Ein Jahr ist es her, dass in der Warsteiner Music Hall das erste Konzert gelaufen ist. Die Halle hat sich einen Namen in der Konzertlandschaft gemacht. Doch noch ist viel zu tun.

Dortmund

, 14.12.2018, 17:00 Uhr / Lesedauer: 6 min

Als die Hip-Hop-Gruppe SDP am 17. November 2017 das allererste Konzert im einstigen Reserveteillager auf Phoenix-West gespielt hat, war Dortmunds neuer Konzertort eigentlich noch eine Baustelle. Noch Stunden vor dem Konzert installierten Bauarbeiter letzte Technik, Gerüste standen noch immer an den Mauern der Halle, drinnen war der Beton im Anbau noch ziemlich nackt, die Toiletten noch nicht alle installiert.

„Das ist die berühmtberüchtigte Phoenixhalle“, sagen die SDP-Rapper Vincent Stein und Dag-Alexis Kopplin in einem – nicht ganz ernst gemeinten - Video, das sie kurz vor dem Konzert gedreht haben, „und es ist halt immer noch eine Bruchbude.“ Konzert Nummer eins läuft dennoch problemlos ab – die Organisation stimmt ab Tag 1, ebenso wie Akustik und Atmosphäre, schreiben die Ruhr Nachrichten damals.

Jetzt, 13 Monate später, sind die Bauarbeiten noch immer nicht abgeschlossen, es läuft noch längst nicht alles reibungslos und ein Gerichtsverfahren bremst die Betreiber weiterhin, doch trotzdem ist Alex Richter, Geschäftsführer der Phoenix Betriebsgesellschaft und der Konzertagentur Four Artists, optimistisch, was den Erfolg der Halle angeht.

70.000 Besucher in einem Jahr

22 Konzerte sind seit jenem ersten im November 2017 in der Warsteiner Music Hall gespielt worden. Die Fantastischen Vier, Miteigentümer der Halle, haben die Halle im April offiziell eröffnet. Deutsche Künstler wie Wincent Weiss, Joris und Sasha waren schon da, ebenso wie internationale Künstler wie Editors, Flogging Molly und am Freitag (14.12.) Cypress Hill.

Alex Richter schätzt, dass etwa 70.000 Menschen zu den Konzerten gekommen sind, gut 70 Prozent davon waren ausverkauft. „Alle Shows“, sagt er, „haben akustisch hervorragend funktioniert.“ Und ein guter Sound, das weiß Alex Richter, der seit 28 Jahren im Konzertgeschäft unterwegs ist, ist das, woran eine Konzerthalle am Ende gemessen wird. Dortmund, sagt er, habe auf Phoenix-West eine topmoderne Halle mit einer historischen Außenhülle.

Alex Richter ist Geschäftsführer der Phoenix Betriebsgesellschaft, die die Halle betreibt, und der Konzertagentur Four Artists.

Alex Richter ist Geschäftsführer der Phoenix Betriebsgesellschaft, die die Halle betreibt, und der Konzertagentur Four Artists. © Dieter Menne

Die Warsteiner Music Hall aber ist, was viele gar nicht wissen, keine reine Konzerthalle. Sie ist eine Veranstaltungshalle und kann für Events jeglicher Art gemietet werden. 14 Industrie- und Galaveranstaltungen gab’s bislang, unter anderem hatte die Sparkasse Dortmund hier eine große Veranstaltung, zuletzt gab es mehrere Weihnachtsfeiern. „Wir sind sehr stark in diesem Bereich“, sagt Alex Richter.

„Wir haben viele Erfahrungswerte gesammelt“

Das Feedback zur Halle sei bislang durchweg positiv, sagt Richter. Von den Gästen, von den Veranstaltern und Produktionen, von den Künstlern, die hier aufgetreten sind. Nur die Namensänderung von der Phoenixhalle in die Warsteiner Music Hall, die sei „nicht so positiv“ angekommen. Das habe er durchaus wahrgenommen, aber an den Namen werden sich die Dortmunder trotzdem gewöhnen müssen. Mit der Warsteiner Brauerei besteht ein langfristiger Vertrag.

