Thomas Westphal ist seit vergangenem November der Oberbürgermeister von Dortmund. © Stephan Schuetze
Dortmund vergibt Spitzenjob

Westphal-Nachfolge bei Wirtschaftsförderung: Verfahren sorgt für Ärger

Seit dem Wechsel von Thomas Westphal ins OB-Amt im November 2020 ist die Chefetage der Dortmunder Wirtschaftsförderer verwaist. Wer wird Nachfolger? Das Prozedere hat Verstimmungen ausgelöst.

Bis 18. Dezember 2020 hatten Interessenten Zeit, bei der Stadt ihre Visitenkarte einzureichen. Wie viele Bewerber/innen sich Hoffnungen machen, künftig den Chefesessel bei den Wirtschaftsförderer zu übernehmen, lässt OB Westphal auf Anfrage offen. Dabei hat das Auswahlverfahren, das vorsichtshalber von der Unternehmensberatung Kienbaum begleitet wird, bereits Fahrt aufgenommen.

Die vom Rat der Stadt eingesetzte Findungskommission hat ihre Sitzung hinter sich gebracht. Den Bewerberspiegel bekam die mit zehn Leuten besetzte Runde noch nicht zu Gesicht – aus guten Gründen. Man will das Verfahren rechtlich sauber und geordnet abwickeln. Soll heißen: Erst wird der Kriterienkatalog erstellt, dann das Bewerberfeld gesichtet. Darüber hatte es bereits im Vorfeld erste Scharmützel gegeben.

“Nur durch Zufall davon erfahren”

CDU und Grüne hatten erwartet, dass der Ausschuss für Wirtschaftsförderung vor Beginn der Suche über die Ausschreibung ins Bild gesetzt werden würde. Das ist nicht geschehen. Stattdessen hatte die Verwaltung die Ausschreibung im Einvernehmen mit der Unternehmensberatung Kienbaum rausgegeben und mit einem eigenen Anforderungsprofil unterfüttert. Der Ausschuss habe „nur durch Zufall“ davon erfahren, kritisierte Martina Stackelbeck (Grüne).

Ähnliche Kritik kam von Udo Reppin (CDU). Schließlich werde der Rat auch bei der Besetzung von Dezernentenstellen frühzeitig eingebunden. Der Führungsposten bei der Wirtschaftsförderung sei eine „dezernentenähnliche Stelle“, so Reppin.

Hintergrund: Im Gegensatz zu den klassischen Stadtämtern ist die Wirtschaftsförderung mit knapp 120 Mitarbeitern als Eigenbetrieb organisiert. Anstelle eines Dezernenten gibt es einen Geschäftsführer. Dessen Gehalt? Hinweise finden sich im öffentlich einsehbaren Jahresabschluss 2018: Demnach hat Westphal ein Festgehalt von 140.000 Euro bezogen.

Ein Platz im engsten Führungszirkel

Das Anforderungsprofil ist umfangreich: Neben den üblichen Voraussetzungen (Hochschulstudium, mehrjährige Berufserfahrung) wird erwartet, dass Kandidaten/Kandidatinnen sich als „Impulsgeber“ verstehen und in Strukturpolitik auskennen. Sie müssen wissen, wo Fördertöpfe von Land, Bund und EU stehen. Sie sollen Teamplayer im Zusammenspiel mit OB, Politik und Wirtschaft sein und beispielweise über ein breites Netzwerk in der Wirtschaft verfügen.

Die Ausschreibung macht die Zusage, dass der oder die Neue wie ihre Vorgänger im Verwaltungsvorstand Platz nehmen dürfen, dem engsten Führungszirkel der Stadtverwaltung. Auch das kam bei den Grünen nicht gut an: „Wir hätten uns darüber eine Abstimmung gewünscht“, machte Stackelbeck den neuen Führungsanspruch der Politik deutlich.

Bis März soll die Personalie stehen

Und nun? Die Ausschreibung ist gelaufen, der Anforderungskatalog der Verwaltung hat Bestand. Der Findungskomission bleibt nun vorbehalten, die Kriterien zu verfeinern und zu gewichten. Ob die Mitglieder der Kommission am Freitag, 15.1., erste Bewerbungsunterlagen bekommen, ist von daher offen.

Die komplette Liste wird es ohnehin nicht sein: Wie üblich, werden offenkundig ungeeignete Bewerbungen vorher aussortiert. Das ist wohl auch schon passiert.

Wie OB Westpahl auf Anfrage mitteilen ließ, soll es bald zu Vorstellungsrunden kommen. „Es ist möglich, dass bis zu zehn Gespräche geführt werden“, so Westphal. Die dritte Sitzung der Kommission ist für Freitag, 19.2., anberaumt. „Bis März“ sollen die Würfel gefallen sein, dann muss der Rat der Stadt entscheiden.

Wann der oder die „Neue“ letztlich im Chefbüro Platz nimmt, hängt vom derzeitigen Arbeitsverhältnis und den Kündigungsfristen ab. Bis dahin werden die Wirtschaftsförderer im Verwaltungsvorstand weiter von ihrer kaufmännischen Leiterin Sylvia Tiews vertreten.

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Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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