Schluss mit unterirdisch: Der Widey-Bach in Kirchlinde soll an die frische Luft

mlzBach-Renaturierung

Der Widey-Bach in Kirchlinde wird renaturiert. Das ist eine Nachricht, über die sich die Kirchlinder freuen dürfen - doch vorher gibt es noch viele andere Baustellen.

Kirchlinde

, 06.10.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Den Namen Widey kennen die Kirchlinder seit Generationen nur von der Widey-Grundschule und der Widey-Straße. Den namensgebenden Widey-Bach kennt kaum jemand, denn der passiert Kirchlinde unterirdisch in einem Kanal. Wenn die große Wiese in der Siepmann-Siedlung nach starkem Regen unter Wasser steht, kann man die Gegenwart eines Bachlaufes noch erahnen, mehr nicht.

Doch das wird sich ändern. Der Widey-Bach kommt zurück, zurück ans Licht, zurück an die frische Luft. Davor stehen umfangreiche Baumaßnahmen.

Eine Baustelle nach der anderen

Die Offenlegung des Baches wird frühestens 2023 beginnen, denn an der Stelle, an der das Widey-Rohr die Frohlinder Straße unterquert, baut die Lukas-Gesellschaft den neuen Flügel des Kirchlinder Krankenhauses. Weil sich vor allem die provisorischen Parkplätze, die für die Zeit der Baustelle eingerichtet werden, an zwei Stellen über dem Bachlauf befinden, hat die Stadt Dortmund die Renaturierung auf 2023 gelegt. Dann folgt also Baustelle auf Baustelle. Inwieweit während der Bach-Renaturierung einspurige Verkehrsführungen oder gar Sperrungen nötig sind, steht noch nicht fest.

Der Widey-Bach ist zwischen Schotte-Weg und „Am Wemphof“ verrohrt. Im weiteren Verlauf vereinigt er sich mit dem Mühlenbach zum Nette-Bach.

Der fällt in die Zuständigkeit der Emschergenossenschaft, die diesen Bereich renaturieren möchte. Und weil in den Bach noch immer Abwasser geleitet wird, muss dieser erst mal vom Rohr entkoppelt werden.

Eine Kanal-Baustelle im Garten

Dafür gibt es viel zu tun. Nach der Offenlegung in der Grünanlage der Siepmann-Siedlung gibt es für den Bach einen neuen Durchlass unter der Frohlinder Straße, berichtet Stadtsprecher Maximilian Löchter. Auf der anderen Seite der Frohlinder Straße wird der neue Bach offen entlang der Grundstücke an der Westerwickstraße laufen. Die Baustelle wird in den Gärten der Anwohner stattfinden. Das ungepflegte Grundstück neben der Shell-Tankstelle, das für den Krankenhaus-Bau jetzt erst mal ein provisorischer Parkplatz wird, soll dann als Zufahrt zur Bach-Baustelle funktionieren.

Nach diesen rund 300 Metern verschwindet der Widey-Bach ein letztes Mal in der Erde und unterfließt die Straße Am Wemphof, um danach endgültig in die Freiheit entlassen zu werden. Überall dort wo der Bach ein neues Bett bekommt, wird auch der städtische Kanal erneuert.

Kommt die Stadtbahn doch noch?

Die Offenlegung bringt den Kirchlindern nicht nur einen Bach mitten durchs Dorf, das Projekt hat noch eine andere Dimension, auf die Peter Spineux (CDU) aufmerksam macht. „Es gibt ja immer noch den Plan der Stadt Dortmund, eine Stadtbahn von Huckarde durchs Jungferntal bis zum Kichlinder Krankenhaus zu führen.“ Auch für diesen Plan spielt das Grundstück an der Shell-Tankstelle eine besondere Rolle. Das wurde einst von der Stadt als sogenannte Stadtbahnzulauf-Strecke aufgekauft. Die Bahn soll die A45 auf einer Brücke überqueren, das Dorf in einem Tunnel unterfahren, hinter der Shell-Tankstelle wieder zutage treten und dann über das Grundstück und die Frohlinder Straße bis zum Schulzentrum Kirchlinde führen.

Durchkreuzt der Bach nicht diesen Plan? „Nein“, meint Mario Gacek (SPD). Er ist zuversichtlich, dass es zum Stadtbahn-Bau kommt. „Wie sieht der Verkehr der Zukunft aus? Darauf müssen wird vorbereitet sein. Und deshalb ist die Stadtbahn für Kirchlinde immer noch aktuell.“

Für ihn stehen Krankenhaus, Bach und Stadtbahn in einer Linie mit früheren Projekten wie dem Sportpark Bärenbruch, dem Einkaufszentrum und der Neunutzung des Zechengeländes Zollern. „Kirchlinde befindet sich in einem großen Prozess der Neugestaltung“, so Gacek. „Auf das Ergebnis können wir uns eher freuen, als dass wir uns Sorgen wegen der Baustellen machen müssen.“

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