Und sicherlich mussten und müssen er und sein Team diese Halle auch erst selbst noch verstehen. Verstehen, wie der Besucherfluss ist, was die Gäste wünschen. „Wir haben da viele Erfahrungswerte gesammelt“, sagt Richter. So wurden zum Beispiel die Garderoben mehrfach neu arrangiert. In der Halle wurde eine dritte Theke installiert, weil zwei zu wenig waren.

Zusätzlich zu dem Parkplatz, den die Betreiberfirma gekauft hat, hat sie einen zweiten gepachtet, so dass jetzt 500 Parkplätze in unmittelbarer Nähe zur Halle zur Verfügung stehen. Autofahrer zahlen dort 3 Euro.

Vertrag mit DSW21

Ohnehin, der An- und Abreiseverkehr laufe problemlos, sagt Richter. „Wir hatten bislang keine Probleme damit, dass Besucher hier rumkreisen mussten, um einen Parkplatz zu finden“, sagt Alex Richter.

Ob die Besucher eher mit dem Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen würden, hänge komplett vom Konzert ab. Je jünger die Bands, desto eher kämen die Gäste mit Bus und Bahn, sagt Richter. Und, was ihm besonders wichtig ist: In jedem Konzertticket ist auch die An- und Abreise mit dem öffentlichen Nahverkehr enthalten. Dafür habe er einen Vertrag mit DSW21 abgeschlossen. Das sei ein Service, den man als gute Konzerthalle anbieten müsse.

Gerichtsverfahren läuft noch immer

Der Abreiseverkehr und vor allem der dabei entstehende Lärm sind auch der Grund für ein immer noch laufendes Gerichtsverfahren. Ein Anwohner hat gegen die Baugenehmigung der Stadt für die Halle geklagt. Zurzeit gilt eine vom Oberverwaltungsgericht Münster verhängte Regelung, nach der öffentliche Shows um 22 Uhr enden müssen, damit bis 23 Uhr der Lärm durch Fußgängerverkehr nach einem Konzert beendet ist. Die von der Stadt erteilte Genehmigung sah vor, dass Konzerte bis Mitternacht dauern dürfen.

„Ich bin optimistisch, dass wir uns einigen.“
Alex Richter

Eine endgültige Entscheidung gibt es nach wie vor nicht. Laut Stadt gibt es aktuell auch keinen neuen Stand zum Gerichtsverfahren. Alex Richter sagt: „Wir stehen in regem Austausch, auch mit der Nachbarschaft. Wir suchen gerade einvernehmlich nach einer Lösung. Ich bin optimistisch, dass wir uns einigen.“

Für die Veranstalter ist die derzeit geltende Regelung suboptimal. „Es ist ein Wermutstropfen, dass man so früh fertig sein muss“, sagt Christiane Blum von der Konzertagentur Concert Team NRW. Manche Künstler fänden das nicht so toll, etwa DJ Paul Kalkbrenner, der am 8. Februar auf Phoenix-West auftritt und es gewohnt sei, seine Shows sonst erst deutlich später beginnen zu lassen. Die Regelung sei sicher nicht optimal, sagt Alex Richter. Aber sie sei auch keine Bremse bei der Konzertplanung.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

