Wer wird Arbeitsdirektor am Klinikum? Neuer Kandidat überrascht Politik

Klinikum Dortmund

Die Suche nach einem neuen Arbeitsdirektor fürs Dortmunder Klinikum hat ein Ende: Nun liegt ein Kandidatenvorschlag auf dem Tisch. Doch von dem wussten die Dortmunder Politiker lange nichts.

Dortmund

, 09.04.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Jens Peick (38), beruflich im OB-Amt zuhause, soll auf Vorschlag der Arbeitnehmer Arbeitsdirektor im Klinikum werden.

Jens Peick (38), beruflich im OB-Amt zuhause, soll auf Vorschlag der Arbeitnehmer Arbeitsdirektor im Klinikum werden. © Dieter Menne Dortmund

Ende September 2019 verabschiedete sich der damalige Arbeitsdirektor am Klinikum, Ortwin Schäfer, in den Ruhestand. Eigentlich sollte die Frage, wer ihm nachfolgt und künftig die Interessen der rund 4300 Beschäftigten in der dreiköpfigen Geschäftsführung des Klinikums vertritt, bis Ende 2019 geregelt sein.

Das Vorschlagsrecht für die Personalie liegt bei den Arbeitnehmern. Vor wenigen Tagen hat sich die von der Gewerkschaft Verdi per Telefonkonferenz organisierte Nominierungsversammlung auf einen Kandidaten geeinigt - und die Ratsfraktionen in Erstaunen versetzt: Jens Peick (38), Referent im Amt des Oberbürgermeisters und stellvertretender SPD-Unterbezirksvorsitzender, soll Arbeitsdirektor im kommunalen Klinikum werden.

Wie Verdi-Geschäftsführer Michael Bürger auf Anfrage bestätigte, seien die Fraktionen vor Kurzem in Kenntnis gesetzt worden. Zu den Gründen, warum die Entscheidung für Peick fiel, wollte sich Bürger nicht äußern. Offenbar wurde die Personalie über Wochen als geheime Kommandosache geführt. „Ich habe davon lange nichts gewusst“, sagte SPD-Fraktionschef Norbert Schilff. Auch CDU-Fraktionschef Ulrich Monegel zeigte sich erstaunt. „Wir hatten noch keine Möglichkeit, die Personalie vertiefend zu beraten“, so Monegel in einer ersten Stellungnahme. „Aber Begeisterungsstürme löst sie nicht aus.“

„Zweifel an charakterlicher Eignung"

Dabei ist der Vorschlag bereits der zweite Anlauf. Noch zu Jahresbeginn hatten die Arbeitnehmervertreter einen anderen Aspiranten ausgeguckt. Damals wurde der Auswahlprozess nicht vom Verdi-Bezirk Westfalen gesteuert, sondern vom Verdi-Landesbezirk in Düsseldorf. Der schickte als Bewerber einen Rechtsanwalt aus dem westlichen Ruhrgebiet ins Rennen. Der Jurist sollte, so der Plan, in der Sondersitzung des Klinikum-Aufsichtsrates am 14. Februar als Arbeitsdirektor bestätigt werden. Dazu kam es aber nicht mehr.

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Zwei Tage vor dem Termin wurde die Sitzung abgesagt. Im Rathaus waren Fragen aufgekommen, offenbar genährt von einem anonymen Schreiben. In dem Brief seien „Zweifel an der charakterlichen Eignung“ des Kandidaten aufgeworfen worden, wie mit den Vorgängen Vertraute berichten. Das Ende vom Lied: Die Kandidatur kam vom Tisch.

Nun also Jens Peick. „Ich würde mich freuen, wenn mir die Gremien ihr Vertrauen aussprechen“, sagte Peick auf Anfrage. Er bat um Verständnis, dass er sich gegenwärtig nicht weiter äußern wolle. Das letzte Wort neben dem 20-köpfigen Aufsichtsrat (AR) und der Gesellschafterversammlung hat der Rat der Stadt. „Vor der Sommerpause wollen wir mit der Personalie durch sein“, sagt AR-Vorsitzende Ulrike Matzanke (SPD). Der Posten des Arbeitsdirektors war zuletzt mit insgesamt rund 215 000 Euro dotiert.

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