Wohin, wenn‘s brennt? Das passiert im Notfall in Dortmunds großen Veranstaltungsorten

mlzEvakuierung im Notfall

Wenn es brennt, müssen alle schnellstmöglich raus: Das ist in besucherstarken Veranstaltungsorten je nach Architektur eine Herausforderung – vor allem im Konzerthaus, im U und im Stadion.

Dortmund

, 02.02.2019, 04:36 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wie ist das mit den Fluchtwegen im Konzerthaus? Das fragte uns Leserin Dr. Gabriele Wand-Seyer, nachdem wir berichtet hatten, dass das Torhaus im Rombergpark wegen unzureichender Fluchtwege geschlossen wurde.

Im Konzerthaus dauert‘s immer lang - wenn‘s kein Notfall ist

Viele Konzerthaus-Besucher mögen sich das schon einmal gefragt haben. Nach dem Schlussapplaus stehen die Zuschauer lange in den Stuhlreihen und auf den schmalen Gängen, und der Weg aus dem Saal gerät zum langsamen Stop-and-Go.

Gabriele Wand-Seyer schrieb uns: „Als Besucher gerät man bei dem Gedanken an einen Katastrophenfall welcher Art auch immer unweigerlich in Sorge um das Leben aller Anwesenden: In den schmalen Gängen und engen Sitzreihen ist man gefangen und den Ereignissen hilflos ausgeliefert.“

Beim Stehen im Stau nach den Vorstellungen sei sie oft mit anderen Besuchern ins Gespräch gekommen: „Viele denken da ganz ähnlich.“

Wir haben uns das Entfluchtungskonzept des Hauses erklären lassen - und die Konzepte von sechs weiteren besucherstarken Veranstaltungsorten in Dortmund.

Im Konzerthaus zum Beispiel ist die Breite der Treppengänge im Saal genau berechnet, um bei einer Evakuierung im ausverkauftem Haus allen Besuchern ein schnelles Verlassen des Hauses zu ermöglichen. Denn wie in den anderen Häusern ist auch im Konzerthaus ein Sicherheitskonzept vorgeschrieben, das jede erdenkliche Situation abdeckt.

Wohin, wenn‘s brennt? Das passiert im Notfall in Dortmunds großen Veranstaltungsorten

Im Evakuierungsfall öffnen sich im Konzerthaus an der Brückstraße Wege, die sonst verschlossen sind. © Dieter Menne

Im U-Turm zum Beispiel müssen im Notfall alle Etagen geräumt werden - aber nicht über den großen Lichtschacht mit den Rolltreppen, über den die Besucher im Normalfall die Etagen wechseln, denn das wäre zu gefährlich. Im weitläufigen Theatergebäude dagegen gibt es verschiedene Evakuierungsszenarien, je nachdem, in welchem Trakt der Alarm ausgelöst wird.

So funktioniert die Evakuierung in den einzelnen Veranstaltungsorten:

Im Konzerthaus

Im Stadion

Im Theater

Im U-Turm

Im Fußballmuseum

Im FZW

In der Warsteiner Music Hall

Jedes Veranstaltungsgebäude braucht ein Brandschutzkonzept

Das sind die Vorschriften:

  • Seit 2001 muss jeder geplante Veranstaltungs-Neubau dem Baugenehmigungsantrag ein Brandschutzkonzept beilegen. Nur wenn das Brandschutzkonzept überzeugend ist, gibt es die Baugenehmigung.
  • Das Konzept wird im Auftrag des Bauherren zunächst von einem Sachverständigenbüro erarbeitet. Dann wird es im Baugenehmigungsverfahren vom Bauordnungsamt und der Feuerwehr geprüft. Während des Baus wird die Einrichtung der sicherheitsrelevanten Teile mehrfach durch speziell dafür ausgebildete Prüfsachverständige begutachtet, das kann zum Beispiel der TÜV sein.
  • Ist das Gebäude fertig und das Brandschutzsystem komplett installiert, wird es nochmals mehrfach kontrolliert, von den Sachverständigen, vom Bauordnungsamt und von der Feuerwehr. Erst dann darf das Gebäude in Betrieb genommen werden.
  • Für ältere Gebäude, zum Beispiel des Theater, muss das Brandschutzkonzept erstellt werden, wenn der Brandschutz modernisiert wird. Beim Theater ist das in den vergangenen Jahren geschehen.
  • Im U gibt es unangekündigte Übungen auch während der Öffnungszeiten. Im Stadion, Konzerthaus, Theater, FZW und Warsteiner Music Hall gibt es solche Übungsalarme mit Publikum nicht. Laut Gero Droste, Leiter des Vorbeugenden Brandschutzes der Feuerwehr, sind solche Übungen mit Publikum nicht vorgeschrieben. Allerdings überprüfen die Sachverständigen und die anderen Kontrollinstitutionen die Brandschutzkonzepte sehr sorgfältig um sicherzustellen, dass jede Zuschauerin und jeder Zuschauer im Ernstfall keine Probleme hat, das Gebäude sicher und schnell zu verlassen.
  • Nach ihrer Inbetriebnahme müssen in allen Gebäuden die Sicherheitstechnik und die Entfluchtungsmaßnahmen und -wege regelmäßig gecheckt werden. Die Intervalle richten sich je nach Bereich, manche Systeme werden einmal pro Jahr geprüft, andere prüft die Feuerwehr vor jeder Vorstellung, zum Beispiel im Theater.
  • Wenn in einem der Gebäude ein Alarm auslöst, wird automatisch immer die Feuerwehr alarmiert. Die technischen Schutzsysteme sind durch ein Notstromaggregat vor Stromausfällen geschützt.
  • Mit der Verbesserung von Brandschutzkonzepten befassen sich laut Gero Droste regelmäßig viele Forschungsprojekte. Deren Ergebnisse fließen dann auch in Dortmunder Konzepte ein. Die LEDs im Theater zum Beispiel gehen auf solche Forschungen zurück.
  • Bei Flugzeugen gibt es eine vorgeschriebene Zeitspanne, innerhalb der die Evakuierung beendet sein muss. Bei Gebäuden gibt es so eine Vorgabe nicht, sagt Gero Droste. Denn im Gegensatz zu dem vergleichsweise kleinen, viel brandgefährdeteren Innenraum eines Flugzeugs sind die Besucher eines großen Gebäudes nicht überall gleich gefährdet. Sinnvolle Evakuierungszeitangaben für Gebäude müssten hundertfach errechnet werden, weil sie für Hunderte unterschiedlicher Szenarien einzeln vorgegeben sein müssten. Stattdessen zielt das Brandschutzkonzept für Gebäude darauf, einfach so schnell und sicher wie möglich alle Menschen nach draußen zu bringen.
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