Die EDG ist ein kerngesundes Unternehmen. Doch die Personaldebatten nehmen kein Ende. © RN
Entsorgung Dortmund

Wirbel um Grundstückskäufe: Wirtschaftsprüfer schauen EDG-Chefs auf die Finger

Hat sich die EDG-Chefetage bei Grundstücksgeschäften etwas zuschulden kommen lassen? Aufsichtsrat und Gesellschafter wollen es genau wissen – und schalten externe Wirtschaftsprüfer ein.

Wie werden bei der EDG die Grundstückskäufe vorbereitet? Haben sich die ursprünglich drei EDG-Chefs dabei abgestimmt und einen gemeinsamen Beschluss gefasst? Oder hat der kaufmännische Geschäftsführer Frank Hengstenberg mitunter auf eigene Faust gehandelt, wie kolportiert wird? Stein des Anstoßes war zuletzt ein Grundstückskauf an der Hannöverschen Straße im Gewerbegebiet Wambel-Nord.

Es war im Zusammenhang mit dem Neubau des Betriebshofes als Stellplatzfläche für EDG-Mitarbeiter vorgesehen. Um diesen Grundstückskauf hatte es in der Juni-Sitzung des Aufsichtsrates Irritationen gegeben. Grund: Auf der Fläche befindet sich ein Haus, das teilweise „illegal“ für Wohnzwecke genutzt werden soll – was in einem Gewerbegebiet eigentlich nicht erlaubt ist.

Zudem seien die Stadt und DSW als die Gesellschafter der EDG erst nach Vertragsunterzeichnung über diesen Umstand informiert worden. Was Frank Hengstenberg als kaufmännischer Geschäftsführer allerdings energisch bestreitet.

Weiter keine Entlastung für die EDG-Spitzen

In der Juni-Sitzung konnte der Aufsichtsrat die Angelegenheit nicht klären. Konsequenz: Im Jahresabschluss 2020 präsentierte die EDG-Holding zwar weiter ein gutes Ergebnis mit zwölf Millionen Euro Plus. Dennoch wurde der Geschäftsführung und dem EDG-Aufsichtsrat die Entlastung durch die Gesellschafter verweigert.

Ein unüblicher Schritt: Die Entlastung der Geschäftsführer nach Vorliegen des Jahresabschlusses gilt eher als Routine – es sei denn, die Chefs hätten sich etwas zuschulden kommen lassen.

Die Angelegenheit wurde auf eine extra anberaumte Sonder-Aufsichtsratssitzung am Freitag (2.7.) geschoben. Geklärt wurde sie auch dort nicht: Es soll nicht einmal zu einer Aussprache gekommen sein, wie es heißt. Auch die Hoffnung einiger Akteure, dabei könne zumindest der Aufsichtsrat entlastet werden, erfüllte sich nicht. Eher das Gegenteil war der Fall.

Die Stadt und DSW21 machten als EDG-Gesellschafter stattdessen das ganz große Fass auf – und wollen nun alle EDG-Grundstückskäufe der jüngeren Vergangenheit unter die Lupe nehmen lassen.

Externe Prüfer sollen in die Bücher gucken

Dazu soll eine Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft in die Bücher gucken und die Grundstückskäufe der zurückliegenden fünf Jahre auf mögliche „Pflichtverstöße“ untersuchen. Der Vorschlag soll vonseiten der Gesellschafter eingebracht worden und vom Aufsichtsrat akzeptiert worden sein.

Eine Stellungnahme war von der EDG nicht zu erhalten. „Wir äußern uns nicht zu Inhalten einer Aufsichtsratssitzung“, sagte Sprecher Matthias Kienitz auf Anfrage. Ob Ergebnisse der Prüfung vor oder erst nach der Bundestagswahl am 26. September vorliegen, bleibt vorerst offen.

Gut möglich, dass die Geschäftsführer wie auch die EDG-Kontrolleure im Aufsichtsrat solange auf ihre Entlastung warten müssen – sie wurde ihnen auch bei der Sondersitzung verweigert.

Um die Geschehnisse einordnen zu können, muss man wissen, dass Hengstenberg von seinen Gesellschaftern direkt und indirekt die Ansage erhalten hat, für ihn gebe es keine Zukunft mehr beim kommunalen Entsorger. Der Vertrag läuft im Februar 2023 aus.

„Die Geschäftsführung bestand aus drei Leuten“

Hengstenberg, er hat das CDU-Parteibuch, sieht allerdings keinerlei Fehlverhalten und möchte seinen Vertrag möglichst verlängern. Jendrik Suck, Chef der CDU-Ratsfraktion, weist auf Anfrage vorsorglich daraufhin, „dass die Prüfung nicht nur auf eine mögliche Pflichtverletzung eines einzelnen Geschäftsführers zielen“ könne. Schließlich habe die Geschäftsführung in der Vergangenheit aus drei Leuten bestanden, erinnert Suck.

Wenn schon geprüft werde, müsse das Handeln von Geschäftsführung und Aufsichtsrat insgesamt betrachtet werden. Bis dahin bleibe abzuwarten, was die Prüfer auf den Zettel schreiben würden, sagt Suck.

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Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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