So sieht es in der Warsteiner Music Hall aus

Aus einem ehemaligen Reserveteillager ist eine Konzerthalle geworden: So sieht es hinter den Kulissen der Warsteiner Music Hall aus.
14.12.2018
/
Der große Vorplatz zur Warsteiner Music Hall.© Dieter Menne
Neu trifft auf alt: Die Halle selbst haben die Betreiber weitestgehend so gelassen, wie sie war. In zwei Anbauten sind Garderoben, Toiletten, Backstageräume und Büros untergebracht.© Dieter Menne
Mit der Brauerei Warsteiner haben die Betreiber einen langfristigen Vertrag abgeschlossen. Die Phoenixhalle heißt nun offiziell Warsteiner Music Hall. © Dieter Menne
So sieht der Eingangsbereich aus, den die Besucher als erstes sehen, wenn sie in die Halle kommen. Wenn sie drin sind, dann geht es rechts in die Halle und links zu den Garderoben.© Dieter Menne
Die Garderoben direkt am Eingangsbereich. Durch die großzügigen Fenster geht der Blick nach draußen in den Garten - dort ist zurzeit noch Baustelle. © Dieter Menne
Über Treppen geht's nach unten, dort ist ein weiterer Garderobenbereich für den Fall, dass der obere voll ist.© Dieter Menne
Der untere Garderobenbereich. Von hier geht es in den Garten, wo zurzeit auch der Raucherbereich ist. Geradeaus geht es weiter Richtung Halle. Wer am Ende des Korridors rechts geht, kommt dann bald in den Club, der im März eröffnen soll. © Dieter Menne
Wer unten seine Jacke abgegeben hat, kann über diese Treppen direkt in die Halle gehen.© Dieter Menne
Scheinwerfer leuchten in der Halle die Stahlträger an und tauchen den riesigen Saal so in ein stimmungsvolles Licht.© Dieter Menne
In der Warsteiner Music Hall ist bei einem Konzert Platz für 3600 Besucher.© Dieter Menne
Tageslicht ist in der Halle möglich: Die Vorhänge vor den Fenstern lassen sich problemlos abnehmen. Unter der Decke verlaufen Heizung und Lüftung. Die Decke ist zudem so gestaltet worden, dass der Klang optimal ist und es trotz der Hallengröße nicht hallt. © Dieter Menne
Scheinwerfer illuminieren die alten Backsteinwände.© Dieter Menne
Hinter diesem Vorhang beginnt der Backstagebereich. Links im Bild ist der Aufgang zur Bühne. © Dieter Menne
Über diese Treppen geht's für die Musiker auf die Bühne.© Dieter Menne
Diesen Blick haben die Künstler von der Bühne.© Dieter Menne
So sieht's auf der Bühne aus. Im Hintergrund ist einer von drei Thekenbereichen in der Halle.© Dieter Menne
Im zweiten Anbau, der parallel auf der anderen Seite des Gartens liegt, ist der Backstagebereich. Insgesamt gibt es drei kleine und eine große Garderobe. So sieht eine der kleinen Garderoben aus. © Dieter Menne
Eine weitere Garderobe. Die Einrichtung ist ein Mix aus neu und vintage. Alex Richter hat viele Stücke persönlich ausgesucht.© Dieter Menne
Und das ist die große Garderobe.© Dieter Menne
Im Cateringraum bekommen die Künstler und ihr Team ihre Verpflegung.© Dieter Menne
Die Musiker haben von dem Backstagebereich aus auch den perfekten Blick auf den alten Hochofen auf Phoenix-West.© Dieter Menne

„Es ist noch ein Subventionsgeschäft“

Finanziell trägt sich die Halle nach einem Jahr noch nicht. „Es ist zurzeit noch ein Subventionsgeschäft“, sagt Alex Richter. Er hofft, dass sich das Mitte bis Ende nächsten Jahres ändert.

Dafür soll die Zahl der Konzerte kontinuierlich gesteigert werden. Bislang stehen für 2019 erst neun Konzerte offiziell im Terminplan, sechs im Frühjahr, drei im Herbst. Aber schon im Januar soll es neue Bestätigungen geben, sagt Alex Richter. Üblicherweise würden Konzerte drei bis sechs Monate vorher veröffentlicht. Richter rechnet für 2019 mit 30 bis 35 Konzerten. In zwei bis drei Jahren sollen es dann 40 bis 50 im Jahr sein.

Mehr sei kaum möglich, zum einen, weil der Dortmunder Musikmarkt nicht so stark wie der in Berlin, München oder Köln sei, zum anderen, weil es auch nicht so viele Künstler gebe, die eine Halle mit 3600 Gästen füllen. „Alles unter 2000 Tickets ist ein Fall für das FZW“, sagt Richter.

Keine Konkurrenz zu FZW und Westfalenhalle

Da wolle man auch gar nicht in Konkurrenz treten, mit dem FZW bestehe eine gute Partnerschaft. Und für alles, was darüber liege, sei wiederum die Westfalenhalle besser geeignet. „Wir sind der Zwischenschritt für einen Künstler vom FZW zur Westfalenhalle 1“, sagt Richter. Bislang habe es diesen Zwischenschritt in Dortmund nicht gegeben, Potenzial sei also genug da.

