Manfred Skowron im Foyer des Seniorenwohnsitzes Westholz im Dortmunder Stadtteil Scharnhorst. © Oliver Schaper
Seniorenheim

Wie ein Dortmunder (80) im Corona-Jahr seine Lust am Leben wiederfand

Alle reden über Risikogruppen in Pflegeheimen. Doch wie ging es Menschen, die dort leben, in den vergangenen Monaten? Manfred Skowron (80) erzählt eine Geschichte, die Mut macht.

Hinter Manfred Skowron liegt ein bewegtes Jahr. Ein Jahr, in dem der 80-jährige schon seinen Lebensmut verloren hatte. Ein Jahr, an dessen Ende er sagt: „Ich hänge jetzt mehr am Leben als vorher.“

Die Gesprächssituation, in der er das mitteilt, zeigt deutlich, dass es keine gewöhnliche Zeit ist. Mit dem Haus-Tablet im Seniorenwohnsitz Westholz im Stadtteil Scharnhorst hat Manfred Skowron einen Videoanruf über Whats-App gestartet. Die digitale Kommunikation funktioniert. Das ist nicht das Einzige, was der Dortmunder in diesem Jahr gelernt hat.

Dortmunder zog in der schwersten Krise seines Lebens in das Pflegeheim

Seit November 2019 lebt Manfred Skowron im Pflegeheim. Er kam in der schwersten Krise seines Lebens hierher. Am 24.12.2018 starb seine Ehefrau unerwartet. „Eigentlich dachte ich, dass ich zuerst gehen würde“, sagt der 80-Jährige. Wochenlang hatte er zuvor im Krankenhaus gelegen, weil er Wasser in der Lunge hatte. Zwei Tage vor Weihnachten kam er nach Hause.

An Heiligabend vor zwei Jahren – das Ehepaar hatte gerade die Enkelkinder beschert und zu Abend gegessen – ging es seiner Frau plötzlich schlecht. Der Arzt riet zu einer Schmerztablette und einer Wärmeflasche. Drei Stunden später war sie tot.

Dieses Ereignis zog Manfred Skowron den Boden unter den Füßen weg. „Ich wollte nicht mehr“, sagt er in Erinnerung an die Zeit, in der er sein Zimmer im Seniorenwohnsitz Westholz bezog. Mitten in die Trauer und Verzweiflung kam dann auch noch die Corona-Pandemie.

Doch Manfred Skowron überwand seine anfängliche Verzweiflung. „Das habe ich der guten Betreuung hier zu verdanken. Man hat mich hier aufgebaut“, sagt er. Das Pflegepersonal und viele Bekanntschaften innerhalb der Einrichtung brachten den Lebenswillen zurück.

80-Jähriger findet mitten in der Corona-Krise sein Selbstbewusstsein wieder

Mit fast 80 entdeckte er neue Fähigkeiten. Seit Anfang des Jahres malt der gelernte Maurer fast jeden Tag. Durch die Tablet-Kamera sind einige seiner Werke zu sehen, die mit berechtigtem Stolz in seinem Zimmer aufgehängt hat. Manfred Skowron ist ein älterer Mann mit großem Selbstbewusstsein. „Das habe ich erst hier wiedergefunden.“

Durch die Corona-Krise hat er außerdem eine Leidenschaft wiederentdeckt, die er schon verschüttet glaubte. Der gelernte Maurer baut Weihnachtskrippen.

Sechs Stück sind schon fertig und über die verschiedenen Stationen und Etagen des Seniorenwohnsitzes verteilt. „Die siebte ist gerade in Arbeit.“

Manfred Skowron mit einer seiner selbstgebauten Krippen.
Manfred Skowron mit einer seiner selbstgebauten Krippen. © Seniorenwohnsitz Westholz © Seniorenwohnsitz Westholz

Pflegeheim-Bewohner singen Weihnachtslieder nicht, sie summen sie

Natürlich habe die Corona-Situation viele Abläufe in der Einrichtung verändert. Weihnachten können nicht wie im Vorjahr alle zusammen sein. Weihnachtslieder dürfen nicht gesungen, sondern nur noch gesummt werden. Und die Regeln für Besuch sind streng. Was für den in der Dortmunder Nordstadt geborenen Skowron aber keine große Rolle spielt – zu seinem Sohn er aktuell keinen Kontakt.

„Aber Angst braucht man hier im Haus nicht haben. Hier wird sehr genau auf alles geachtet“, sagt er. Skowron spricht mit sichtlicher Freude über die Dinge, die den Bewohnern die Zeit vertreiben, ob es Bingo, Gedächtnistraining oder Sitztänze sind.

„Das Jahr ist sehr gut gelaufen für mich“, sagt der 80-Jährige und seine Lippen kräuseln sich zu einem Lächeln. Diese Erkenntnis hilft ihm auch, den 24.12. durchzustehen, der trotz der positiven Entwicklung der zurückliegenden zwei Jahre kein einfacher Tag für ihn ist.

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Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth

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