Wohnen am Viadukt: „WIR“ beginnt den Bau am nächsten Großprojekt

mlzAlternative Wohnform

Der Verein „WIR“ hat an sechs Standorten in Dortmund alternatives Wohnen in der Gemeinschaft ermöglicht. Jetzt steht in Hörde der Baubeginn für das siebte Projekt an.

Hörde

, 22.02.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

In jeder enttäuschenden Nachricht liegt vielleicht auch ein Stück Hoffnung. Wer auf www.wir-dortmund.de geht, um zu schauen, ob in einem der Wohnprojekte noch ein Platz frei ist, liest nur einen Satz.

„Momentan sind leider keine freien Wohnungen in den Projekten verfügbar“, steht dort.

Harald Rüßler und Birgit Pohlmann leben in Wohnungen von WIR, das für „Wohnen Innovativ Realisieren“ steht. Gleichzeitig sind die beiden das Stückchen Hoffnung für alle, die ebenfalls anders wohnen wollen. Alles klar?

Zwei Projekte sind auf dem Weg

Hinter WIR steckt ein gemeinnütziger Verein, der 1998 mit dem Ziel gegründet wurde, gemeinschaftsorientierte und alternative Wohnformen auf die Beine zu stellen.

Rüßler ist seit 20 Jahren Mitglied und mittlerweile Vorsitzender, Pohlmann hat vor mehr als zwei Jahrzehnten das erste Wohnprojekt überhaupt mitinitiiert.

Gemeinschaftliches Wohnen an der Emscher. Das Wohnprojekt in Dortmund kann starten

Das neueste Projekt entsteht direkt an der Emscher. © Michael Nickel

Mittlerweile stehen an sechs Orten in Dortmund solche in Stein verarbeitete alternative Wohnformen: zwei im Tremoniapark, zwei in Hörde sowie jeweils eine in Hombruch und im Kaiserviertel. Zwei weitere sind in Hörde in Planung.

„Innerhalb von Familien ist das Miteinander von Generationen ein wichtiges Thema, aber es kann nicht immer so gelebt werden“, sagt Rüßler. Die Frage lautet also, wie man dieses Miteinander „geplant herstellen“ könne. Eine Antwort könnten die WIR-Projekte sein.

Das Prinzip: Es entstehen Häuser oder ganze Wohnhöfe, in die dann ältere und junge Menschen einziehen, Alleinstehende und Familien mit Kindern. Die Wohnungen sind unterschiedlich groß, mal werden die Bewohner Eigentümer, mal mieten sie sich über eine Genossenschaft ein.

Bald soll es am Viadukt losgehen

WIR kooperiert mit dem Spar- und Bauverein und der gws. Für den Umbau der Alten Polizeiwache an der Alten Benninghofer Straße geht das Projekt unter das Dach der Ko-operativ eG, einer Dachgenossenschaft nur für Wohnprojekte in NRW. Der Bau soll in diesem Jahr starten, sagt Birgit Pohlmann. Verzögerungen sind aber möglich und auch schon eingetreten.

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Bei Projekt Nummer sieben sind die Planungen schon weiter. Es entsteht an der Straße „Auf der Kluse“ direkt neben der Emscher mit Blick aufs Viadukt, dort, wo zuvor Gärten waren – und heißt „WIR am Viadukt“.

„Wenn alles gut läuft, starten wir hier im März mit den Bauarbeiten“, sagt Pohlmann.

Auf der Fläche werden 25 Wohnungen mit Gemeinschaftshaus und Garten entstehen. „Ziel ist auch hier eine verlässliche Nachbarschaft für Menschen in allen Lebensphasen“, heißt es auf der Homepage.

Einziehen werden beispielsweise 19 Familien mit mindestens 30 Kindern, die auch schon in der Entwicklung aktiv sind.

Das neue Wohngebiet braucht einen neuen Namen: Viaduktblick. Der Name kommt nicht von ungefähr. Denn vom Gelände aus hat man Sicht auf Phoenix-West und das Viadukt.

Das neue Wohngebiet braucht einen neuen Namen: Viaduktblick. Der Name kommt nicht von ungefähr. Denn vom Gelände aus hat man Sicht auf Phoenix-West und das Viadukt. © Michael Nickel

Denn auch das gehört zum WIR-Prinzip: Menschen, die gemeinsam in einer Nachbarschaft leben möchten, tun sich zusammen und wenden sich an den Verein. So wird – wenn alles passt und klappt – aus einer Idee ein Haus.

Wenn so ein Projekt erst mal fertig ist, wolle niemand mehr freiwillig raus. „Die Fluktuation ist sehr gering“, sagt Harald Rüßler. Wenn doch eine Wohnung frei wird, haben die Eigentümer gemeinschaftlich das Recht, die Nachfolge vorzuschlagen.

Gemeinschaft heißt auch BVB-Gucken

Rüßler sitzt im Gemeinschaftsraum des WIR-Projektes an der Langen Hecke in Hörde. Hier schauen die Bewohner die Spiele der Borussia, sie treffen sich zum Feiern, gemeinsamen Frühstück, zum Sport oder zum Strickclub.

Der Verein organisiert für die Bewohner aller Projekte einmal im Jahr eine Radtour, die Teilnahme am Drachenboot-Rennen auf dem Phoenix-See und Themenabende, die von Car-Sharing bis zu Vorsorgevollmachten reichen und immer aus den einzelnen Projekten organisiert werden.

An der Wand hängt ein deckenhohes Plakat, auf dem die Bewohner des Hauses bei einem der jüngsten Treffen aufgeschrieben haben, was für sie wichtig ist. „Es ist hier mehr als nur eine Nachbarschaft“, sagt Rüßler.

Wohnen mit WIR

Das sind die bislang umgesetzten Projekte

  • Tremoniapark („Wohnre-Wir“): Das erste Projekt überhaupt. Einzug 2004, Wohneigentümergemeinschaft mit 40 Bewohnern in 21 Eigentumswohnungen.
  • Tremoniapark („Wir auf Tremonia“): Zwei Jahre später folgte das nächste Projekt in direkter Nachbarschaft zum ersten. 47 Menschen zogen hier in 18 Eigentumswohnungen ein.
  • Hombruch („Wir wohnen anders“): Einzug 2010. In Kooperation mit dem Spar- und Bauverein ist am Generationenweg eine Mischung aus Mietprojekt und Eigentümergemeinschaft entstanden. 87 Menschen teilen sich auf 25 Mietwohnungen, 8 Doppelhaushälften und 5 Einfamilienhäuser auf.
  • Hörde („Wir auf Phoenix“): An der Langen Hecke sind 2012 40 Menschen in 20 Mietwohnungen eingezogen. Kooperationspartner ist die Hörder Genossenschaft gws.
  • Hörde („Wir am Phoenixsee“): 2015 waren die 40 Eigentumswohnungen bezugsfertig, 60 Menschen leben hier.
  • „Wir im Kaiserviertel“: Das bislang letzte realisierte Projekt steht an der Prinz-Friedrich-Karl-Straße. 11 Menschen verteilen sich auf 7 Eigentumswohnungen.
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