Wer Kinder beim Klauen erwischt, darf sie nicht festhalten

mlzLadendiebstähle

Ein Mann ertappt ein Kind beim Klauen, rennt ihm nach und hält es fest. Nun haben ihn die Eltern angezeigt. Und das Recht ist nicht auf seiner Seite.

Dortmund

, 06.11.2019, 11:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Einen Verbrecher auf frischer Tat zu ertappen, ist eigentlich eine gute Sache. Vor allem, wenn man die Tat dann auch noch verhindern kann. In einem aufsehenerregenden Fall aus Dorsten ist das jedoch nach hinten los gegangen. Einem Mann droht nun ein Strafverfahren, nachdem er ein Kind beim Stehlen festgehalten hat. Auch in Dortmund ist die entsprechende Regelung nicht unproblematisch.

Der Fall in Kürze

Mariusz Kolodziejczyk kauft bei Rossmann ein, als er beobachtet haben will, wie zwei Jungen Spielzeug aus einem Regal heimlich in einen Rucksack packen und damit den Laden verlassen. Beide Jungen sind acht Jahre alt.

Er sei den Jungen nachgelaufen, schildert er später, habe einen von ihnen am Kragen packen können und ihn zum Rossmann zurück gebracht. Das hätte er nicht tun dürfen. Die Eltern des Kindes haben ihn nun wegen Körperverletzung angezeigt.

Kinder sind schuldunfähig

Der sogenannte Jedermanns-Paragraph (127 StPO) erlaubt eigentlich jedem, eine Person, die auf frischer Tat ertappt wurde, vorläufig festzunehmen. Dazu sind auch leichte Körperverletzungen gerechtfertigt. Nur gelte dieser nicht für Minderjährige erklärt Staatsanwalt Henner Kruse. Denn der Paragraph dient der Strafverfolgung - und die ist für schuldunfähige Kinder unter 14 Jahren von vornherein ausgeschlossen.

Diese Auslegung sei allerdings umstritten, betont Kruse. Ein höchstrichterliches Urteil zu diesem Streitpunkt gebe es bisher nicht. Auch erinnert sich der Staatsanwalt an keinen Dortmunder Fall, in dem dieser Punkt mal Thema gewesen wäre.

Problem für Kaufhausdetektive

Ein ständiges Thema ist der Umgang mit klauenden Kindern für Dortmunder Kaufhausdetektive. Sie haben für Festnahmen die gleichen Rechte wie jeder andere Bürger auch. Auch auf sie trifft also zu, was bei Markus Kolodziejczyk zu einer Anzeige geführt hat.

Ein Dortmunder Kaufhausdetektiv sagt, die Aufgabe von Kaufhausdetektiven sei es, die Ware zu sichern. Daher müsse man diese im Zweifelsfall auch Dieben wieder abnehmen dürfen. „Würde man ganz streng nur das tun, was man darf“, sagt er, „könnte man seinen Job nicht machen.“ Auch, weil die Unterscheidung nach Alter sehr schwer sei.

Allerdings hat dieser Kaufhausdetektiv eine eigene Methode gefunden, um solche Konflikte zu vermeiden: „Wenn ich schon im Laden Kinder beobachte, die sich verdächtig verhalten, gehe ich aktiv auf die zu und sagen ihnen, dass ich sie beobachte – dann kommt es oft gar nicht so weit, was ja für alle besser ist.“ Auch habe es bisher keine Konflikte mit Eltern gegeben. Die seien meist froh.

Kinder werden vorgeschickt

Dass auch schuldunfähige Kinder Straftaten begehen, zeigt eine entsprechende Statistik der Polizei Dortmund: 6 Prozent aller Straftaten im Jahr 2018 wurden demnach von Kindern unter 14 Jahren begangen.

Es sei auch bekannt, dass Kinder für Ladendiebstähle vorgeschickt werden, so die Polizei weiter. In Fällen, in denen die Polizei belegen könne, dass zum Beispiel Eltern dafür verantwortlich sind, würden diese wegen Verletzung der Fürsorgepflicht angezeigt. Zudem erhalte das Jugendamt Kenntnis über solche Fälle.

Auch was Privatpersonen tun können, wenn sie eine von Kindern begangene Straftat beobachten, erklärt die Polizei. Sie rät, den Notruf 110 zu wählen und den Standort von Tatverdächtigen durchzugeben. Denn die Polizei sei selbstverständlich dazu berechtigt, auch Kinder anzuhalten, deren Identität festzustellen und gegebenenfalls weitere Schritte einzuleiten – auch um weitere Straftaten zu verhindern.

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