Digitale Schulen? Das Problem ist nicht die Ausstattung, sagen Schüler

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Wie digital Dortmunds Schulen sind, kommt auch auf die Perspektive an. Wir haben Schüler gefragt, wie sie den Stand der Dinge bewerten - und was sie sich wünschen.

Dortmund

, 05.11.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Leyla Ilayyan fällt sofort ein konkretes Beispiel ein, bei dem ein Lehrer während des Unterrichts bei einem technischen Gerät auf die Hilfe von Schülern angewiesen war. „Die Lehrkraft hatte Probleme, das iPad mit dem digitalen Monitor an der Wand zu verbinden. Danach versuchten wir alle zusammen, eine Verbindung der Geräte herzustellen, aber leider klappte das nicht. Im Anschluss musste die gesamte Unterrichtsstunde neu geplant werden“, berichtet die Schülersprecherin des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums.

Interaktives Whiteboard

  • Ein interaktives Whiteboard – oder auch Active Board oder Smartboard genannt – ist eine interaktive digitale Tafel, die mit einem Computer verbunden ist.
  • Mit Hilfe eines Beamers wird der anzuzeigende Bildschirminhalt auf die weiße Fläche des Whiteboards projiziert. Alternativ kann auch ein großer Monitor zum Einsatz kommen, der eine berührungsempfindliche Oberfläche hat (Touch-Monitor).
  • Daneben dient das Whiteboard in der Regel dazu, den Computer – je nach Modell per Fingerdruck oder mit einem kabellosen Stift – zu steuern.
  • Die Bedienung und das Schreiben erfolgt direkt am Computer oder mithilfe von Eingabegeräten wie Grafiktablets.

Computer, Smartboards, Smartphones: Alle diese Geräte bestimmen unseren Alltag. Aber in der Schule kommen sie bisher eher wenig vor - oder ist das nur ein Vorurteil? „Wir haben zwar Smartboards (Erklärung siehe Kasten) an unserer Schule, aber die werden eher wenig genutzt. Ich wünsche mir, dass sie mehr im Unterricht zum Einsatz kommen - genauso wie Laptops“, sagt die 17-Jährige Leyla Ilayyan.

„Meine Schule treibt die Digitalisierung voran“

Tristan Schöning, stellvertretender Schülersprecher am Robert-Bosch-Berufskolleg, zeichnet da ein etwas anderes Bild. „In vielen Fächern werden bei uns Active Boards genutzt. Auch Dokumentenkameras kommen häufig zum Einsatz“, erzählt der 24-Jährige, der gerade eine dreijährige Ausbildung zum Medizintechnischen Assistent absolviert und ergänzt: „Die Schule ist sehr gut ausgestattet mit technischen Geräten und treibt die Digitalisierung voran. Ich denke, dass meine Schule zu den technisch fortgeschrittenen Schulen in Dortmund gehört.“

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Zu Einsatz und Ausstattung von technischen Geräten ergibt sich damit ein unterschiedliches Bild von zwei Dortmunder Schülern. Für Merle Bösing, Schülersprecherin der Geschwister Scholl-Gesamtschule, liegt das Problem bei der Digitalisierung in der Schule ganz woanders. „Die Technik ist da, aber der Umgang ist noch ausbaufähig. Vielen Lehrkräfte fehlen noch die entsprechenden Kenntnisse. Ich denke, es werden zu wenige Weiterbildungen in Sachen Medienkompetenz angeboten.“

„Es geht nicht, dass Lehrer sich in ihrer Freizeit weiterbilden“

Die 18-Jährige, die auch im Vorstand der Bezirksschülervertretung ist, findet, dass der Unterschied in den Kenntnissen der Medienkompetenz bei den Lehrkräften sehr groß ist. Sie wünscht sich eine zentrale Stelle, die sich um die technische Weiterbildung von Lehrkräften kümmert. „Ich habe von einigen Lehrkräften gehört, die sich in der Zeit des Lockdowns in ihrer Freizeit selbst weiterbilden mussten. Das geht nicht.“

Während des Lockdowns zu Beginn der Corona-Pandemie saßen alle Schüler zu Hause und durften nicht zur Schule gehen. Dies führte zwangsweise dazu, dass sich die Lehrkräfte digitale Angebote und Aufgaben überlegen mussten, um ihre Schüler zu erreichen. Doch wie wurde das in den einzelnen Bildungseinrichtungen umgesetzt?

„Während der Zeit des Fernunterrichts haben wir Aufgaben bekommen, die in unserem Lernportal zur Verfügung gestellt worden. Eine Videokonferenz per Zoom gab es nur ein Mal. Falls es für uns nochmal Distanzunterricht geben sollte, wünsche ich mir deswegen mehr Video-Unterricht“, sagt Tristan Schöning vom Robert-Bosch-Berufskolleg.

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Auch bei Merle Bösing wurde das ähnlich geregelt. Einmal in der Woche kam jeder Kurs in einer Videokonferenz zusammen, um sich austauschen. Für die Zukunft würde es die 18-Jährige gut finden, dass man öfter die Möglichkeit hat, Nachfragen zu stellen.

„Social Media sollte im Unterricht eine größere Rolle spielen“

Leyla Ilayyan wünscht sich für das Käthe-Kollwitz-Gymnasium mehr Einheitlichkeit. „Die Lehrer regelten die Zeit des Fernunterrichts ganz unterschiedlich. Das führte dazu, dass wir an einigen Tagen sehr viele Aufgaben hatten, an anderen aber nur wenige.“ Die Schule ist aktuell dabei, ein übereinstimmendes Konzept für den Fernunterricht für alle Lehrkräfte zu erstellen.

Eine Sache, die alle drei Schülervertreter ansprechen, ist die geringe BEdeutung von Social Media in den Unterrichtsstunden. Facebook, Youtube, Twitter und Co. spielen in den einzelnen Fächern kaum eine Rolle. An der Geschwister-Scholl-Gesamtschule etwa würden zwar hin und wieder Youtube-Lernvideos gezeigt, aber mehr passiere auch nicht: „Ich denke, zur Einschätzung, was seriöse Quellen sind und wie man Beiträge in den sozialen Netzwerken bewertet, wäre es schön, dieses Thema deutlich mehr im Unterricht einzubinden“, findet Bezirksschülervertreterin Merle Bösing.

Smartphone sollte Teil des Schul-Alltags werden

Auch Leyla Ilayyan findet, dass glaubwürdige Internet-Quellen und deren Beurteilung ein wichtiger Schwerpunkt sein sollten - gerade für jüngere Klassen. „In meinem Alter erwarte ich von den Schülern, dass sie Social Media auch kritisch hinterfragen.“ Und das will natürlich auch gelernt sein.

Im Zusammenhang mit digitalen Methoden und technischen Geräten wünscht sich Tristan Schöning, dass an seiner Schule die Smartphone-Nutzung anerkannt wird und schlichtweg zum Unterricht dazu gehört. „Das Googeln von Begriffen, oder das Suchen von Vokabeln sollte schnell mit dem Handy möglich sein. Zwar wurde bei uns der Umgang schon gelockert, aber noch nicht alle Lehrer erlauben dies.“

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SIND UNSERE SCHULEN DIGITAL?

Die Corona-Pandemie wird oft als Beschleuniger der Digitalisierung beschrieben. In dieser Serie beschäftigen wir uns mit dem Stand der Digitalisierung in Dortmunds Bildungseinrichtungen in zahlreichen Facetten - vom persönlichen Erleben von Lehrern und Schülern und Eltern bis zu übergreifenden Themen wie Ausstattung und Fördermitteln.
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