Blick in das kürzlich erweiterte Impfzentrum auf Phoenix-West. © Stephan Schütze
Corona-Pandemie

Wer impft günstiger – Arzt in der Praxis oder im Impfzentrum?

Ob man sich in Dortmund beim Hausarzt oder im Impfzentrum gegen Corona impfen lässt, ist für Patienten meist zweitrangig. Was die Kosten betrifft, spielt es aber eine Rolle. Und: Was verdient ein impfender Arzt eigentlich?

Für die Dortmunder Bürger ist die Impfung unabhängig vom Versicherungsstatus (privat/gesetzlich/freiwillig) kostenlos. Die Kosten für den Impfstoff übernimmt der Bund, die Kosten für die Spritzen und Kanülen tragen die Länder.

Darüber hinaus teilen sich die Länder mit dem Bund die Kosten für die Errichtung und den Betrieb der Impfzentren. Doch es macht einen Kostenunterschied, ob man in einer Arztpraxis oder im Impfzentrum geimpft wird.

Aktuell impfen 16 Ärzte und Ärztinnen in zwei Schichten im Dortmunder Impfzentrum auf Phoenix-West. Sie haben sich freiwillig für diesen Einsatz gemeldet. Aber freiwillig heißt nicht ohne Honorar.

Sie arbeiten laut Stadtsprecherin Anke Widow jeweils acht Stunden pro Schicht. Dafür erhalten sie eine Vergütung von 150 Euro pro Stunde, müssen aber unter Umständen für ihren Einsatz im Impfzentrum ihre Praxis schließen. Doch bei einer Acht-Stunden-Schicht bleibt immerhin ein Tagesverdienst von 1200 Euro.

20 Euro pro Piks in der Praxis

Ein Arzt, der in seiner Praxis impft, impft günstiger. Er kann pro Piks gegen das Coronavirus 20 Euro abrechnen – für Erst- und Zweitimpfung also 40 Euro, berichtet auf Anfrage Vanessa Pudlo, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL).

„Diese Leistung umfasst die Aufklärung und Impfberatung, die symptombezogene Untersuchung zum Ausschluss akuter Erkrankungen oder Allergien, die Verabreichung des Impfstoffs, die Beobachtung in der sich unmittelbar anschließenden Nachsorgephase und die medizinische Intervention im Fall von Impfreaktionen.“

Außerdem stellen die Hausärzte ihre Praxisinfrastruktur zur Verfügung, organisieren mit ihren Teams die Terminvergabe und erledigen die Dokumentation.

Warum gibt es diese Kostenunterschiede? Die Honorierung der Ärzte in den Impfzentren, so Pudlo, sowie wie die des medizinischen Personals sei von der KVWL mit dem NRW-Gesundheitsministerium im Rahmen der Vertragsgestaltung vereinbart worden. Die Höhe der Vergütung für die Covid-19-Schutzimpfung in den Praxen hingegen habe das Bundesgesundheitsministerium in seiner Coronavirus-Impfverordnung festgelegt.

Für eine schnelle Durchimpfung

Ein Vergleich der Kosten für eine Impfung im Impfzentrum und in der Arztpraxis sei pauschal nicht möglich, meint die KVWL-Sprecherin. Die Impfzentren seien vom Land NRW eingerichtet worden, um eine schnelle Durchimpfung der Bevölkerung gegen das Coronavirus vor dem Hintergrund geringer Impfstoffmengen umzusetzen.

Pudlo: „Die zentralen Strukturen der Impfzentren ermöglichten ein zügiges, strukturiertes Vorgehen bei der Impfung der besonders gefährdeten und damit priorisierten Personengruppen.“

Die Abrechnung insgesamt erfolgt nicht auf Grundlage der Anzahl von Impfungen, sondern auf Grundlage der tatsächlich angefallenen und für den Betrieb des Impfzentrums notwendigen Kosten – nicht nur für das Personal, sondern auch für die Miete der Warsteiner Music Hall.

Bis zu 13 Mal so teuer

Nach Berechnungen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung soll der Piks in einem Impfzentrum 2,7 bis 13 Mal so teuer sein wie in der Praxis. Das wären zwischen 53 und 256 Euro pro Impfung in einem Zentrum.

Doch wie lange braucht man das Impfzentrum noch? Perspektivisch würden die Corona-Schutzimpfungen vollständig in den Praxen stattfinden – genau wie auch jede andere Impfung, sagt Pudlo: „Wann dies jedoch der Fall sein wird und wie lange die Impfzentren noch in Betrieb bleiben, entscheidet nicht die KVWL, sondern das Land NRW als Betreiber der Zentren.“

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle
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