Wie aus einer Idee das „leichteste E-Bike der Welt“ wurde

mlzTU Dortmund

Maschinenbauer Dr. Dennis Freiburg hat seinen Traum erfüllt und das „leichteste E-Bike der Welt“ entworfen. Ob seine technische Innovation den Sprung ins Guinness-Buch der Rekorde schafft?

von Anika Hinz

Barop

, 03.05.2019, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist so leicht, dass man es mit einer Hand tragen kann und so zerbrechlich, dass man besser gar nicht erst damit fährt: das „leichteste E-Bike der Welt“. Nur 6,9 Kilo bringt das Fliegengewicht auf die Waage. Entwickelt wurde es in nur wenigen Monaten von dem Maschinenbauer Dr. Dennis Freiburg, der bei seiner Ideenumsetzung ordentlich Unterstützung von der Technischen Universität Dortmund bekam.

„Das leichteste E-Bike der Welt zu entwickeln, war zwar ein privates Projekt, doch bei der Verwirklichung hat mir die Uni sehr geholfen“, sagt Freiburg, der zuvor sechs Jahre lang am Institut für Spanende Fertigung seine Doktorarbeit schrieb und deshalb bereits Kontakte zur Hochschule hatte. „Unterstützung bekam ich auch von meinem Doktorvater Prof. Dr. Dirk Biermann. Wobei anzumerken ist, dass das E-Bike kein Forschungsprojekt war“, sagt er und fügt hinzu: „Ich bekam deshalb zwar keine finanzielle, aber technische Förderung.“ So stammt etwa die Motoraufnahme des Rads von der TU und auch die Software, die zur Konstruktion der Bauteile nötig war, stammt von dort.

Vom Radfahrer zum Rekordhalter

Dr. Dennis Freiburg ist selbst seit Jahren begeisterter Radfahrer und hat irgendwann den Sprung vom „herkömmlichen“ Rad zum E-Bike gewagt. „Der Wechsel resultierte aus meinen Erfahrungen aus dem Alltag“, sagt er. Jeden Tag sei er mit dem Rad zur Arbeit gefahren. Eine eigentlich angenehme Sache, wäre da nicht der Berg am Ende des Weges gewesen. „Das wollte ich nicht mehr, also bin ich auf elektrischen Antrieb umgestiegen“, so Freiburg.

Wie aus einer Idee das „leichteste E-Bike der Welt“ wurde

So sieht das leichteste E-Rennrad der Welt aus. © TU Dortmund

Doch wie Menschen eben so sind, war auch Freiburg nicht gänzlich zufrieden mit seiner neuen Situation. „Ich wollte es gerne noch leichter haben, also dachte ich über ein Rad mit noch weniger Gewicht nach. “, sagt der Maschinenbauer. Und so entstand am Ende die Idee, dessen Umsetzung Mitte vergangenen Jahres begann. Anfang 2019 war es dann soweit und das E-Rennbike war fertig. Komplett aus Carbon und nur 6,9 Kilogramm schwer - ein echter Rekord.

So soll das „nicht alltagstaugliche“ Bike ins Guinness-Buch

Damit der Rekord auch schwarz auf weiß besteht, hat Freiburg für sein ultraleichtes E-Bike einen Antrag beim Guinness-Buch der Rekorde gestellt. „Das dauert aber noch, denn die Bearbeitung benötigt rund zwölf Wochen. Die stellen Fragen und werten dann aus. Außerdem checken sie, ob es bereits einen Vergleich gibt“, sagt er.

Mit Vergleich meint er einen bereits bestehenden Rekord, in dem Fall also ein E-Bike mit ähnlich niedrigem Gewicht. „Im Internet habe ich Angaben zu einem Bike mit 7,6 Kilo gefunden. Das ist im Guinness-Buch aber nicht aufgeführt, also muss ich jetzt abwarten“, so Freiburg. Maximal acht Wochen Warterei liegen noch vor ihm. Eine lange Zeit, die er aber nicht mit seinem neuen E-Bike überbrücken kann. Denn alltagstauglich sei das Gefährt nicht.

Freiburg gehört zwar die Idee, aber nicht das Resultat

Das Gesetz sieht vor, dass ein E-Bike nur mit 250 Watt betrieben und bis 25 km/h unterstützen darf. „Das ist bei meinem Rad der Fall. Ich könnte, wenn ich wollte, damit auf Deutschlands Straßen fahren“, so Freiburg. Doch so richtig will er nicht, denn das Bike hat einen immens hohen Wert. „Dadurch, dass die Bauteile aus Carbon gefertigt sind, kostet das Rad rund 18.000 Euro. Und es ist nicht sonderlich robust“, sagt er. Ein Sturz und das Rad würde sofort zerbrechen. „Mehr als Eis essen ist nicht drin“, sagt Freiburg.

Wie aus einer Idee das „leichteste E-Bike der Welt“ wurde

Die Bauteile sind komplett aus Carbon. © TU Dortmund

Doch der Grund, weshalb sich der Konstrukteur so große Sorgen um sein Rekordwerk macht, ist nicht etwa der hohe Preis. „Das Bike gehört noch immer der Firma Merida. Die haben das Rad damals gestellt und ich habe nur die Bauteile ersetzt“, so der Konstrukteur. Was in Zukunft mit dem Bike geschehe, stehe in den Sternen. Eine Serienproduktion ist erst mal nicht vorgesehen.

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