Wie viele Bankfilialen sind aus Dortmund verschwunden? Und welche?

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Die Sparkasse Dortmund hat jüngst 14 weitere Bankfilialen aufgegeben. Seit Jahren schrumpft das Filialnetz der großen Banken in der Stadt - wie stark, zeigen wir in mehreren Karten.

Dortmund

, 19.10.2020, 11:17 Uhr / Lesedauer: 6 min

Eine fortschreitende Automatisierung (Geldautomaten, Kontoauszugsdrucker etc.) und Digitalisierung (Online-Banking) der Bankgeschäfte sowie eine anhaltende Niedrigzinsphase haben in den vergangenen zehn Jahren dazu geführt, dass die großen Banken in Dortmund ihr Filialnetz deutlich verkleinert haben.

Gerade hat die Sparkasse Dortmund weitere 14 Filialen, die zunächst nur infolge der Corona-Pandemie geschlossen worden waren, endgültig aufgegeben. Ähnlich war im Sommer die Commerzbank mit drei ihrer Dortmunder Filialen verfahren.

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Die Sparkasse Dortmund und die Dortmunder Volksbank haben bereits vor Jahren damit begonnen, ihr Beratungsangebot in den Stadtteilen zu reduzieren, sind aber dennoch in der Fläche vertreten.

Die Deutsche Bank hingegen verfügte in Dortmund 2010 noch über sieben Filialstandorte. Heute ist sie - abgesehen von drei Selbstbedienungsstellen - nur noch mit der Hauptfiliale an der Betenstraße in Dortmund vertreten.

Online-Banking: Auch ältere Kunden ohne Berührungsängste

„Das Kundenverhalten hat sich stark verändert. Alltägliche Bankservicegeschäfte erledigen Kunden häufig eigenständig online und mobil. Dazu gehören auch unsere älteren Kunden, die zum überwiegenden Teil keine Berührungsängste mit der Technik zeigen.

Eine aktuelle Studie bekräftigt diesen Trend: 76 Prozent der Befragten wollen auch nach der Corona-Krise ihre Bankgeschäfte im Internet erledigen“, sagt Klaus Steenweg, Bereichsleiter im Vorstandsstab der Sparkasse Dortmund.

„Für die persönliche und qualifizierte Beratung“, so Steenweg weiter, „bei der es um komplexe Themen wie Baufinanzierung und Altersvorsorge geht, orientieren sich unsere Kunden zu den größeren Standorten hin.

Der Ausbau des Online-Angebotes sowie die Intensivierung der Beratung und Kompetenz an den großen Beratungs-Centern sind die Antworten der Sparkasse Dortmund auf diese Entwicklung.“

Die Sparkasse zählt in Dortmund rund 310.000 Privat- und rund 20.000 Firmenkunden. Diesen eigenen Angaben zufolge ist sie mit Abstand die größte Bank in Dortmund. Informationen und Kontakte für die Kunden gibt es unter Tel. (0231) 183-0 und im Internet unter: www.sparkasse-dortmund.de

Das Filialnetz der Sparkasse Dortmund

37 mit Mitarbeitern besetzte Filialen, in denen Beratungen bzw. terminierte Beratungen stattfinden, unterhielt die Sparkasse Dortmund bis zum Beginn der Corona-Pandemie. Nachdem nun 14 davon dauerhaft geschlossen bleiben, gibt es noch 23 Sparkassen-Filialen in Dortmund. 2010 waren es 53 Filialen. Die folgenden 9 davon wurden bereits 2016 aufgegeben (in der Karte oben grau markiert):

  • der Standort im Messezentrum der Westfalenhallen,
  • Barop (Stockumer Straße 220),
  • Brünninghausen (Fritz-Kahl-Straße 32),
  • Dorstfeld,
  • Hörde-Süd (Wellinghofer Straße 54),
  • Schützenstraße 93,
  • Schüren (Gevelsbergstraße 30),
  • Sölde (Sölder Straße 93),
  • Wambel (Wambeler Hellweg 117-119).

In den Jahren danach wurden folgende Zweigstellen für den Kundenverkehr geschlossen (ebenfalls grau markiert):

  • Bövinghausen (Provinzialstraße 395),
  • Holzen (Vorhölterstraße 17-19),
  • Lortzingplatz (Lortzingstraße 49),
  • Marten (Schulte-Heuthaus-Straße 52-54),
  • Dorstfeld, Dorstfelder Hellweg 25-27,
  • Scharnhorst (Gleiwitzstraße 99)
  • Westfalendamm 268.

