Wie eine Dortmunder Hundetrainerin Rottweilern die Angst nimmt

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Andrea Wibbelt-Fälker ist seit fast 10 Jahren als Hundetrainerin tätig. Die Brackelerin hat schon viele Probleme aus der Welt geschafft – und das nicht nur bei vierbeinigen Klienten.

Brackel

, 10.04.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer wie Andrea Wibbelt-Fälker jahrelang als Hundetrainerin arbeitet, kann einige Anekdoten zum Besten geben. So von dem türkischen Hundebesitzer, der die Hilfe der Brackelerin benötigte, bislang aber immer auf Türkisch mit seinem Vierbeiner kommuniziert hatte.

„Sie müssen mir dann auch die türkischen Kommandos beibringen“, erläuterte Wibbelt-Fälker dem Besitzer. Doch der Mann schüttelte den Kopf: „Sprechen Sie Deutsch mit dem Hund. Der soll voll integriert werden.“

Mit Tieren groß geworden

Doch nicht nur wegen solch netter Ereignisse und des Abwechslungsreichtums liebt die 52-Jährige, zu deren Familie auch die betagten Hündinnen Lonni (16) und Milla (15) zählen, ihren Beruf. Es sind vielmehr die Tiere selbst: „Ich könnte nicht ohne sie leben.“

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Diese besondere Beziehung hat ihren Ursprung schon in der Kindheit der Dortmunderin. „Ich bin mit Tieren groß geworden“, sagt Wibbelt-Fälker und zählt auf: „Katzen, Ziegen, Enten, Meerschweinchen – so ziemlich alles.“ Besonders aber Hunde hatten es ihr von klein auf angetan, wenngleich sie wegen ihrer drei Kinder zwischenzeitlich eine Pause einlegte.

Andrea Wibbelt-Fälker im Einsatz: Dieser Königspudel blickt allerdings noch etwas skeptisch auf die Parcoursstangen. Da hilft nur das richtige Training.

Andrea Wibbelt-Fälker im Einsatz: Dieser Königspudel blickt allerdings noch etwas skeptisch auf die Parcoursstangen. Da hilft nur das richtige Training. © Privat

Als der eigene Nachwuchs aus dem Gröbsten raus war, fragte sich Wibbelt-Fälker, wo die Reise nun hingehen solle – und wandte sich wieder ihren Lieblingstieren zu.

Sie besuchte Seminare und absolvierte 2011 eine Ausbildung zur Hundetrainerin, der eine Weiterbildung zur Verhaltensberaterin folgte. Hausaufgaben sowie praktische und schriftliche Prüfung inklusive.

Seither besucht sie ihre Kunden – von einfachen Leuten bis hin zu Adeligen – mit ihrer mobilen Hundeschule, in der Anti-Aggressions- oder Leinenführ-Training ebenso auf dem Stundenplan stehen wie das Angstproblem-Management und diverse Workshops. Für die kleinsten Klienten beginnt die Betreuung in der Welpengruppe, in der sich nicht selten die ersten Schwierigkeiten offenbaren.

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„Denn manche Leute schaffen sich einen Hund an, weil er gerade modern ist oder chic aussieht“, sagt die Expertin. „Es fehlt ihnen jedoch komplett an Basiswissen.“ Überhaupt beschränke sich ihre Tätigkeit keineswegs auf die Vierbeiner: „In der Regel muss man mehr mit den Menschen arbeiten.“

Drei große Probleme bei den Zweibeinern sind Wibbelt-Fälker in all den Jahren immer wieder begegnet: das Internet, das die Hundehalter mit unterschiedlichsten Ratschlägen verunsichert, das mangelnde Bauchgefühl und nicht zuletzt das fehlende Setzen von Grenzen.

Bei den regelmäßigen Spaziertreffs sind immer 10 bis 15 Hunde mit von der Partie. Und die haben ganz offensichtlich Spaß daran.

Bei den regelmäßigen Spaziertreffs sind immer 10 bis 15 Hunde mit von der Partie. Und die haben ganz offensichtlich Spaß daran. © Privat

„Viele denken, der Hund hat sie nicht mehr lieb, wenn sie ihm solche Grenzen setzen“, sagt die Trainerin. „Doch das stimmt nicht, denn auch Hunde sind soziale Wesen. Wie Menschen brauchen sie gewisse Benimmregeln – dann fühlen sie sich sicher und wohl.“

In ihren Erziehungs- und Beschäftigungsgruppen gehe es trotz der Agility- oder Mantrailing-Angebote aber nie um Pokale und Höchstleistungen: „Denn ein Hund ist kein Sportgerät.“

Vielmehr steht das Miteinander von Zwei- und Vierbeinern im Mittelpunkt, wobei die Körpersprache eine große Rolle spielt: „So wächst schließlich ein Team zusammen.“

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Von einer Vorverurteilung bestimmter Rassen hält die Brackelerin übrigens nichts, „denn wie jeder Mensch, ist auch jeder Hund anders“. Das erfuhr sie bereits bei ihrem ersten Klienten überhaupt, einem stattlichen Rottweiler aus dem Tierheim: „Der hatte solche Angst vor Autos, dass er von seiner Besitzerin hineingetragen werden musste.“

Clicktraining und Leberwurst

Mit dem Clicktraining, bei dem ein Knackgeräusch dem Hund eine Belohnung signalisiert, und dem anschließenden Leckerchen wurde aber auch der Rottweiler letztlich zum Autofahrer, erzählt Wibbelt-Fälker und lacht: „Er hat sich quasi mit Leberwurst an den Wagen herangetastet.“

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