Ein seinem Garten freut sich Burkhard Dreischer über die Schneedecke. Er ist zuversichtlich, dass die ersten Frühjahrsblumen den Wintereinbruch schon überstehen werden. © Bastian Pietsch
Schnee im April

Wetter-Experte Burkhard Dreischer erklärt den plötzlichen Kälte-Einbruch

Plötzlich fiel Schnee in Dortmund. Obwohl es kurz zuvor Temperaturen jenseits der 25 Grad gab. Wie kommt es zu dem plötzlichen Kälte-Einbruch? Und ist das noch normales April-Wetter?

Die Frühlingsblumen sprießen schon, Menschen sind in kurzer Hose und T-Shirt am See und essen Eis – Tage später bricht das Weiß über Dortmund hinein. Anfang der Woche fielen die Temperaturen plötzlich bis unter 0 Grad. Montag (5.4.) und Dienstag schneite es. Reste der Schneedecke halten sich mancherorts immer noch.

Wie es zu dem beispielhaften April-Wetter kam und ob das so im Rahmen des Normalen ist, kann in der Region einer wohl besser einschätzen als die meisten: Burkhard Dreischer ist nicht nur der Wetter-Experte des Vertrauens von Radio 91.2, er liebt auch den Schnee – wie er selbst sagt. Und führt seit vielen Jahren Buch über das Wetter in Dortmund und der Region.

„Dieses Winter-Wetter ist entstanden, weil in 5000 Metern Höhe von Grönland her -40 Grad kalte Luft eingeströmt ist“, erklärt der Wetter-Experte. Diese sehr kalte Luft ziehe in Schauern in tiefere Luftschichten hinunter und sorge dafür, dass es bis in die Niederungen Schnee gebe.

Luftströmungen bestimmen den Temperatureinbruch

Dabei seien zwei Dinge wichtig. Erstens spiele die Richtung eine Rolle, aus der Luft komme. „Kommt sie aus Süden, ist es halt warm, kommt sie aus Norden, ist sie kalt. Und wenn die Luft ohne lange Strecken über dem Meer zu uns kommt, kann es sogar richtig arktisch werden.“

Zweitens müsse man auf den Luftdruck schauen. „Wir hatten hohen Druck über Skandinavien und tiefen Druck über dem Golf von Genua, also geraten wir in eine Nord-Nordost-Strömung, weil die Luft aus einem Hoch rechts raus fließt. Und das bedeutet halt kaltes Schauerwetter.“

Ganz normales Aprilwetter

Für den April seien die starken Temperaturschwankungen der vergangenen Woche nicht unüblich, erklärt Burkhard Dreischer. „Wir sind in den letzten drei Jahren nur verwöhnt worden.“ Er erinnere sich an das Jahr 1996, in dem er ebenfalls Tulpen im Schnee in seinem Garten gehabt habe.

„Der April ist deshalb so wechselhaft, weil die Sonne höher steht und schon die Luft und den Boden erwärmt. Dadurch entsteht eine starke Quellwolkenbildung. Diese mächtigen Quellwolken bringen Schauer und reißen die Kaltluft runter.“

Allerdings dürfte das Wiederaufleben des Winters von kurzer Dauer sein. „Donnerstag haben wir in Dortmund schon wieder um die 11 Grad und der Schnee ist Geschichte. In den höheren Lagen, wie zum Beispiel Winterberg, wird er aber noch eine Weile bleiben.“

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Redaktion Dortmund
Gut recherchierter Journalismus liegt mir am Herzen. Weil die Welt selten einfacher wird, wenn man sie einfacher darstellt. Um Zusammenhänge zu erklären, setze ich auf klaren Text und visuelles Erzählen – in Videos, Grafiken und was sonst dabei hilft.
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Bastian Pietsch

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