Es verblieben noch 37 Sparkassen-Filialen, von denen nun 14, die corona-bedingt bereits geschlossen waren, nun dauerhaft geschlossen bleiben. An diesen Standorten gibt es weiterhin aber Geldautomaten und Selbstbedienungsterminals. Es sind diese 14 einstigen Filialen (rot markiert):

  • Asseln, Asselner Hellweg 132
  • Collegium Augustinum, Kirchhörder Straße 101 (Nebenstelle)
  • Berghofen, Berghofer Straße 147
  • Betenstraße, Betenstraße 7
  • Brechten, Brambauerstraße 7
  • Eichlinghofen, Stockumer Straße 425 - 427
  • Husen-Kurl, Kühlkamp 2-4
  • Lanstrop, Färberstraße 23
  • Lichtendorf-Sölderholz, Nelkenstraße 11
  • Oespel, Auf der Linnert 22-24
  • Unionviertel, Rheinische Straße 46
  • Universität, Vogelpothsweg 74
  • Wellinghofen, Preinstraße 92
  • Westerfilde, Westerfilder Straße 15

Heute gibt es mit der Hauptstelle am Freistuhl 2 folgende 23 Sparkassen-Filialen (die Sparkasse spricht von 19 Beratungs-Centern und vier größeren Filialen, in der Karte oben sind sie blau markiert):

  • Aplerbeck, Köln-Berliner-Straße 18
  • Borsigplatz, Oesterholzstraße 32
  • Brackel, Brackeler Hellweg 161
  • Dorstfeld, Spickufer 1
  • Eving, Evinger Straße 194
  • Gneisenau, Altenderner Straße 20
  • Höchsten, Wittbräucker Straße 401
  • Hombruch, Harkortstraße 58
  • Hörde, Hermannstraße 4-6
  • Huckarde, Rahmer Straße 15
  • Kaiserstraße, Kaiserstraße 78
  • Kirchhörde, Hagener Straße 311
  • Kirchlinde, Rahmer Straße 387
  • Körne, Körner Hellweg 91-93
  • Kreuzviertel, Hohe Straße 54 a/b
  • Lütgendortmund, Werner Straße 9
  • Märkische Straße, Märkische Straße 126-128
  • Mengede, Am Amtshaus 12
  • Möllerbrücke, Lindemannstraße 2
  • Münsterstraße, Münsterstraße 55
  • Scharnhorst, Gleiwitzstraße 277
  • Wickede, Wickeder Hellweg 9
  • Hauptstelle am Freistuhl 2

Das Filialnetz der Dortmunder Volksbank

Auch die Dortmunder Volksbank, die in Dortmund rund 100.000 Privat- und Geschäftskunden betreut, hat ihre Filialarchitektur in den vergangenen Jahren immer wieder dem geänderten Kundenverhalten angepasst.

„Überweisungen vom Sofa mit dem Smartphone zu tätigen oder den Kontostand mit dem Laptop zu überprüfen gehört heute längst zum Alltag. Denn Fakt ist: Im Schnitt besuchen die Kundinnen und Kunden die Filialen nur noch einmal im Jahr“, sagt Martin Eul, Vorstandsvorsitzender der Dortmunder Volksbank.

Martin Eul von der Dortmunder Volksbank

Martin Eul, Vorstandsvorsitzender der Dortmunder Volksbank, kündigte bereits 2015 mit Blick auf die Niedrigzinsen an, dass es wohl Einsparungen in der „Filialarchitektur“ geben müsse. Und er sagte damals auch: 90 Prozent der Bankkunden hielten die Filiale zwar nach wie vor für wichtig, sie werde allerdings nur noch von 50 Prozent der Kunden genutzt. © Volksbank/Jan Heinze

Das hat Folgen. Im Jahr 2016 wurden acht, im Jahr 2017 neun und im Jahr 2019 sieben Filialen – in teilweise komplett neu gestalteten und modernisierten Räumlichkeiten – zusammengelegt.

