Corona grätscht Fußballverein dazwischen: Drei Monate ohne Jugendarbeit

mlzWestfalia Huckarde

Die Jugend- und Integrationsarbeit steht auf der Agenda von Westfalia Huckarde ganz weit oben. Das Coronavirus wurde für den Verein zu einem großen Problem. Doch Hilfe kommt.

Huckarde

, 24.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dortmunder Vereine leiden unter der Corona-Krise. Ihnen fehlen Einnahmen aus Turnieren, Veranstaltungen und Auftritten. Teils können die Mitglieder, die durch Kurzarbeit und Co. ebenfalls gebeutelt sind, ihre Beiträge nicht mehr bezahlen und kündigen.

Und auch jetzt, da beispielsweise der Trainingsbetrieb in den Sportvereinen wieder startet, ist an Normalität nicht zu denken. Größere Menschenansammlungen und Veranstaltungen sind noch immer verboten.

Die Huckarder Bezirksvertreter haben deshalb bereits im Mai beschlossen, den Vereinen im Stadtbezirk finanziell unter die Arme zu greifen. Zunächst wurden dafür 25.000 Euro zur Verfügung gestellt. Inzwischen ist der Vereinstopf 60.000 Euro schwer.

Westfalia Huckarde hatte Angst vor Abmeldungswelle

Wie die anderen Vereine in Huckarde, die die Unterstützung der Bezirksvertreter in Anspruch genommen haben, bekommt auch Westfalia Huckarde eine Finanzspritze. Weil viele Vereine finanzielle Hilfe benötigen, können Westfalias Verluste über mehr 25.000 Euro, die aus abgesagten Turnieren und fehlenden Einnahmen bei Heimspielen resultieren, nicht komplett ausgeglichen werden.

Etwa ein Drittel bis ein Viertel der Verluste werden durch den Zuschuss der Bezirksvertretung gedeckt. „Das wirkt wie ein Tropfen auf dem heißen Stein“, sagt Lothar Jakob von Westfalia Huckarde. „Aber es ist Geld, mit dem wir nicht gerechnet hätten und für das wir sehr dankbar sind.“

Laufende Kosten hat der Verein seit Mitte März mit den Beiträgen der mehr als 400 Mitglieder finanziert. Stets mit der Angst im Hinterkopf, dass es eine Abmeldungs-Welle geben könnte. „Wir konnten ja nichts bieten und manche Familien haben viele Kinder im Verein, die entsprechend Geld kosten“, sagt Westfalia-Geschäftsführer Uwe Rose.

Doch die Familien hielten zum Verein und freuten sich über den Trainingsbeginn am 9. Juni (Dienstag). Zunächst trainieren nur die Kinder und Jugendlichen ab 8 Jahren sowie die Senioren. „Bei den ganz Kleinen war es aber auch den Eltern sehr recht, noch nicht mit dem Training zu starten“, sagt Uwe Rose.

Über 300 Kinder und Jugendliche sind im Verein

Schließlich seien die Corona-Regelungen bei den Mini-Kickern nur schwierig durchzusetzen. Die Verantwortlichen des Vereins atmen dennoch durch, schließlich sei der Ausfall der Jugend- und Intergrationsarbeit von drei Monaten eine Katastrophe gewesen.

Jetzt lesen

„Unser Verein gehört zu denen mit den größten Jugendabteilungen in Dortmund. Wir haben hier auch einen Erziehungsauftrag“, erklärt Lothar Jakob. „Wer spielen will, muss sich benehmen – das lernen hier selbst die Kleinsten ganz schnell.“

Fußball im Verein zu spielen sei für viele der mehr als 300 Kinder und Jugendlichen aus mehr als 20 unterschiedlichen Nationen nicht nur Spaß. Sie seien Teil einer Gemeinschaft, lernen Respekt und Toleranz. Zudem stehe die Integration ganz oben auf der Agenda von Westfalia Huckarde, so Jakob.

„Wir geben den Kindern hier Kontinuität, die durch Corona massiv unterbrochen wurde“, sagt er. Doch nun sollen das Vereinsleben und der Trainingsbetrieb trotz aller Einschränkungen wieder Fahrt aufnehmen.

Westfalia hat ein neues Vereinsheim

Das Geld der Bezirksvertretung Huckarde werde vor allem in die Jugendarbeit fließen, für die zudem mehr Platz geschaffen wurde. Das Vereinsheim wurde in den vergangenen zwölf Monaten komplett umgebaut.

„Nachdem wir vor circa neun Jahren den Rasenplatz bekommen haben, hat unsere Jugendabteilung einen Boom erlebt und sich mehr als verdreifacht“, erklärt Lothar Jakob. Um allen ausreichend Platz zu bieten, sei eine Erweiterung des Vereinsheims nötig gewesen.

Kann der Jugendbereich also wieder weiter wachsen? Ein bisschen Luft nach oben gebe es noch, so Rose und Jakob.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt
Münsterland Zeitung „Glück Auf“-Rechtsstreit geht weiter
„Das ist eine Sauerei“ – Fronten um Vereins-Gaststätte sind verhärtet