Wizz-Air-Chef provoziert mit Aussage gegen Gewerkschaften

mlzFlughafen Dortmund

Die Billigfluglinie Wizz Air fliegt auf Dortmund: 18 neue Verbindungen werden bald angeboten. Eine Aussage von Airline-Chef Váradi in einem Interview ruft nun Irritationen hervor.

Dortmund, Wickede

, 30.06.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Flughafenchef Udo Mager sprach von einer „Sternstunde für den Airport“, als am 18. Juni die Nachricht bekannt gegeben wurde, dass der ungarische Billigflieger Wizz Air drei Maschinen am Flughafen Dortmund fest stationieren und von Dortmund aus 18 neue Ziele ansteuern will, unter anderem Athen, Rhodos, Lissabon und Fuerteventura.

Für den Airport Dortmund bedeute das perspektivisch eine Million zusätzlicher Passagiere, sagte Mager und sprach von einem „großen Vertrauensbeweis“ in den Standort Dortmund. Mit der schrittweisen Basis-Eröffnung ab August will Wizz Air mehr als 100 Mitarbeiter am Dortmunder Flughafen beschäftigen,

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Einige Tage später erschien ein Interview des Luftfahrt-Portals Aero Telegraph mit Wizz-Air-Chef József Váradi, das wegen eines provokanten Seitenhiebs gegen Gewerkschaften aufhorchen lässt.

„Gewerkschaften zerstören das Geschäft“

Auf die Feststellung, dass Wizz-Air auch mit der Basis in Deutschland eine Airline ohne Gewerkschaften bleiben wolle, sagt Váradi laut dem Wortlaut des Textes: „Ja, das machen wir überall so. Gewerkschaften zerstören das Geschäft. Das ist auch eines der Probleme bei Lufthansa. Wenn die Gewerkschaften versuchen, uns zu erwischen, dann schließen wir einfach die Basis und ziehen weiter.“ Das sei „das Schöne“ bei einer Airline, die so flexibel sei wie Wizz-Air, so Váradi, „wir können einfach unsere Flugzeuge zu einem anderen Flughafen verlegen.“

Für die Grünen im Rat sind diese Äußerungen alles andere als eine Sternstunde. „Wenn der Platzhirsch Wizz Air die Gewerkschaften öffentlich als zerstörerisch bezeichnet, dann ist das eine Brüskierung der Beschäftigten bei Wizz Air und am Flughafen“, kritisiert Fraktionssprecherin Ingrid Reuter.

Es stelle sich die Frage, wie sich die Geschäftsführer des Flughafens und der Muttergesellschaft DSW21 vor diesem Hintergrund eine weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Unternehmen vorstellten. „Bei den Verantwortlichen am Flughafen sollten nach diesem Satz die Alarmglocken schrillen. Statt Silberstreif drohen da doch eher sehr dunkle Wolken – sowohl für den Flughafen als auch für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.“

Flughafen hat Tarifverträge

Dazu sagt Flughafen-Chef Udo Mager auf Anfrage dieser Redaktion: „Ich kommentiere nicht Interviews von Vorstandsvorsitzenden von Fluggesellschaften. Dieses Thema müssen die miteinander besprechen, die es angeht – das sind die Gewerkschaften und Unternehmen. Wir haben eigenes Personal und wir haben Tarifverträge.“

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Wenn der Flughafen Aufträge an Dienstleister verteile, wie zum Beispiel Reinigungsunternehmen, dann selbstverständlich mit geltenden Tarifverträgen. Fluggesellschaften nutzten als Kunden die Infrastruktur, erklärte Mager.

Partnerschaft seit 2004

Debatten dieser Art, die in Richtung Flughafen adressiert seien, sollten nicht an diesem festgemacht werden, sagte Mager in Richtung Grünen-Kritik - „die das tun, sind die, die den Flughafen ohnehin schließen wollen. Das ist nicht unser Programm.“

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Die Partnerschaft mit Wizz Air bestehe seit 2004, so der Flughafen-Chef weiter. Im Interview wie auch bei der Pressekonferenz am 18. Juni in Dortmund hob Váradi die Effizienz, die schlanken Kosten und die schnellen Umlauf-Zeiten beim Flughafen Dortmund hervor: „Das wiegt die in Deutschland höheren Personalkosten auf.“

Dortmund ist neben London-Luton, Wien und Mailand die vierte Basis des Billigfliegers in Westeuropa. Insgesamt betreibt die Airline Basen an 33 Flughäfen. Eine Anfrage unserer Redaktion bei Wizz Air zur Aussage des Geschäftsführers blieb bis zum Redaktionsschluss dieses Textes (29.6., 17.30 Uhr) unbeantwortet.

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