sagt Sybille Bösel. Die Zu-Fuß-zur-Schule- Tage sind da ein erster Ansatz. Denn hier gibt es für die Schüler, die nicht mit dem Auto gebracht werden eine Belohnung in Form eines Stempels.

Auch am Zweitstandort gibt es Verkehrschaos

Das gilt für den Schulstandort Lichtendorf wie auch in Sölderholz. Benachteiligt werden kann hier im Übrigen niemand, denn laut Sybille Bösel haben alle Schüler die Möglichkeit, die Schulen zu Fuß zu erreichen. In Sölderholz an der Bodieckstraße gibt es das gleiche Problem. Auch hier gibt es jeden Morgen die Eltern-Auto-Bring-Party. Auch hier wird auf dem Schulgelände einschließlich Lehrerparkplatz rumgekurvt, als ob es kein Morgen mehr gäbe. Alles natürlich zum Wohle der Sprösslinge, die auf den letzten Drücker ins Klassenzimmer gedrückt werden müssen. Das soll, so Bösel, aber bald ein Ende haben. Zumindest was das Schulgelände angeht. Denn hier gibt es noch ein gangbares Tor und das wird demnächst nur noch von Lehrern und dem Hausmeister zu öffnen sein.

Bezirksbürgermeister weiß um die Probleme

Was kann denn noch getan werden, um den Schulweg sicherer zu machen? Eine Idee ist, die Bodieckstraße vielleicht für eine bestimmte Zeit nur noch für bestimmte Fahrzeuge befahrbar zu machen. Sodass zwar die Anwohner die Möglichkeit haben, Eltern aber nicht.

„Wir werden uns mit dem Thema befassen und schauen, was dort möglich ist“, sagt Bezirksbürgermeister Jürgen Schädel, dem dieses Problem natürlich auch bekannt ist. Zumindest gibt es den Versuch, dass die Eltern ihre Kinder an der Fahrschule an der Lichtendorfer Straße rauslassen, sodass sie zumindest ein paar Meter zu Fuß laufen können. Ob das am Ende etwas nutzt oder ob die Eltern mit ihren Fahrzeugen vor den Schulgebäuden lieber weiter „Autoscooter“ fahren, wird sich dann zeigen.

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