300 Millionen Euro investierte die Wilo Gruppe in den vergangenen Jahren in ihren neuen Firmensitz, den Wilopark in Hörde. © Thomas Thiel
Wirtschaft

Wirbel um Wilo wegen überraschender Werksschließung

Der Pumpenhersteller Wilo ist mit einem Umsatzplus von 20 Prozent stark ins Jahr 2021 gestartet - und schließt trotzdem ein Werk in Sachsen-Anhalt. 120 Beschäftigte sind betroffen.

Der weltweit agierende Pumpenhersteller Wilo aus Hörde sorgt gerade in Oschersleben bei Magdeburg für großen Verdruss. Das Unternehmen hat dort verkündet, seinen Produktionsstandort zu schließen. Nach Medienberichten kam diese Entscheidung für die Politiker in Sachsen-Anhalt überraschend.

Für die strukturschwache Region, so heißt es, sei die Schließung des Standorts eine Katastrophe. Wilo beschäftigt in Oschersleben 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und galt dort nicht nur als Arbeitgeber, sondern auch als Hoffnungsträger für die wirtschaftliche Entwicklung.

Genau die Strukturschwäche der Region hat aber für die Wilo-Gruppe wohl den Ausschlag dafür gegeben, den Standort bis Ende März 2022 aufzugeben. Man glaubt, in Oschersleben das selbst gesteckte Ziel einer klimaneutralen Produktion bis 2025 nicht umsetzen zu können.

Wilo setzt auf „nachhaltige Produktionsstätten“

„Die Digitalisierung“, so heißt es in einer Pressemitteilung von Wilo, „kann bei der Transformation in grüne und nachhaltige Produktionsstätten ein entscheidender Schlüsselfaktor sein. Neben hohen Investitionen ist es es ebenso notwendig, die Synergiepotentiale unserer überregionalen Geschäftsaktivitäten zu heben, um auch in Zukunft resilient und krisenfest zu bleiben.“

Dementsprechend habe man beschlossen, „die Produktionskapazitäten des Werkes Oschersleben in unsere Hauptproduktionsstätten nach Hof (Deutschland) und Laval (Frankreich) zu verlagern und den Standort Oschersleben zu schließen“.

Zur Erklärung wird verwiesen auf den Ansatz, regionale Kundenbedürfnisse mit regional hergestellten Produkten zu bedienen. Diesen „Region for region“-Ansatz hält man in der Wilo-Gruppe in Oschersleben wohl für nicht vereinbar mit dem Ziel einer klimaneutralen Produktion.

Wilo erklärt: „Betriebswirtschaftlich nicht zu verantworten“

Es heißt: „Die fortschreitende Digitalisierung, die an allen Produktionsstandorten einen immer größeren Stellenwert einnimmt, ist besonders sichtbar in der Smart Factory in Dortmund. Dabei spielt, neben anderen wichtigen Faktoren, eine moderne IT-Infrastruktur eine entscheidende Rolle.“

„Um den Standort in Oschersleben zu erhalten, wären Investitionen unter anderem im Bereich der IT-Infrastruktur notwendig, die im Sinne der gesamten Unternehmensgruppe betriebswirtschaftlich nicht zu verantworten sind“, sagt Dr. Mahmud Mustafa, Leiter Operations der Wilo-Gruppe. Außerdem sei es fraglich, ob langfristig genügend qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung stünden.

Zudem wolle Wilo zukünftig ganz im Sinne des „Region-for-region“-Ansatzes „noch flexibler auf Kundenwünsche eingehen und Vorlaufzeiten verkürzen.“ Dementsprechend werde die Montage von einzelnen Produkten zu Systemen und Lösungen in diejenigen Regionen verlagert, in denen sie verstärkt nachgefragt werden. Diese sich fortsetzende Marktentwicklung habe bereits in der Vergangenheit Auswirkungen auf die Auslastung des Werks in Oschersleben gehabt.

Weiterbeschäftigung in Dortmund soll möglich sein

Für die betroffenen 120 Beschäftigten kündigt Wilo an, zeitnah mit dem Betriebsrat Verhandlungen aufzunehmen. Dem möglichen Wunsch nach einer Weiterbeschäftigung an den beiden anderen Werken in Dortmund oder Hof stehe man „grundsätzlich sehr positiv gegenüber“.

In den vergangenen Jahren hat die Wilo-Gruppe in den Hauptunternehmenssitz in Hörde, den Wilopark, rund 300 Millionen Euro investiert, um diesen unter den neuesten „Industrie 4.0“- und Klimaschutzstandards aufzustellen.

Nach der Fortsetzung eines profitablen Wachstumskurses auch im Corona-Jahr 2020 startete Wilo auch in das laufende Jahr äußerst erfolgreich. Im ersten Quartal steigerte die Wilo Gruppe ihre Umsatzerlöse kräftig um nahezu 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Wilo beschäftigt in ganz Deutschland 2680 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – davon 1959 in Dortmund.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle

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