Wie im Wahn: Mann soll Nachbarn totgeprügelt haben

mlzSchwurgericht Dortmund

Nach einem tödlichen Gewaltexzess in einem Mehrfamilienhaus in Körne steht ein 46-jähriger Ex-Mieter seit Mittwoch vor Gericht – er soll einen Hausnachbarn im Wahn totgeprügelt haben.

Dortmund

, 08.08.2019, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor sechs Monaten soll sich in einem Mehrfamilienhaus in Körne ein brutaler Gewaltexzess ereignet haben – ein bulliger Hausbewohner soll seinen Nachbarn totgeprügelt haben. Seit Mittwoch steht die Freiheit des psychisch kranken Mannes vor dem Dortmunder Schwurgericht auf dem Prüfstand. Es geht um Körperverletzung mit Todesfolge - und um eine zeitlich unbefristete Zwangseinweisung des Beschuldigten in die geschlossene Psychiatrie.

„Erhebliche Wahnvorstellungen“

Es war die Nacht vom 11. auf den 12. Februar, als der offenbar schon seit Jahren psychisch kranke Beschuldigte abermals „erhebliche Wahnvorstellungen“ gehabt und währenddessen in einem Mehrfamilienhaus in der Straße „Am Bertholdshof“ völlig ausgerastet sein soll. Laut Staatsanwaltschaft schlug und trat der 46-Jährige im Wahn wie von Sinnen immer wieder mit voller Wucht auf seinen im Hochparterre lebenden Hausnachbarn ein, sodass der Mann am Ende schwerste innere Verletzungen erlitt.

Neben einem Nasenbeinbruch waren unter anderem zahlreiche Rippen zertrümmert worden. Außerdem entdeckten Rechtsmediziner später zahlreiche Hämatome und Schwellungen im Bereich des Kopfes.

Leberrisse ließen das Opfer innerlich verbluten

Die dramatischste Verletzung waren jedoch Einrisse an der Leber, die letztlich dazu führten, dass das Opfer innerlich verblutet und verstorben ist.

Die Staatsanwaltschaft hat den 46-jährigen Beschuldigten von vornherein als schuldunfähig eingestuft. Hintergrund dafür ist eine seit Jahren verfestigte paranoid-schizophrene Erkrankung. Eine Bestrafung im klassischen Sinne (zum Beispiel eine Gefängnisstrafe) ist in dem sogenannten Sicherungsverfahren vor dem Schwurgericht somit von vornherein ausgeschlossen.

Stattdessen soll geprüft werden, ob der Beschuldigte zum Schutz der Allgemeinheit auf unbestimmte Zeit in eine geschlossene psychiatrische Klinik für Straftäter eingewiesen werden muss. Seit seiner Festnahme ist der 46-Jährige bereits vorläufig dort untergebracht – zunächst in einer Klinik in Lippstadt, jetzt in Dortmund-Aplerbeck.

Schweigen zum Prozessauftakt

Zum Auftakt des Sicherungsverfahrens machte der bullige Beschuldigte erst einmal von seinem Schweigerecht Gebrauch. Teilnahmslos hatte sich der aus der Ukraine stammende Mann zuvor von zwei Wachtmeistern die Handschellen abnehmen lassen und dann neben seinem Verteidiger und einer Dolmetscherin Platz genommen.

Für den Prozess vor dem Schwurgericht sind noch vier weitere Verhandlungstage anberaumt. Mit einem Urteil ist frühestens am 24. September zu rechnen.

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