Ganz so schlimm wie befürchtet ist es für Dortmund nicht gekommen. Ausgerechnet im Coronajahr 2020 hat sich die Finanzlage der Stadt stabilisiert. © Hans Blossey (Archiv)
Immobilien in Dortmund

Wohn-Nebenkosten in 100 deutschen Städten: So schneidet Dortmund ab

Abfall, Abwasser, Grundsteuer – die Nebenkosten fürs Wohnen sind von Stadt zu Stadt höchst unterschiedlich. Ein Vergleich unter 100 deutschen Großstädten zeigt, wie Dortmund abschneidet.

Wie viel kostet die Müllabfuhr? Wie hoch sind die Preise für Abwasser? Was müssen man an Grundsteuer bezahlen? Das ist in jeder Stadt unterschiedlich und immer wieder Anlass zu Diskussionen.

Auf diese drei bedeutendsten Abgaben entfallen – nach Angaben des Eigentümerverbandes Haus & Grund – für einen Musterhaushalt in Deutschland bis zu 2046 Euro im Jahr. Und der Unterschied zwischen der teuersten und der günstigsten Stadt liegt, so der Verband, bei 1100 Euro.

In Dortmund zahlen Bürger für Müll, Abwasser und Grundsteuer 60 Prozent mehr als Bürger in der günstigsten Stadt Regensburg. Das ist das Ergebnis des aktuellen Nebenkostenrankings, das das Institut der deutschen Wirtschaft Köln im Auftrag von Haus & Grund Deutschland erstellt hat.

Platz 75 unter 100 deutschen Städten

„Während die Musterfamilie in Regensburg nur 915 Euro pro Jahr zahlen muss, zahlt sie in Dortmund 1460 Euro“, sagt Dr. Thomas Bach, Hauptgeschäftsführer von Haus & Grund Dortmund.

Dr. Thomas Bach, Hauptgeschäftsführer bei Haus & Grund in Dortmund verweist darauf, dass die Bestandsmieten in Dortmund noch relativ niedrig seien. Auch deshalb gebe es zu den Neubaumieten im Schnitt einen Differenz von immerhin 160 Euro.
Dr. Thomas Bach, Hauptgeschäftsführer bei Haus & Grund in Dortmund verweist darauf, dass die Bestandsmieten in Dortmund noch relativ niedrig seien. Auch deshalb gebe es zu den Neubaumieten im Schnitt einen Differenz von immerhin 160 Euro. © Haus & Grund © Haus & Grund

Dortmund landet im Ranking auf Platz 75 unter den untersuchten 100 größten deutschen Städten und rangiert damit nur im hinteren Mittelfeld. Seit der letzten Untersuchung vor drei Jahren bedeutet dies einen weiteren Anstieg um 53 Euro.

Thomas Bach weist darauf hin, dass 22 Städte im Vergleich zum Ranking vor drei Jahren die Kosten für die Abwasser- und Müllentsorgungsgebühren sowie für die Grundsteuer sogar senken konnten – unter ihnen Bonn (-120 Euro), Nürnberg (-67 Euro) und Düsseldorf (-53 Euro).

Abwassergebühren liegen in Dortmund im Durchschnitt von NRW

In Sachen Grundsteuer verweist Michael Meinders, Pressesprecher der Stadt Dortmund, darauf, dass das Ranking sich auf den gemeindlichen Hebesatz reduziere. „Der wird von Politik beschlossen“, sagt er. Und beschlossen wurde für Dortmund zuletzt ein Hebesatz von 610 Prozent. In Bonn liegt dieser beispielsweise noch darüber (680 Prozent), in Krefeld aber darunter (452 Prozent.)

Die Abwassergebührenbelastung eines durchschnittlichen Vier-Personenhaushalts lag in Dortmund nach Angaben der Stadtverwaltung im Jahr 2020 bei 596,80 Euro. Weil andere Annahmen zum Durchschnitts-Frischwasserverbrauch und Schmutzwasseraufkommen zugrunde gelegt wurden, kommt man im Haus-& -Grund-Ranking auf 570 Euro. Für Dortmund bedeutet das in diesem Bereich Platz 58.

In Nordrhein-Westfalen liegt Dortmund mit den Abwassergebühren laut einer Tabelle der Stadt im Durchschnitt. Deutlich günstiger ist es allerdings in Süddeutschland. Die Musterfamilie in der Gesamtsieger-Stadt Regensburg zahlt nur 358 Euro für ihr Abwasser. Allerdings setzen sich die Abwassergebühren aus vielen unterschiedlichen Faktoren zusammen. So werden beispielsweise die Beiträge zur Erhaltung und Erweiterung der Kanalinfrastruktur unterschiedlich kalkuliert.

Bei den Müllgebühren schneidet Dortmund schlecht ab

Bei den Müllgebühren schneidet Dortmund besonders schlecht ab und belegt hier sogar nur Platz 88. 373 Euro zahlt der Musterhaushalt im Jahr für die Abfallentsorgung. In Essen würde die gleiche Familie nur 183 Euro bezahlen, in der in diesem Bereich günstigsten Stadt Flensburg sogar nur 123 Euro. Anmerken muss man dazu, dass der Abholrhythmus und der Servicegrad (etwa bei Sperrmüll oder Sondermüll) variieren.

Für Dr. Kai Warnecke, den Präsidenten von Haus & Grund Deutschland, zeigen die Analysen aber, dass es keine offensichtlichen Muster gibt – weder räumlich, noch nach Einwohnerdichten oder anderen Merkmalen oder Verschuldungsgrad. „Die Recherchen zeigen“, sagt er, „dass die Städte oftmals ihre hohen Spielräume nutzen, um individuelle Gebühren zu setzen und sich damit finanzielle Freiräume zu schaffen.“

Der Dortmunder Haus-&-Grund-Chef Thomas Bach kritisiert die hohe Intransparenz und die dramatischen Unterschiede der Gebühren in den einzelnen Städten und fordert die Verantwortlichen in Dortmund auf, gemeinsam nach Lösungen für eine gute Versorgung mit öffentlichen Dienstleistungen zu akzeptablen Preisen zu suchen. „Von den Besten lernen lautet der Auftrag, den die Kommunen aus diesem Ranking ableiten sollten“, sagt er.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
Zur Autorenseite
Peter Wulle

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.