Die Gedenkstelle für den am 12. Juni getöteten 21-Jährigen am Eingang zum Westpark.
Nach Straftaten

Westpark: So verliefen die ersten Tage mit mehr Polizeipräsenz

Ein Toter, Straftaten und dadurch mehr Polizeipräsenz: Der Westpark war zuletzt in den Negativ-Schlagzeilen. Eine Woche nach dem Tod eines jungen Mannes haben wir uns dort umgesehen.

Der Westpark liegt am Samstag (19.6.) eine Woche nach dem Tod eines 21-Jährigen durch einen Schuss aus der Pistole eines Gleichaltrigen in einer brütenden Hitze.

Leichter Wind macht es gerade so erträglich für Hunderte, die auf den Wiesen sitzen. Eine Familie hat einen massiven Holztisch mit passenden Stühlen aufgestellt. Die Aufhebung der Maskenpflicht im Freien ab dem 21.6. haben hier die allermeisten eigenmächtig zwei Tage vorgezogen.

An der Gedenkstelle führt kein Weg vorbei

Es gibt nur eine Sache, die diesen Sommertag im Westpark von den sonstigen unterscheidet. Am Eingang von der Rittershausstraße ist die Gedenkstelle für den am 12. Juni getöteten 21-Jährigen weiter angewachsen. Und damit unübersehbar für jeden, der von dieser Seite aus den Park betritt.

Einige ignorieren die Grabkerzen, Blumen und Karten völlig. Andere werfen kurz einen Blick darauf und reden im Vorbeigehen über die Sache. Zwei Männer Anfang 20, die im Dortmunder Süden wohnen, kommen gegen 20.30 Uhr am Park an. Bisher hatten sie nur gehört, dass Schüsse gefallen waren. Dass jemand gestorben ist, erfahren sie erst jetzt zum ersten Mal.

„Heftig, das ist einer von 100.000, der eine Waffe zieht und dann schießt“, sagt einer von ihnen. Wirklich überrascht wirken sie von dem Vorfall aber nicht. „Es wirkt nach außen so friedlich. Aber das ist hier letzten Sommer auch schon öfter passiert, dass einer ein Messer rausholt“, sagt einer von ihnen.

Es sind genau solche Eindrücke, die bei Polizei und Ordnungsamt in Dortmund zuletzt eine neue Strategie angestoßen hatten. Mit mehr Präsenz und zivilen Kräften soll künftig Konflikten entgegengewirkt werden. Am Freitag und Samstag war das zum ersten Mal der Fall.

Für Freitag sowie für Samstag bis circa 22 Uhr meldete die Dortmunder Polizei keine größeren Einsätze am Westpark. Allerdings gab es eine Auseinandersetzung an der nahegelegenen Möllerbrücke, bei der Waffen im Spiel gewesen sein sollen. Eine Person ist festgenommen worden. Die von einigen befürchtete Atmosphäre der „Überwachung“ aller Aktivitäten im Park war zumindest bei einem Stichproben-Besuch zur „Rush Hour“ nach dem EM-Spiel am Samstagabend nicht zu bemerken. Eine Polizeistreife war am Eingang an der Lange Straße zu sehen, ansonsten war im Park alles wie sonst.

Mobile Sound-Boxen auf den Wiesen

Die Wiesen sind ein Festival der mobilen Sound-Boxen. Diese sorgen in unterschiedlicher Ausführung von der mit einer Autobatterie betriebenen großen Kiste bis zur kleinen Variante am Fahrradlenker alle paar Meter für einen neuen Klang. Eine Kakophonie, die sicherlich auf Dauer für Nachbarn des Parks sehr anstrengend werden kann. In der sich aber alle einig sind – zumindest so lange es noch hell und der Alkoholpegel nicht zu hoch ist.

Auf den Rasenflächen qualmen Shishas und Grills. Die Menschen schwitzen beim Hochhalten oder lassen sich von älteren Spaziergängern beim Trinkspiel „Flunkyball“ zuschauen.

Ein Sommertag, an dem der Schrecken weit weg scheint

Kurzum: Es ist ein Sommertag, wie es schon viele gab in Dortmunds Innenstadt-Park. Inklusive einer Seebrücke-Demo und einem gewonnen Deutschland-Spiel bei der EM übrigens. Ein Tag, an dem der Vorfall aus der der Nacht zum 12. Juni schon wieder weit weg wirkt.

Es sind allerdings auch die glühenden Stunden bevor die Dinge passieren, von denen auch an diesem Wochenende Menschen aus dem Umfeld des Parks berichten. Gruppen, die bis in die frühen Morgenstunden grölend zu Musik unter dem Pilz am Eingang Möllerstraße stehen.

Es wird vermutlich nicht das letzte Wochenende gewesen sein, an dem über den Westpark und das Ereignis von 12. Juni geredet wird. Dafür sorgen auch viele Menschen aus dem Umfeld des Getöteten, die zuletzt mit einem Autokorso an ihren Freund erinnerten und regelmäßig im Park sind.

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Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth

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