Talk zum Coronavirus

Wie werde ich schnell geimpft? Experten sagen, worauf es jetzt ankommt

Wer komplett gegen Covid-19 geimpft ist, profitiert von Lockerungen. Doch wie komme ich schnell an eine Impfung? Was sind die Risiken? Experten antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema.
"Impfen, impfen, impfen", fordern Experten, doch wie komme ich schnell an den begehrten Piks? Eine Antwort auf diese Frage gab unser Live-Talk. © Jens Ostrowski

Der Impfstoff von Johnson und Johnson oder das vieldiskutierte Astrazeneca: Für beide Vakzine ist die Priorisierung aufgehoben, der Zugang zur begehrten Impfung leichter geworden. Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren fallen für Geimpfte und Genesene. Reisen scheint möglich. Aber ist es wirklich so einfach? In unserer Gesprächsreihe „Wir müssen reden“ dieser Zeitung haben der Immunologe, Professor Dr. Carsten Watzl, und die Ahauser Augenchirurgin, Dr. Stefanie Schmickler, wichtige Fragen beantwortet. Fragen mitten aus dem Leben der Leserinnen und Leser, die Moderator Ulrich Breulmann an die Experten weitergab.

Die wohl dringlichste Frage war die nach dem zeitlichen Abstand zwischen der ersten und der zweiten Impfung. Die Freiheiten locken, und da wäre es vielleicht sinnvoll, früher eine zweite Spritze zu erhalten, um als durchgeimpft zu gelten. Eine Überlegung, vor der beide Experten eindringlich warnten: „Die Verkürzung ist eine politische Entscheidung, um den Leuten eine Perspektive zu bieten, dass sie im Sommer schon fertig sein könnten“, so Watzl, der den Fachbereich Immunologie am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund leitet. „Bei vier Wochen leidet der Impfschutz“, sagt der Immunologe. Auch Augenchirurgin Schmickler, die bislang selbst in ihrer Freizeit 1200 Impfungen durchgeführt hat, empfahl, elf bis zwölf Wochen lang zu warten: „Man darf früher eine Zweitimpfung bekommen, ist dann aber nicht mehr so gut geschützt.“

Mit welchem Alter kann ich Astrazenecea bekommen?

Astrazeneca ist nun für alle freigegeben, die Ständige Impfkommission (Siko) empfiehlt den Stoff allerdings für Menschen ab 60 Jahren. Die Frage eines 30-Jährigen an die Experten: Darf ich den Stoff bekommen und wer haftet, wenn ich Probleme bekomme? Man müsse das Risiko eines schweren Verlaufs einer Covid-Erkrankung mit den Nebenwirkungen abwägen, so Watzl. Habe ich eine Vorerkrankung? Habe ich viel Kontakt zu anderen? Dann wäre eine Impfung sinnvoll. Und weil die Politik den Impfstoff freigegeben habe, sei der Staat auch in der Haftung, sollte was schief laufen, meint Watzl. Sein Rat: Ab 35 Jahren könne man sich mit Astrazeneca impfen lassen.

Dr. Stefanie Schmickler, Augenchirurgin und geschäftsführende Gesellschafterin des Augen-Zentrums Nordwest in Ahaus, Professor Carsten Watzl, Direktor am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der Technischen Universität Dortmund, Leiter des Fachbereichs Immunologie und Moderator Ulrich Breulmann (unten) diskutierten die Frage nach der Impfung für alle. © Jens Ostrowski © Jens Ostrowski

Thrombose ist nicht gleich Thrombose

Dr. Stefanie Schmickler betonte die Seltenheit der Nebenwirkungen von Astrazeneca. Das Thromboserisiko sei mit jedem Patienten individuell abzustimmen. Übrigens sei das Thromboserisiko ein Immunologisches. Wer sonst als Thrombose-Risikopatient gelte, sei durch die Impfung nicht mehr gefährdet.

Doch wie komme ich nun an die begehrte Impfung? Ein Weg seien die Hausärzte, doch da hatte Stefanie Schmickler einen dringenden Appell: „Nicht anrufen, sondern mailen!“ Übrigens dürften nicht bloß Hausärzte impfen. Auch Fachärzte könne man ansprechen. Der Tipp der Experten: „Sprechen Sie die Ärzte an, mit denen sie am meisten zu tun haben!“

Welche Zweitimpfing nach Astrazeneca?

Vielen Erstgeimpften stellen sich nach der Astrazeneca-Spritze Fragen nach der Zweitimpfung: Wieder Astra oder ein mRNA-Impftsoff wie Biontech oder Moderna? Immunologe Watzl: Grundsätzlich sei das Impfen mit einem anderen Stoff nicht gefährlich, „die Erstimpfung ist dann schon nicht mehr im Blut“, so Watzl.

Als den Geimpften gleichgestellt gelten seit Sonntag die vom Coronavirus Genesenen. Um aber auch wirklich von Lockerungen profitieren zu können, müssen sie einen PCR-Test vorweisen, der mindestens 24 Tage alt sein muss, und nicht länger als sechs Monate alt sein darf. Für sie reiche eine einmalige Impfung, so Stefanie Schmickler. Die wirke „wie ein Booster“ auf die Immunantwort auf die vorangegangene Infektion.

Impfung für Genesene?

Es sei nicht gefährlich, so Carsten Watzl, sich zweimal impfen zu lassen nach einer Infektion, aber die zweite Dosis sei schlichtweg verschwendet, weil die keine Wirkung aufs Immunsystem habe. Eine Herausforderung werde es, als vollständig Genesener zu gelten und dies auch nachzuweisen, etwa, wenn man nur eine Impfung habe. Da sollten Impflinge auf einen entsprechenden Hinweis in ihrem Impfausweis achten. Auch, so hoffte Watzl, werde noch in diesem Jahr der europäische Impfausweis kommen.

Also können wir nun auf einen guten Sommer hoffen?, fragte Moderator Ulrich Breulmann gegen Ende des Gesprächs. Dr. Stefanie Schmickler wollte da lieber keine Prognose abgeben, „aber die letzten Tage lassen hoffen“. Watzl riet, die „Füße ruhig zu halten“ und sich auch dann impfen zu lassen, wenn der Sommer toll sei und die Inzidenzen niedrig. Auch dann gelte laut Watzl: „Die Leute müssen das Impfangebot auch annehmen.“

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