Seit 2016 hat die Volksbank von einst 39 Filialstandorten die folgenden 21 geschlossen (in der Karte rot markiert):

  • Berghofen, Berghofer Straße 155
  • Clarenberg, Alte Benninghofer Straße 32
  • Holzen, Heideweg 42
  • Brünninghausen, Hagener Straße 38
  • Derne, Altenderner Straße 39
  • Saarlandstraße, Chemnitzer Straße 65
  • Münsterstraße 121
  • Rheinische Straße 56
  • Marten, In der Meile 2
  • Barop, Stockumer Straße 231
  • Eichlinghofen, Stockumer Straße 441
  • Brechten, Brambauer Straße 5
  • Kaiserstraße 52,
  • Gartenstadt, Westfalendamm 289
  • Oberdorstfeld, Wittener Straße 273
  • Möllerbrücke, Kleine Beurhausstraße 12
  • Wambel, Rüschebrinkstraße 16
  • Wickede, Wickeder Hellweg 114
  • Sölde, Sölder Straße 99
  • Lanstrop, Steinhofstraße 1
  • Alt-Scharnhorst, Friedrich-Hölscher-Straße 377

Heute sind Volksbank-Mitarbeiter noch an folgenden 17 Standorten anzutreffen (in der Karte blau markiert):

  • Aplerbeck, Köln-Berliner-Straße 21a
  • Hombruch, Harkortstraße 40
  • Wellinghofen, Wellinghofer Amtsstraße 17
  • Kirchhörde, Hagener Straße 250
  • Höchsten, Höchstener Straße 2a
  • Lichtendorf, Eichholzstraße 36
  • Hörde, Am Stift 4-6
  • Brambauer, Waltroper Straße 7
  • Brackel, Brackeler Hellweg 114
  • Dorstfeld, Wilhelmplatz 3
  • Eving, Evinger Straße 191
  • Körne, Körner Hellweg 88
  • Vinckeplatz 1,
  • Scharnhorst, Mackenrothweg 6
  • Asseln, Asselner Hellweg 128
  • Husen, Husener Straße 52
  • Hauptstelle Betenstraße 10.

Und auch, wenn sich die Anzahl auf aktuell 17 verringert habe, betont man seitens der Dortmunder Volksbank, dass man in der Fläche „sehr gut aufgestellt“ und von Aplerbeck bis Dorstfeld und von Scharnhorst bis zum Höchsten vertreten sei.

„Die Anpassung des Filialnetzes ist ein dynamischer Prozess. Bei diesem Prozess ist es uns wichtig, Kundenfrequenz, Kosten, Nutzen und natürlich die Nähe zum Kunden in einen vernünftigen und wirtschaftlichen Einklang zu bringen“, erklärt Volksbank-Chef Martin Eul.

Den Wünschen der Kundinnen und Kunden wurde mit dem Ausbau des digitalen Services Rechnung getragen, indem dieser stetig ausgebaut und die telefonische Erreichbarkeit erweitert wurde.

„Sie haben die Möglichkeit, ihre täglichen Bankgeschäfte über unseren Kundenservice unter der Telefonnummer 0800 4444 454 zu erledigen. Hier können sicher und schnell zum Beispiel Überweisungen vorgenommen, Kontostände abgefragt oder Beratungstermine vereinbart werden“, so Eul abschließend.

Die Filialen der Commerzbank

Die Commerzbank betreut in Dortmund aktuell 115.000 Privat- und Unternehmerkunden. Die Bank hatte 2012 stadtweit noch 8 Filialen:

  • Hauptstelle am Hansaplatz,
  • Brackel, Brackeler Hellweg 136
  • Mengede, Mengeder Markt 1
  • Münsterstraße 105
  • Hombruch, Harkortstraße 63
  • Hörde, Hermannstraße 37
  • Aplerbeck, Aplerbecker Marktplatz 6
  • Kampstraße 47

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Stand heute sind es 4 Filialen: der Standort an der Kampstraße wurde bereits vor einiger Zeit aufgegeben. Die Filialen Hombruch (Harkortstraße 63), Mengede (Mengeder Markt 1) und Münsterstraße 105 waren seit Mitte März wegen der Corona-Krise für den persönlichen Kundenverkehr bereits geschlossen, hier waren die Berater telefonisch und per E-Mail für die Kunden erreichbar. Sie wurden in diesem Sommer mit der Hauptstelle am Hansaplatz zusammengelegt.

Bleiben also letztlich noch diese 4 Commerzbank-Standorte in Dortmund (in der Karte blau markiert):

  • Hauptstelle am Hansaplatz,
  • Brackel, Brackeler Hellweg 136,
  • Hörde, Hermannstraße 37,
  • Aplerbeck, Aplerbecker Marktplatz 6.

