"Wir sind die VHS des Sports"

DORTMUND Er war „mit Leib und Seele Fußballer“, spielt heute nicht minder begeistert Tennis. Jörg Rüppel, lange Jahre Dortmunder Sportamts-Chef („Ein Traumberuf“), steht nach vielen Irrungen und Wirrungen des Stadtsportbundes nun kommissarisch dem SSB vor. Im RN-Gespräch äußert sich der 65-Jährige über sein Ehrenamt und ehrgeizige Ziele.

von Von Gaby Kolle und Petra Nachtigäller

, 21.09.2007, 19:13 Uhr / Lesedauer: 3 min

Herr Rüppel, früher waren die Leichtathletik und der Handball Aushängeschilder des Dortmunder Sports. Heute sind es nur noch die Fußballer des BVB 09. Darf sich Dortmund noch als Sportstadt bezeichnen? Jörg Rüppel: Was heißt das, Sportstadt? Eine Stadt mit Vereinen, die von Unternehmen mit hohen Beträgen gesponsert werden? Nein, für mich gehört zu einer Sportstadt neben dem Bundesligafußball auch das Angebot an die Bürger, die Sport treiben wollen. Das sind 140.000 Mitglieder in Sportvereinen und noch einmal so viel, die vereinsunabhängig Sport treiben. Also die Hälfte unserer Bürger.

Und wie sieht es aus mit dem Angebot, das Dortmund zur Sportstadt macht? Rüppel: Wir sind nach wie vor eine Sportstadt, auch wenn einiges verbesserungswürdig ist. Die Stadt muss die Infrastruktur schaffen – z.B. Laufstrecken, Bolzplätze, Sportplätze der offenen Tür, denn aus Breitensportangeboten wächst auch immer der Leistungssport. Außerdem ist die Hallensituation unbefriedigend.

Was kann verbessert werden? Rüppel: Im Vergleich zu anderen Kommunen haben wir ein bisschen heile Welt hier. Momentan werden jährlich drei Sporthallen auf Vordermann gebracht, damit sind wir aber nicht am Ende unser Wünsche. Erfreulich sind die Investitionen in die Schwimmbäder Südbad, Froschloch und Hardenberg, und die Stadt will nach und nach Kunstrasenplätze anlegen. Die Sportförderung ist erfreulicherweise nicht gekürzt worden, und aus den Mitteln der Sportpauschale von 1,5 Millionen Euro fließt die Hälfte den Vereinen zu.

Hallensanierung reicht aber nicht, die Vereine fordern eine neue Ballsporthalle ... Rüppel: Stimmt, wir können zurzeit nur den Mangel verwalten. Wir haben keine Möglichkeit, auch nur einem Verein ausreichend Trainingszeit zur Verfügung zu stellen. Die Sporthalle in Wellinghofen reicht hinten und vorne nicht, ist bei Fußball-Stadtmeisterschaften zum Bersten voll. Eine Ballsporthalle mit Platz für 3500 Zuschauer wäre dringend vonnöten.

Wie weit sind Sie mit diesem Wunsch bei der Stadt schon gekommen? Rüppel: Der SSB-Vorstand hat in Abstimmung mit dem Hallenausschuss an den Sportdezernenten Jörg Stüdemann geschrieben und darauf hingewiesen, wie dringend erforderlich eine neue Ballsporthalle ist. Der SSB zeigt hier Flagge.

Früher haben Sie als Sportamtschef auf der Seite der Stadt gesessen. Hilft Ihnen das heute? Rüppel: Ja, der Zugang ist viel leichter. Wir verhandeln auf Augenhöhe. Ich kann auf das gute Klima zurückgreifen, das ich damals verlassen habe. Ich renne offene Türen ein mit meinen Sorgen und Wünschen.Aber die Stadt hat kein Geld.Rüppel: Deshalb möchte ich gemeinsam mit der Stadt eine Sportstiftung Dortmund ins Leben rufen. Wir brauchen Dortmunder Unternehmen, die den Sport unterstützen. Wir rufen alle Firmen auf, einen Beitrag dazu zu leisten. Die ersten Gespräche laufen bereits.

Der Stadtsportbund blickt nach der Henter-Affäre auf schwierige Zeiten zurück. Was wollen Sie für eine bessere Außenwirkung tun? Rüppel: Ich möchte erst mal nach innen wirken. Es ist bekannt, dass es zwischen den Fachschaften knirscht. Differenzen müssen innerhalb einer Organisation ausgetragen werden und nicht in den Leserbrief-Spalten. Dieses Klima möchte ich herstellen.

Und was tun Sie nach außen? Rüppel: Deutlich machen, dass der SSB eine Interessenvertretung und ein Dienstleister für Sportvereine ist. Draußen ist nicht bekannt, dass der SSB die VHS des Sports ist. Wir wollen unsere vielen Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote bekannt machen. Dazu muss auch unser Internetauftritt deutlich verbessert werden.

Ein volles Programm . . . Rüppel: Und das ist noch nicht alles. Ich möchte einen politisch abgesegneten Pakt für den Sport mit der Stadt schließen.

Was soll das genau sein? Rüppel: Eine Absichtserklärung für den Sport und seine Entwicklung in Dortmund mit Verpflichtungen auf beiden Seiten. Ein politisches Signal.

Ihren Worten und Ihrem Tatendrang ist zu entnehmen, dass das Ehrenamt als SSB-Vorsitzender Spaß macht ... Rüppel (lächelnd): Ich werde hier mit offenen Armen aufgenommen. Ich hatte anfangs Sorge, dass das Ehrenamt in einen Fulltime-Job ausartet, aber das ist zum Glück nicht so. Und es wird für mich noch leichter, wenn der neue SSB-Geschäftsführer Mathias Grasediek am 1.12. antritt. Unter diesen Bedingungen stelle ich mich im März 2008 gerne zur Wahl. Gemeinsam wollen wir eine Flagge für den Dortmunder Sport hissen.

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