Wie Dortmunds Meisterwerke fit für die Reise in die Niederlande gemacht werden

mlzMuseum Ostwall

Dortmunds bekannte Sammlung mit Meisterwerken des Expressionismus ist bald in einer Ausstellung in den Niederlanden zu sehen. Vorher müssen die Bilder aber fit gemacht werden.

Dortmund

, 27.02.2019, 16:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der offene Arbeitsraum von Martina Kerkhoff im Museum Ostwall in der vierten Etage des U-Turms wirkt wie eine Schatzkammer. Bekannte Bilder berühmter Maler lehnen an der Wand „Die Badenden“ von Otto Müller in der einen Ecke, Karl Schmidt-Rottluffs farbenreiches Doppelbildnis in der anderen.

Martina Kerkhoff macht die Bilder aus der Dortmunder Expressionisten-Sammlung fit für die Reise. Denn ab April sind rund 100 Werke aus dem Besitz des Museums Ostwall für gut vier Monate im Museum Singer im niederländischen Laren zu sehen.

Dass sie vorher von Martina Kerkhoff unter die Lupe genommen werden, ist kein Grund zur Sorge. „Die Bilder sind eigentlich in gutem Zustand. Sonst könnte man sie auch gar nicht auf die Reise schicken“, erklärt die Restauratorin.

Wie Dortmunds Meisterwerke fit für die Reise in die Niederlande gemacht werden

© Oliver Schaper

Trotzdem müssen sie natürlich unter die Lupe genommen werden. Sie werden ausgerahmt und begutachtet. Nur ab und an müssen „ein paar Retuschepunkte“ gesetzt werden, erklärt die Expertin. Arbeit machen vor allem die Rahmen, die Martina Kerkhoff aufarbeitet. Mit feinem Pinsel bessert sie Schadstellen aus und verklebt die Rahmen neu.

Alle Bilder müssen aus- und neu eingerahmt werden.

Alle Bilder müssen aus- und neu eingerahmt werden. © Oliver Schaper

Einige Bilder, die bislang noch nicht hinter Glas waren, bekommen auch eine spezielle Verglasung. „Ein speziell entspiegeltes Museumsglas“, erklärt Martina Kerkhoff. Dazu muss natürlich auch der Rahmen angepasst werden.

Wenn nötig, kommen die Bilder hinter Museumsglas.

Wenn nötig, kommen die Bilder hinter Museumsglas. © Oliver Schaper

Welche Werte da durch ihre Hände gehen – darüber denkt Martina Kerkhoff nicht lange nach. „Das darf man sich nicht bewusst machen, sonst könnte man hier nicht arbeiten“, stellt sie fest. Aber entsprechend groß ist natürlich die Vorsicht, mit der die wertvollen Bilder behandelt werden.

Etwa 30 Werke werden von Martina Kerkhoff bearbeitet, die eine Hälfte kommen aus der aktuellen Ausstellung des Museums Ostwall, wo nun eine Lücke an der Wand bleibt, die andere kommt aus dem Depot. Damit hat man dann etwas mehr Arbeit, stellt die Expertin fest.

Besucher des Ostwall-Museums können den Restauratoren in der offenen Werkstatt in der vierten Etage des U-Turms über die Schulter schauen.

Besucher des Ostwall-Museums können den Restauratoren in der offenen Werkstatt in der vierten Etage des U-Turms über die Schulter schauen. © Oliver Schaper

In der Regel zweimal in der Woche arbeitet sie in dem offenen Raum in der vierten Etage des Ostwall-Museums – und lässt sich von Museumsbesuchern über die Schulter schauen. „Viele gucken aber nur“, stellt sie fest. Das sie angesprochen und ausgefragt wird, ist eher selten.

Tauschgeschäft mit den Niederlanden

Anfang April gehen die Bilder dann auf die Reise in die Niederlande. Es ist ein Tauschgeschäft. Denn das Museum Ostwall nutzt die Zeit, um die eigene Dauerausstellung umzubauen – und zeigt in der Umbauzeit Werke aus dem Museum Singer in Laren.

Sie sind vom 11. Mai bis 25. August unter dem Titel „Ein Gefühl von Sommer …“ auf der Ausstellungsebene des Dortmunder U zu sehen. Die Ausstellung mit etwa 120 Werken bietet einen Überblick über die Malerei der niederländischen Moderne, vom Naturalismus der Haager Schule bis zum Amsterdamer Impressionismus.

Regina Selter vom Museum Ostwall – hier vor dem Doppelbildnis von Karl Schmidt Rottluff aus der Dortmunder Sammlung – organisiert den deutsch-niederländischen Bildertausch.

Regina Selter vom Museum Ostwall – hier vor dem Doppelbildnis von Karl Schmidt Rottluff aus der Dortmunder Sammlung – organisiert den deutsch-niederländischen Bildertausch. © Oliver Schaper

„Viele deutsche Künstler hatten damals einen engen Kontakt zu ihren niederländischen Kollegen“, berichtet Regina Selter, die als stellvertretende Direktorin des Museums Ostwall die Ausstellung organisiert. „Es gab ein internationales Netzwerk.“ Trotzdem sind Künstler wie Jacob Maris, Anton Mauve, Evert Pieters, Bart van der Leck oder Jan Sluijters, die in den Niederlanden eine feste Größe sind, in Deutschland weitgehend unbekannt.

Das soll sich bald ändern. „Der Ausstellungstausch“, sagt Regina Selter, „lädt zu einem niederländisch-deutschen Dialog ein.“

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