Wespen werden in diesem Sommer zur echten Plage für Menschen und Bienen

mlzWespenplage 2019

Schon 2018 war ein Wespenjahr, waren Pflaumenkuchen und Grillkotelett umschwirrt. Auch 2019 werden Wespen zur echten Plage. Während einer speziellen Zeit wird es besonders schlimm.

Dortmund

, 11.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Wenn der Dortmunder Imker Ralf Schmidt in diesen Tagen sein Mailverzeichnis öffnet, brummt es: „Wespennest entfernen“ oder „Wespennest im Rollladenkasten“ steht dort mehrmals täglich in der Betreffzeile. Dazu kommen Anrufe von hilfesuchenden Hausbesitzern, die ihre unwillkommenen Untermieter wieder loswerden wollen.

„Nach dem Wespenjahr 2018 gibt es auch dieses Jahr besonders viele Wespen“, sagt Ralf Schmidt. Viele Wespenköniginnen aus dem letzten Jahr hätten überwintert. Ein Wespennest besteht immer nur für einen Sommer. Im Herbst stirbt das Volk, und nur die begatteten Jungköniginnen überwintern. Deren Entwicklung habe sich aber wegen des kalten Aprils in diesem Jahr verzögert, sagt Schmidt. „Und nach dem warmen Juni sind jetzt die Nester gewachsen“ – zu einer Größe, die den Menschen auffällt.

Hornissen-Nest an der Hauswand

Am Dienstag war Imker Schmidt in Lichtendorf im Einsatz. An der Föhrenstraße gab es ein Hornissen-Nest an der Hauswand im Efeu unterhalb des Briefkastens zu entfernen. Keine leichte Aufgabe; denn Hornissen sind eine besonders aggressive Wespenart, stehen aber unter einem besonderen Artenschutz. Sie dürfen nicht verletzt oder gefangen und ihre Nester nicht zerstört werden. Fünf bis sechs Kilo kann ein Wespennest wiegen.

Je nach Wespenart kann ein Staat aus bis zu 7000 Tieren bestehen Wenn es geht, verstaut Schmidt den Wespenstaat in einer kompostierbaren Plastiktüte und hängt ihn an einen neuen Platz in einem Naturschutzgebiet. Das gehe ganz gut, solange die Wespen genug Platz hätten, um ihr Nest kompakt zu bauen. Schwierig bis fast unmöglich sei es, ein Wespennest heil zu bergen, wenn es in einen Rollladenkasten gebaut sei. Schmidt: „Dann haben sich die Wespen einfach den falschen Wohnplatz ausgesucht.“ In so einem Fall bleibt dem Imker nur, sie mit einem Puder zu vergiften. Die Hornissen in Lichtendorf aber kommen für den Transport in einen Karton.

Wespen rauben Bienen aus

Während die Bienen, wie Wespen Staaten bildende Insekten, als fleißige Immen einen guten Ruf haben, sind Deutsche und Gemeine Wespen, die mit bis zu 33 Stundenkilometern Kurs auf unseren Pflaumenkuchen oder unser Grillkotelett nehmen, zumindest umstritten; denn sie haben es nicht nur auf unsere Teller abgesehen, sondern sie rauben auch gern Bienen aus, vertilgen sie und ihren Nachwuchs.

„Im Unterschied zu Bienen, die Vegetarier sind und sich nur von pflanzlichem Eiweiß ernähren, haben Wespen tierisches Eiweiß als Hauptnahrung und lieben süße Säfte als Treibstoff“, sagt Schmidt. Was für Hobbygärtner interessant sein dürfte: „In der freien Natur fressen Wespen Blattläuse.“

Wespenplage erreicht erst im August/September ihren Höhepunkt

Wenn Wespen – meist schon etwas altersschwache – Bienen fangen, überwältigen sie sie, zwicken sie in der Mitte durch, vertilgen aber nur ihr Muskelfleisch, berichtet der Imker. Auch für Imker sei deshalb ein Wespenjahr lästig.

„Die Imker sind oft Wespenhasser“, sagt Schmidt, „doch ein gesundes Bienenvolk kann sich wehren. Wenn es trotzdem von Wespen überwältigt wird, dann hat in der Regel der Imker etwas falsch gemacht.“ Wenn zum Beispiel das Flugloch in einem Bienenstock zu groß sei und Wespen hineinkönnten, könnten sich die Bienen nur schlecht verteidigen. Manche Imker hängten auch Flaschen auf, um die Wespen einzufangen.

Der Höhepunkt der Wespenplage komme aber erst im August/September, prophezeit Schmidt, „wenn alle Blattläuse aufgefressen sind.“ Erst Mitte September höre die Wespenplage wieder auf. Im letzten Jahr sei er zu einem Wespennest gerufen worden, in dem die Wespen schon die eigenen Kinder gefressen hatten. „Es gab einfach zu viele“, erläutert der Experte, „das ist ein klassisches Beispiel, wie ausgeglichen die Natur ist.“

Wespenplage

Wespen stehen unter Naturschutz

  • Alle Wespenarten in Deutschland und Mitteleuropa stehen nach dem Bundesnaturschutzgesetz wegen ihrer wichtigen biologischen Funktion unter Naturschutz. Sie dürfen nicht mit Absicht gestört, verletzt, umgebracht oder ohne Erlaubnis umgesiedelt werden.
  • Nur im absoluten Notfall ist die Feuerwehr zu kontaktieren, sonst sind Fachkräfte der Naturschutzbehörde, Imker oder zugelassene Schädlingsbekämpfungsunternehmen zuständig.
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