Wirt kündigt provokative Hilfsaktion für die Vertriebenen der Martener Trinkerszene an

mlzTrinkertreff in Marten

Der Schock über den Abriss der Sitzmauern am hinteren Penny-Markt sitzt bei Wirt Michael Smajlovic immer noch tief. Jetzt plant der 72-Jährige eine ungewöhnliche Aktion pro Trinkerszene.

Marten

, 05.08.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für Michael Smajlovic, den Wirt des Hotels „Martener Hof“, ist die Sache noch lange nicht erledigt. Dass die Sitzmauern an der Steinhammer-/Martener Straße Anfang Juli abgerissen wurden, um die Martener Trinkerszene zu vertreiben, bleibt für ihn ein Skandal.

„Den Menschen muss geholfen werden, die darf man nicht einfach verjagen“, sagt der 72-Jährige wütend. Diesen Standpunkt vertrat Michael Smajlovic auch schon Anfang Juni im Gespräch mit dieser Redaktion. Jetzt will der Martener Wirt mit einer symbolischen Hilfsaktion ein Zeichen setzen.

Gemeinsam mit einem Freund, kündigt er an, werde er in den nächsten Tagen genau dort einige Klappstühle aufstellen, wo bis vor kurzem noch die Sitzmauern standen. Diesen Gedanken habe er schon eine ganze Weile im Kopf.

Wirt kündigt provokative Hilfsaktion für die Vertriebenen der Martener Trinkerszene an

Erika Kawohl sowie Waltraud und Friedhelm Barthel (v.r.) haben nichts gegen die Menschen, die im Steinhammerpark oder an einem anderen Martener Ort öffentlich ein Bier trinken. © Beate Dönnewald

„Bänke sind für Menschen. Jetzt ist Marten leer“

„Und dann setzen wir uns auf die Stühle und genießen dort erstmal ein Bierchen“, sagt Michael Smajlovic, der mit der Aktion ganz bewusst provozieren möchte. Vor allem die Kommunalpolitiker, die den Abriss beschlossen haben. „Die Sitzmauern sind für ganz Marten ein Verlust. Bänke sind für Menschen. Jetzt ist Marten leer.“

Am liebsten würde er den alkoholkranken Menschen noch mehr helfen als nur mit dieser symbolischen Aktion. „Doch leider weiß ich nicht wie.“ Einige der Trinker hätten in der Vergangenheit auch schon mal die Toiletten in seiner Kneipe aufgesucht, seit dem Abriss der Mauern habe er sie nicht mehr gesehen. „Die laufen rum wie die Kaninchen, die haben Angst“, meint er.

„Früher waren die oft hier im Park und haben niemanden gestört“

Laut Bezirksvertreter Jürgen Schröder (CDU) und Monika Rößler vom Martener Forum habe sich der Trinkertreff in den Steinhammerpark verlagert. „Einige sitzen auch auf der Mauer am ehemaligen Martener Amtshaus“, sagt Jürgen Schröder.

Im Park haben Erika Kawohl sowie Waltraud und Friedhelm Barthel (v.r.), die sich dort oft aufhalten, in der letzten Zeit allerdings niemanden vom Trinkertreff gesehen. „Früher waren sie regelmäßig hier im Park und haben niemanden gestört“, sagt Erika Kawohl.

„Die brauchen doch auch einen Platz, um sich zu treffen und Gesellschaft zu haben. Das sind Menschen, die zu uns gehören, es geht nicht allen so gut wie uns“, ergänzt Waltraud Barthel. Alle Drei halten es für falsch, dass die Mauern am Penny abgerissen wurden. „Ich war fix und fertig, als ich davon in der Zeitung gelesen habe“, so Erika Kawohl.

„Jetzt ist es so, wie es sein sollte“

Die direkten Anwohner an der Martener-/Steinhammer Straße sind da natürlich ganz anderer Meinung. „Ich kann nur sagen, ich bin begeistert. Jetzt ist es so, wie es sein sollte. Ich kann mich nur bei allen Mitwirkenden bedanken“, schreibt eine Anwohnerin.

Auch auf dem Bürgerfest am vergangenen Wochenende sei viel und kontrovers über das Thema diskutiert worden, sagt Monika Rößler. Sitzmauern abzureißen und die alkoholkranken Menschen zu vertreiben, ist auch in ihren Augen keine Lösung. Das Martener Forum wolle deshalb an einem Runden Tisch mit Experten Konzepte für Marten entwickeln.

Jetzt lesen

„Hinter den Kulissen wird nach Lösungen gesucht“

Laut Jürgen Schröder werde aktuell hinter den Kulissen der Verwaltung nach Lösungen gesucht. Dazu passt auch die Aussage von Stadtsprecher Christian Schön: „.Am 17. September wird das Thema in der Bezirksvertretung behandelt. Wir können natürlich nicht die Politik übergehen und vorab über die Medien informieren.“

Bezirksbürgermeister Heiko Brankamp weiß noch nichts von diesem Tagesordnungspunkt. Er sei auf jeden Fall sehr gespannt, denn seiner Meinung nach gebe es keinen Königsweg, um dieses gesellschaftliche Problem zu lösen. „Ich kenne zumindest bislang keinen Fall, der zum Erfolg geführt hat.“

Lesen Sie jetzt