„Wie BVB gegen Bayern“: Ungewöhnliches Public Viewing in der Berswordthalle

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Ein ungewöhnliches Public Viewing fand nun in der Berswordthalle statt. Die Fangemeinde blieb klein. Für Eingeweihte gab es bei dieser Weltmeisterschaft durchaus Parallelen zum BVB-Top-Spiel.

Dortmund

, 11.11.2019, 18:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Das war wie Dortmund gegen Bayern“, sagt Dustin Grote: „Die Europäer hatten keine Chance, die Chinesen waren einfach zu stark.“ Mit seinem Bruder Darius (22) hat der 28-jährige Dortmunder am Sonntag beim Public Viewing einen Titelkampf verfolgt: Wer holt den Weltmeister-Pokal im Computerspiel „League Of Legends“?

„E-Sport“, also Wettkampf an Rechner, Maus und Tastatur. Schnelles Denken und flinke Finger, „Reaktionszeit ist alles“, wie Dustin erklärt. „League Of Legends“ wurde schon 2016 monatlich von 100 Millionen Fans gespielt, in der Welt der Gamer genießen Topspieler wie der Däne Rasmus „Caps“ Winther Kultstatus.

60 Enthusiasten

Profiteams werden nicht nur in Asien wie Popstars gefeiert. 20.000 Besucher verfolgten die Weltmeisterschaft vor Ort in der Halle in Paris, Millionen am Bildschirm. In Dortmund kamen immerhin 60 Enthusiasten ins Klubhaus der Berswordthalle, um die Computerschlacht auf Leinwand und Monitoren zu verfolgen.

2:0 liegt das europäische Quintett vom Team G2 schon hinten, als wir kurz vor 16 Uhr das Lokal betreten. An die 30 Besucher haben den Laden bereits wieder verlassen, hören wir. Denen war das Duell offenbar zu einseitig - ein Sieg trennt jetzt nur noch den chinesischen Meister FunPlusPhoenix (FPX) von Titel, Ruhm und 835.000 Dollar Preisgeld.

Gesichter unter Kopfhörern

Wer ausharrte, drückt meist den Jungs vom Team G2 die Daumen, Jankos oder Perkz, wie ihre Kampfnamen lauten. Man sieht ihre Gesichter unterm Kopfhörer, darüber dominiert die Kampfzone das Bild im Fernseher.

Für den Laien und Game-Idioten ist das Schlachtfeld ein einziges Gewimmel und Gewusel aus winzigen Figuren, Geschossbahnen und Explosionen. Allenfalls der Drache ist an seinen Schwingen erkennbar. Wer sich da sonst noch tummelt, welche Power und Fähigkeiten die Charaktere haben - keine Ahnung.

„Die Welt hält den Atem an“

Während der Amateur aus noch mehr Feuerbällen und dem Feuer der Reporterstimme auf spielerische Dramatik schließt, hat das Auge des „League Of Legends“-Fans die analytische Durchdringung, um Situation und Taktik lesen zu können.

Dann geht ein Raunen durchs Dortmunder Lokal, Szenenapplaus, hier und da ein „Boa, äy“, und der Reporter meint: „Paris is enlightend by this kill!“ Die Hauptstadt ist also begeistert, chinesische Fahnenschwenker aus der Halle werden eingeblendet.

Der Groschen fällt

Ein wenig Nachhilfe und Information holen wir uns bei den Grote-Brüdern, als die Niederlage des europäischen G2-Teams besiegelt ist. „Die Jungs waren doch schon beim Picking schlecht aufgestellt“, kommentiert Darius den Ausgang des Duells. „Picking“, schiebt er nach, „meint die Auswahl der Spielcharaktere“. Okay, jetzt fällt bei uns der Groschen.

Wer fragt, lernt noch, dass es bei „League of Legends“ vier Arten von Drachen gibt, jeder mit speziellen Kräften. Dass die Gamer per Maus und Tasten in einem Wimpernschlag sieben Befehle heraushauen, bei Spielen wie „Star Craft“ die Werte für „actions per minute“ aber noch höher sind.

Träume und Realität

Darius und Dustin sind „League“-Spieler der ersten Stunde. „Als das Ding 2009 auf den Markt kam, war ich sofort dabei“, erinnert sich Dustin, der den Bruder anfixte mit seiner Begeisterung. Kaum zwei Wochen danach hatten alle von Darius’ Freunden das Spiel zuhause.

Beide spielen heute noch, Darius gesteht, dass er Phasen hatte, „wo ich mittags aus der Schule kam und sieben Stunden durchgezockt habe.“ Träumerisch habe er sich eine Karriere als Profi ausgemalt. „Spinnerei“ nennt er das heute.

Als zweifacher Vater hat auch Dustin Grote anderes um die Ohren, als ein Gamer-Crack werden zu wollen: „Spaß am Spielen habe ich aber trotzdem noch und ein WM-Finale würde ich mir jederzeit wieder angucken.“

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