Zumal Künstler, wenn sie sich in einer Stadt einmal ein Publikum erspielt haben, in der Regel gerne wieder herkommen würden. „Konzertkarten werden immer regional verkauft“, sagt Richter. Einige Künstler, wie etwa Kontra K, SDP und Lina haben jetzt schon ihre zweiten Konzerte in der Warsteiner Music Hall geplant. „Das spricht doch für uns, dass die Künstler zurückkommen“, sagt Richter.

„Tourenplan wird nicht mehr an uns vorbeiführen“

Nichtsdestoweniger brauche die Halle einfach noch Zeit, um sich auf den Agenden der Konzertagenturen wiederzufinden, vor allem auf denen von englischen und amerikanischen Bands. Der Großteil der Künstler, die bislang in der Halle auftreten, ist deutsch. „In Zukunft wird der Tourenplan vieler Künstler nicht mehr an uns vorbeiführen“, sagt Richter selbstbewusst.

Die lokalen Agenturen, die sich um Konzerte im Raum Dortmund kümmern, jedenfalls haben die Warsteiner Music Hall auf dem Schirm und äußern sich durchweg positiv über die Halle. „Bis dato läuft die Zusammenarbeit sehr reibungslos“, sagt Ben Mitha, Geschäftsführer der Karsten- Jahnke-Konzertdirektion. „Die Halle füllt genau die Lücke, die es in Dortmund gab“, sagt Christiane Blum von Concert Team NRW.

Offen für alle Musik-Genre

Das sieht auch Viktoria Rosenmüller von Handwerker Promotion so. Sie sagt: „Im Club-Bereich ist die Halle eine zusätzliche Option und in der Größe und Ausstattung ein Angebot, das Dortmund und die Region insgesamt attraktiver macht.“ Das Ambiente der Halle sei toll. Für Handwerker Promotion kämen vor allem Konzerte aus den Bereichen Metal, Rock, Pop, Hip-Hop und R’n’B infrage.

„Die Fantas sind ehrlich begeistert von der Halle.“
Alex Richter

Abgesehen von Trash-Partys und jeglichen Veranstaltungen, die rechte Gesinnungen bedienen, sei die Halle aber für alle Formate offen, sagt Richter. Er könne sich auch Comedy-Veranstaltungen und Klassik-Konzerte vorstellen. „Das können wir hier abbilden“, sagt er. Der Fokus aber, das bestätigt Richter, liege bislang vor allem auf Rock und Pop. Dass in nächster Zeit die Fantastischen Vier nochmal hier auftreten sei nicht wahrscheinlich. „Die Fantas sind ehrlich begeistert von der Halle“, sagt Alex Richter. „Aber sie sind zu groß, um hier zu spielen.“

Club soll im März eröffnen

Ein weiterer Faktor für den Erfolg der Halle, auch den finanziellen, ist der Club im Keller. „Er ist sehr wichtig für die Frequenz“, sagt Richter. Wenn alles nach Plan laufe, soll er im März 2019 eröffnen. Wer der Betreiber ist, sagt Richter nicht. In Clubkreisen aber ist davon die Rede, dass der Betreiber des Berliner Techno-Clubs Tresor eine Dependance auf Phoenix-West eröffnen will.

Neben dem Club will er wohl auch eine hippe, urbane Bar nach Berliner Vorbild eröffnen. Diese soll Open Air im Garten zwischen den beiden Anbauten der Halle installiert werden und nach aktuellem Stand im Sommer 2019 eröffnen. „Es hängt gerade an einigen technischen Abnahmen im Club“, sagt Richter. Von dem Gerichtsverfahren ist der Club nicht betroffen.

Kaum Marketing

Marketing für die Halle findet bislang kaum statt. „Bei der Außendarstellung ist noch ein Weg zu gehen“, sagt Alex Richter. Auch das sei sicher wichtig für den Erfolg.

Und dann gibt es da noch ein paar bauliche Details: Die Anbauten sind noch nicht fertig, die Dämmung der Fassade muss noch gemacht werden. Das zieht sich aber, weil teilweise Fenster falsch eingebaut worden sind. Davon aber bekommen Besucher nur wenig mit.

Lesen Sie jetzt