Schon vor der und insbesondere in der Corona-Krise sind Kunden der umliegenden Filialen zu beratungsintensiveren Themen wie Baufinanzierung, Vorsorge und Geldanlage von den jeweiligen Spezialisten am Hansaplatz beraten worden.

„Hier stehen alle Ansprechpartner an einem Ort zur Verfügung, da kann bei Bedarf mal spontan ein Kollege zum Gespräch hinzugezogen werden, wenn es komplexere Problemstellungen gibt“, erläutert Christian Erber, Niederlassungsleiter für Privat- und Unternehmerkunden.

„Das Zahlungsverhalten hat sich innerhalb der letzten Jahre erheblich verändert“, sagt Christian Erber. So habe sich bei der Commerzbank seit 2015 die Zahl der beleghaften Überweisungen halbiert – 90 Prozent aller Überweisungen werden inzwischen digital getätigt -, die Zahl der Handyüberweisungen habe sich in den letzten drei Jahren verzehnfacht.

Allein im vergangenen Jahr wurden 43 Prozent aller Konten der Commerzbank online eröffnet und die Banking App wurde mehr als 1 Million mal täglich aufgerufen. „Dieser Trend wurde durch die Corona-Krise erheblich verstärkt. Viele Kunden, die vorher skeptisch waren, haben sich in den letzten Monaten für das Online- und Mobile Banking entschieden“, erklärt der Privat- und Unternehmerkundenchef.

„Ein Argument dafür ist auch die Commerzbank-Sicherheitsgarantie, die Kunden vor Schäden schützt. Auch ältere Menschen haben, aus Sorge um Ansteckung und um Anfahrtswege zu sparen, vermehrt digitale Wege genutzt, um ihre Bankgeschäfte zu erledigen.“ Dass nur Jüngere die digitalen Medien nutzten, sei ein Vorurteil, betont Christian Erber.

Seit der Corona-Krise greifen 49 Prozent der Bankkunden in Nordrhein-Westfalen häufiger zu Girocard oder Kreditkarte als vor der Krise. 30 Prozent verzichten vermehrt darauf, die Karte ins Lesegerät zu schieben und bezahlen kontaktlos mit dem Smartphone oder der Fitnessuhr. Das ergab eine von der Commerzbank beauftragte Umfrage.

„Inzwischen kann man an immer mehr Stellen mit der Karte bezahlen. Zudem gibt es z. B. bei Shell-Tankstellen und einigen Geschäften kostenloses Bargeld. Das ist eine Entwicklung, die wir sehr positiv sehen“, so Erber. „Unsere Kundenstrategie ist digital und persönlich. Selbstverständlich wird es weiterhin hier in Dortmund Filialen und persönliche Beratung geben.“

Die Deutsche Bank: geblieben ist nur die Hauptstelle

Auch die Deutsche Bank, die in Dortmund rund 46.000 Privat- und Firmenkunden hat, beobachtet seit Jahren deutlich veränderte Kundenwünsche. „Bei der Abwicklung ihrer täglichen Bankgeschäfte möchten die Kunden zeitlich und räumlich unabhängig von Öffnungszeiten und Verfügbarkeiten von Bankfilialen sein. Dementsprechend haben wir auch in Dortmund schrittweise unsere Online- und Telefonbanking-Angebote ausgebaut“, sagt ein Unternehmenssprecher.

Damit einhergehend sei es für die Kunden immer weniger erforderlich, eine Bankfiliale zu besuchen. „Für Dortmund heißt das, dass wir in den letzten zehn Jahren kleinere Stellen im Stadtgebiet mit unserer Hauptfiliale an der Betenstrasse zusammengelegt haben“, so der Sprecher.

In Zahlen: die Deutsche Bank hatte 2010 sieben Filialstandorte im Stadtgebiet. 2017 waren es noch fünf, von denen die folgenden vier zum 31. März 2020 für den Kundenverkehr geschlossen wurden (in der Grafik rot markiert):

  • Aplerbeck (Köln-Berliner-Straße),
  • Hombruch (Harkortstraße),
  • Lütgendortmund (Limbecker Straße),
  • Eving (Evinger Straße).

Es blieb nur die Hauptstelle als einzige Deutsche-Bank-Filiale in Dortmund (blau markiert) bestehen.

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